FeedMünch-Bellinghausen
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Münch-Bellinghausen (Cligius Franz Jos., Freiherr von), Neffe des vorigen, bekannt als namhafter dramatischer Dichter unter dem Namen Friedrich Halm, geb. 2. April 1806 zu Krakau, hatte schon in seinem 20. Jahre die jurist. Polit. Studien absolviert. Entscheidend für sein poetisches Wirken wurde die 1833 erneute Verbindung mit seinem ehemaligen Lehrer Enk von der Burg, der ihn dazu brachte, unter dem Namen Friedrich Halm dem Hofburgtheater das Schauspiel (Griseldiso (9. Aufl., Wien 1869) zu übergeben, wo dasselbe 1835 mit großem Erfolg zur Aufführung kam. „Auf derselben Bühne wurden 1836 sein «Adepto, 1837 seine Jugendarbeit, das dramatische Gedicht (Camoensv, 1838 das historisch-romantische Trauerspiel Imelda Lambertazziv und 1840 das Trauerspiel «Ein mildes Urteilb gegeben. Daneben versuchte sich M. in Bearbeitung ausländischer Meisterwerke für die Bühne, wie Lope de Vegas König und Bauero (1841) und Shakspeares Cymbelinev (1842). Der Sohn der Wildniso (1843; 5. Aufl., Wien 1866) wurde in kurzer Zeit auf allen deutschen Bühnen heimisch. Nun wandte sich M. dem Gebiet der histor. Tragödie zu mit Sampieroy, den er im Jan. 1844 zur Aufführung brachte, und „Maria de Molinap (1847). Gleichzeitig dichtete er das Lustspiel Verbot und Befehlo. Im J. 1854 ging über die Bühne des Hofburgtheaters zu Wien das Drama eines ungenannten Verfassers, Der Fechter von Ravennas (3. Aufl., Wien 1877), das großen Beifall fand. Namentlich infolge dieser Anonymität entspannen sich litterarische Erörterungen, die eine sehr polemische Wendung nahmen, als der bayr. Dorfschullehrer Franz Bacherl das Recht der Äutorschaft beanspruchte. Dies bewog endlich M., sich als den Verfasser des Stücks zu nennen. Seitdem dichtete er eine Iphigenie in Delphis (1856) im Anschluß an Goethes Iphigenie auf Tauriso und das dramatische Gedicht Eine Königino (Wien 1857); ferner zur Schiller-Feier 1859 das kleine Festspiel Vor hundert Jahrenp. Im J. 1863 übergab er der Bühne das histor. Drama Begum Somruv und das Lustspiel (Wildfeuer» (4. Aufl., Wien 1877). Zur Shakspeare-Feier brachte er das Festspiel Der Abend zu Titchfieldo (Wien 1867). Die Gesamtausgabe seiner „Werker (Bd. 1—8, Wien 1857—64) enthält auch seine „Gedichtes (Stuttg. 1850; 3. Aufl., Wien 1877) und Reue Gedichtes (Wien 1864). Nachdem M. seit 1840 als niederösterr. Regierungsrat gewirkt, übernahm er 1845 mit dem Titel eines Wirkl. Hofrats die Stelle eines ersten Custos an der kaiserl. Hofbibliothek. Im J. 1861 zum lebenslänglichen Mitgliede des österr. Herrenhauses berufen, nahm M. seinen Platz auf der Linken des Hauses. Vom 11. Juli 1867 bis zum Nov. 1870 war M. Generalintendant der wiener Hoftheater Er starb 21. Mai 1871 und ward in Hütedorf bei Wien beerdigt. Seinen litterarischen Nachlaß gaben Pachler und Kuh heraus als 9. bis 12. Teil seiner „Werkey (Wien 1872). Vgl. Kuh, «Gedenkblätter an Friedrich Halmp (Wien 1871).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 925Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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