Ruysbroek oder Rusbroek (Johs.), Mystiker des 14. Jahrh., geb. 1293 in Ruysbroek bei Brüssel, ward mit 24 Jahren zum Priester geweiht und bald als Vikar bei der St. Gudulakirche in Brüssel angestellt und zog sich im 60. Jabre mit mehrern Freunden in das Chorherrenkloster Groenendael zurück. Hier wirkte er als erster Prior, bis er 13. Dez. 1381 starb. Am liebsten gab er an einsamen Waldstellen sich mystischen Betrachtungen hin, die nach seiner Überzeugung unter Eingebung des Heiligen Geistes erfolgten, daher er auch Doctor ecstaticus (der verzückte Lehrer) genannt wurde. Seine Mystik ist eine theistische und bekämpft deshalb entschieden die damals verbreitete pantheistische Mystik. Das sittliche Element in R.s Mystik bethätigte sich in seinen freimütigen Auslassungen über die Veräußerlichung des Christentums, über das Verderbnis aller Klassen im Laien⸗ und Priesterstande bis hinauf zum Papste, dann aber besonders in der Einrichtung seines Klosters, welches einen Bruderverein zu gleichen Pflichten und gleicher Liebe im apostolischen Sinne darstellte. Zahllose Pilger kamen um R. zu besuchen, unter ihnen auch Gerhard Groote, der Stifter der Brüder des gemeinsamen Lebens, und Tauler (s. d.), welcher letztere die sittliche Richtung des Mystizismus auf deutschen Boden verpflanzte. (S. Mystik.) R.s Schriften, unter denen „Die Zierde der geistlichen Hochzeito, «Der Spiegel der Seligkeito und „Der funkelnde Stein» die bedeutendsten sind, sind noch nicht in einer holländ. Originalgesamtausgabe erschienen; nur die drei genannten, wie die Vier Versuchungen » sind von Arnswaldt (4Vier Schriften von R.v, Hannov. 1848) holländisch herausgegeben worden. Eine nach röm. Eleganz strebende lat. Übersetzung des Surius (Köln 1552, 1609, 1692) beeinträchtigt die Kraft und die Innigkeit des Originals. Ins Deutsche wurde ein Teil der Werke schon im 14. oder 15. Jahrh. übersetzt (handschriftlich in München) und dann die ganze lat. Sammlung des Surius durch G. Arnold (Offenb. 1701). Vgl. Engelhardt, «Richard von St.⸗Victor und R.» (Erlangen 1838); Böhringer, «Die deutschen Mystiker des 14. und 15. Jahrh. »(Zür. 1855). nysch (Friedr.), berühmter Anatom, geb. 23. März 1638 im Haag, studierte in Leipzig Medizin, ließ sich in seiner Vaterstadt als praktischer Arzt nieder und wurde 1665 als Professor der Anatomie nach Amsterdam berufen. Er machte viele neue Entdeckungen und vervollkommnete namentlich die Lehre von den Lymphgefäßen. Um diese genauer untersuchen zu können, erfand er eine ausgezeichnete Art von Injektion, die aber mit ihrem Erfinder als Geheimnis begraben worden ist. Nachdem sein erstes, mit vieler Mühe gesammeltes Kabinett anatomischer Präparate von Peter d. Gr. für die Akademie in Petersburg gekauft worden war, begann er als 79jähriger Greis die Anlegung eines zweiten, welches später in den Besitz der Universität zu Wittenberg gelangte. In gleicher Weise als Arzt, Wundarzt, Geburtshelfer und als Professor der Botanik, die er seit 1685 lehrte, ausgezeichnet, starb er 22. Febr. 1731. Nach seinem Tode erschien eine vollständige Sammlung seiner kOpera anatomico-medico-chirurgicap (4 Bde., Amsterd. 1737). Vgl. Schreiber, Ilistoria vitae et meritorum Frederici R.o (Amsterd. 1732).