FeedEß (Karl van)
ReligionBrockhaus 1882

Eß (Karl van), kath. Theolog, geb. zu Warburg im Stifte Paderborn 25. Sept. 1770, kam 1788 als Klostergeistlicher in die Benediktinerabtei Huysburg bei Halberstadt, wo er 1794 Priester, 1796 Lektor und 1801 Prior wurde. Bei der Aufhebung der Abtei 1804 erhielt er die Pfarrei zu Huysburg, ward 1811 bischöfl. Kommissar mit der Vollmacht eines Generalvikars im Saal- und Elbdepartement und starb 22. Okt. 1824. Von dem nationalen und toleranten Geiste Wessenbergs ergriffen, beteiligte er sich an der deutschen Bibelübersetzung seines Vetters Heinrich Leander van E., führte die deutsche Sprache in einzelne Teile der Liturgie ein und förderte den deutschen Kirchengesang. Als nach Naoleons Sturz die Macht des Papsttums wieder tieg, schloß auch er sich enger an Rom an. Außer einigen lat.Abhandlungen schrieb er eineGeschichte der gewesenen Abtei Huysburg » (Halberst. 1810) und einen «Entwurf einer kurzen Geschichte der Religiono (Halberst. 1817), der wegen einiger Ausfälle auf die evang. Kirche von den Domschülern zu Halberstadt zur Nachfeier des Reformationsfestes öffentlich verbrannt wurde und von prot. Seite mehrere Gegenschriften, wie von Körte und Augustin, veranlaßte. Eß (Heinrich Leander van), Vetter des vorigen, geb. 15. Febr. 1772 zu Warburg, trat frühzeitig in die Benediktinerabtei Marienmünster, im Stifte Paderborn, ward 1796 Priester, 1799 Pfarrer zu Schwalenberg im Lippeschen, 1813 Pfarrer, außerord. Professor der Theologie und Mitdirektor des Lehrerseminars zu Marburg, lebte seit 1822 als Privatgelehrter zu Darmstadt, Alzei und Affolderbach, wo er 13. Okt. 1847 starb. Nächst der lübersetzung des Neuen Testaments (Braunschw. 1807 u. öfter), deren fernern Abdruck der Papst untersagte, und der deutschen Gesamtausgabe der Bibel (3 Tle., Sulzb. 1840), sind zu erwähnen seine Auszüge aus den heiligen Vätern und andern Lehrern der kath. Kirche über das notwendige und nützliche Bibellesens (Bielef. 1808; 2. Aufl., Sulzb. 1816), (Gedanken über Bibel und Bibellesen u. s. w.y (Sulzb. 1816), Pragmatica doctorum catholicorum Tridentini circa Vulgatam decreti sensum nec non licitum textus originalis usum testantium historia o (Sulzb. 1810; deutsch, Tüb. 1824), sowie die von ihm besorgten Ausgaben der Vulgata (Tüb. 1822), der Septuaginta (Lpz. 1824) und des griech. Neuen Testaments (Tüb. 1827).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 367Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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