Eyck (Hubert, Jan und Margarete van), drei Geschwister, hervorragende Maler und Begründer der altflandr. Schule, deren Lebensumstände gleichwohl in Dunkel gehüllt sind. Als ihren Vater nimmt man mit Wahrscheinlichkeit Josse van E. an, der, ebenfalls Künstler, urkundlich noch 1391 genannt wird. Die Ableitung des Namens vom angeblichen Geburtsstädtchen der Geschwister, Maaseyck im Bistum Lüttich, erscheint unstatthaft, seitdem derselbe auch an andern Orten nachgewiesen ist. Die seltenere Benennung van Brügge ist nach ihrem spätern Aufenthaltsorte gewählt. Der ältere der Brüder, Hubert, ist 1366, der jüngere, Jan, um 1386 geboren. Über das Geburtsjahr der Schwester Margarete sind auch nicht einmal Vermutungen ausgestellt Mit mehr Sicherheit weiß man nur, daß Jan, der bedeutendere der Künstler, von seinem Bruder unterrichtet wurde, und daß sie sämtlich Brügge als ständigen Wohnort wählten. Nach 1420 begaben sich die beiden Brüder zur Ausführung eines großen Altarwerks nach Gent, woselbst Hubert 18. Sept. 1426 starb und in der St. Bavokirche bestattet wurde. Jan vollendete das Werk 1432, kehrte nach Brügge zurück und starb daselbst 9. Juli 1440. Beide waren wegen ihrer Kunst von den Fürsten des Landes, den Herzögen von Burgund und dem Bischofe von Lüttich, hochgeehrt, und Jan wurde unter anderm von Philipp dem Guten zum Hofmaler und Kammerdiener mit einem Jahresgehalte von 100 Pfd. ernannt. Letzterer machte 1428 im Auftrag auch eine Reise zu Johann I., König von Portugal, um dessen Tochter Isabella, die spätere dritte Gemahlin Philipps, zu malen. Die Bedeutung dieser Künstler besteht darin, daß sie der Malerei ihrer Zeit, welche mit dem Umschwunge aller Verhältnisse aus der idealen Höhe sich einer Richtung auf das Reale zuwandte, durch verbesserte Technik, namentlich der Olmalerei, durch tieferes und liebevolles Eingehen auf die Erscheinungen der Wirklichkeit und deren meisterhafte Wiedergabe eine Höhe der Vollendung anwiesen, welche auf Jahrhunderte nachhielt und neue Bahnen der Entwickelung eröffnete. Ihre Vorgänger hatten sich nicht nur fast ausschließlich in kirchlichen Darstellungen bewegt, sondern auch diese allein in rein kirchlichem Sinne ausgeführt. Ihr Zweck war gewesen, der Andacht zu dienen; jede Lust an den bunten, selbst wohlthätigen Erscheinungen der Natur und des Menschenlebens blieb als eitel verbannt. Die Leiblichkeit, nach der Anschauung des Mittelalters an sich sündlich, war im Leben durch Ascese zu überwinden, in der Kunst durch Fernhalten unschädlich zu machen. Daher die auffallende Vernachlässigung der Form, die Losreißung des Heiligen vom Irdischen, der Goldgrund der Bilder, der den Glanz des Himmels vertreten sollte, die statuarische Aneinanderreihung der Personen, wie sie vorzugsweise in der altkölnischen Schule sich ausgebildet hatten. Die van E. führten, ohne daß sie auf den religiösen Zweck der Kunst verzichtet hätten, die heiligen Personen und Geschichten in die Umgebung der gegenwärtigen Welt ein, und zwar bis zu dem Maße, daß sie erstere nicht selten selbst in das Kostüm ihrer Zeit kleideten und die geschichtlichen Vorgänge all den Zufälligkeiten unterwarfen, denen sie in der Wirklichkeit ausgesetzt sind. Sie suchten im allgemeinen die sinnliche Welt durch den Geist zu verklären und behandelten die Form als geeignet, diesem zum Ausdruck zu dienen. So vertauschten sie das Gold mit einem architektonischen oder landlandschaftlichen Hintergrunde. Man sieht auf ihren Bildern unter bereits ziemlich richtig angewandter Perspektive vertäfelte Bimmer mit Kaminen und reichhaltigem Hausrat, Städte mit Mauertürmen, Kirchen und steilen, belebten Gassen, saftige, blumenreiche Wiesen, Bäume mit sehr entwickeltem Baumschlage, blaue Berge und reinen Himmel mit zarten, weißen Wöllchen. In den Figuren selbst finden sich Anfänge anatom. Studien, wenigstens in Händen, Füßen und Antlitz, denn eine weitere Entwickelung des Nackten gestattete die mit der Uppigkeit des burgund. Hofs Hand in Hand gehende Prüderie, besonders aber die noch fehlende Kenntnis der Antike nicht. Höchst vortrefflich ist die Bezeichnung des Stoffs, seien es Gewänder von gestickter Leinwand oder von perlenbesetztem Samt, reichvergoldete Rüstungen, metallene Gefäße oder andere Gerätschaften, was nur durch die aufs höchste vervollkommnete Technik und eine Farbengebung erreichbar ward, die fast jeder Einwirkung der Zeit Trotz geboten. Auch die besten Venetianer haben selten ein so leuchtendes, durchsichtiges Kolorit wie die van E. und ihre Schule. In der Fülle der Nebensachen fehlt es aber der Gruppierung sowie den einzelnen Figuren häufig an Haltung. Auch 2 manches Herbe und Kalte in den Gesichtszügen läuft n mit unter, was durch die glänzende und miniatur-2 artige Behandlung um so sichtbarer hervortritt.e überhaupt ist die von den van E. vertretene Rich⸗ Fr tung keineswegs in allen Stücken als Fortschritt o der Kunst zu bezeichnen. Die imposante Haltung r der ältern Malerei, die Einfachheit und Milde in z der Charakteristik ihrer Figuren, die Sanftheit und Gottseligkeit im Ausdruck der Gesichtszüge sinkt zu mehr menschlicher Frömmigkeit herab, die aller⸗ 9 dings bei den Begründern der Schule immer das Zeugnis voller Wahrheit und tiefer Innigkeit aufweist. Der großartige Schwung des frühern Faltenwurfs bereits in das nachlässige Wesen der spätern Zeit. Doch war durch die van E.sche Malerei das bei weniger befähigten Künstlern der frühern Epoche so häufig vorkommende Versinken e in einen durch die Tradition geheiligten, oft völlig inhaltlosen Typus für immer abgeschnitten, indem durch Bevorzugung der Außerlichkeit viel eher Mittel zur Geltendmachung bloßer Handfertigkeit gegeben waren. Die Hauptarbeit der beiden Brüder ist das er⸗⸗ wähnte, von Jodocus Vyts in die Kirche des heil. Johannes (gegenwärtig St. Bavo) zu Gent gestiftete große Altarwerk, welches auf 12, zum Teil auf beiden Seiten bemalten Tafeln das ganze Mysterium des christl. Glaubens und als Mittelpunkt desselben die Anbetung des Lammes darstellt. Sechs Tafeln von den Flügeln bilden gegenwärtig eine der vorüglichen Zierden des berliner Museums; nur die ittelbilder und zwei Tafeln von den Flügeln befinden sich noch am alten Platze zum Teil unter Verschluß. Eine vorzügliche, von Michael Cocxie für König Philipp II. von Spanien gefertigte Kopie ist ebenfalls zerstreut, zum Teil gleichfalls im Museum zu Berlin, zum Teil in der Pinakothek zu München, zum Teil ehedem im Besitz des verstorbenen Königs von Holland. Von hohem Werte sind auch die Porträts der beiden Maler, neben andern, mit mehr oder weniger Wahrscheinlichkeit ihnen zugeschriebenen Bildern in den größern Galerien Europas verteilt. Der Grundrichtung der Zeit, welcher die Gebrüder van E. mit solchem Erfolge den ersten Ausdruck verschafft, fielen bald alle german. Schulen zu, zunächst die kölner, bald auch die oberdeutschen. Als ihre unmittelbaren Nachfolger sind zu nennen: Pieter Christophsen, Gerhard van der Meeren, Hugo van der Goes, Rogier van der Weyden der Altere, Justus van Gent, König Renée von Anjou, Antonello von Messina, der die Olmalerei zuerst nach Italien gebracht haben soll, u. a. Unter den spätern Nachfolgern nimmt Hans Memling durch Tiefe des Geistes wohl den ersten Rang ein. Im weitern Sinne können auch Dürer und Holbein ebenso wie Cranach und Lukas von Leiden als abhängig von dem großen Impulse dieser sog. altflandrischen Schule betrachtet werden. Vgl. Waagen, «über Hubert und Johann van E.v Gresl. 1822); Hotho, «Die Malerschule Huberts van E.y (2 Bde., Berl. 1855—58). 1. (Joh. von), Historienmaler, geb. in Brüssel 1817, war Schüler der Akademie seiner Vaterstadt, deren großen Preis er auch 1835 erhielt. Er wurde sich Professor an derselben Lehranstalt, nachdem er sich besonders durch längere Reisen gebildet hatte. E. ist ein religiöser Maler im großen Monumentalstil, den er auch in entsprechender Technik zum Ausdruck zu bringen verstand. Hierzu waren ihm eingehende Studien des mittelalterlichen Fresko in Italien ersprießlich, hinsichtlich der Formerscheinung jedoch gravitiert er zu der Richtung der nazarenischen Künstler der deutschen Schule, vor allem zu Overbeck, obwohl auch der Einfluß Navez' nicht zu verkennen ist. Seine Schöpfungen gehören zumeist der Wandmalerei an, so sein letztes Werk, u welchem er bloß die Kartons fertigen konnte, die erkündigung, Geburt Christi und Verklärun Marias, in Nötre-Dame-⸗de-Chapelle zu Brüssel. Hier starb der Künstler 19. Dez. 1853.