FeedSachalin (d. i. Schwarz)
ErdkundeBrockhaus 1882

Sachalin (d. i. Schwarz), von den Dargafa Karaftu (Krafto) oder Karafuto auch Taraika enannt, russ. Insel im Ochotskischen Meer, erstreckt sch in der Richtung von Norden nach Süden vom Kap Elisabeth unter 54 24 nördl. Br. bis zum Kap Crillon unter 45 57 und umfaßt 63 609 qkm. Vom asiat. Festlande im Westen ist sie durch die enge und seichte Mamiastraße und den tatar. Kanal, von der japan. Insel Jeso im Süden durch die La-Peyrousestraße getrennt. Im Osten wird sie vom Stillen Ocean bespült. S. ist größtenteils bergig. Vom Süden nach Norden zieht sich in mehrern Ketten ein granitiges, schroffes, den größten Teil des Jahres mit Schnee bedecktes Gebirge hin, dessen höchste Erhebungen der Berniset oder Poronuburi (etwa 1300 m hoch), der Toara und Itschara sind. Die Küste ist meist steil und felsig, nur gegenüber der Amurmündung und an andern Teilen der Westküste zeigen sich Dünen. Von den Bergen fallen zahlreiche kleine Gewässer ins Meer, die wegen der geringen Breite der Insel alle nur einen kurzen Lauf haben. Der einzige brauchbare Hafen der Insel ist die Mündung des Tim auf der Ostseite. Das Klima der Insel ist sehr verschieden, da sich dieselbe über acht Breitengrade erstreckt. Im Norden und Osten herrscht ein strenges, continentales Klima, während der Süden gemäßigter ist. Das Mineralreich bietet Granite, graue Kalksteine, bituminöse Schiefer und Kohlen bei Dui an der Jonquièrebai und an der Langlebai. Die Pflanzenwelt zeigt zwei verschiedene Gebiete. Im Nordosten herrscht die Daurische Lärche vor, zu der sich Kiefern und ausgedehnte Tundren gesellen. Der Südwesten ist vorwiegend von immergrünem Nadelwald, einer Edeltanne und der ajanischen Fichte (Abies ajanensis) eingenommen. Die Tierwelt ist, namentlich im Norden, jener an der Amurmündung ähnlich. Man hat das Renntier, den Edelhirsch, das Reh, das Elen, den Moschusochsen, Bären, Zobel und Füchse beobachtet. Flüsse und Buchten wimmeln von lachsartigen Fischen, die gesalzen und getrocknet einen Ausfuhrartikel bilden. Der Südseewalfisch ist in den umgebenden Meeren sehr häufig und lockt die Walfischfänger in diese Gegenden. In der Bevölkerung, die auf 16000 E. geschätzt wird, unterscheidet man drei verschiedene Stämme. Im Norden wohnen die Giljaken (etwa 2000) in kleinen Dörfern. Sie sind Fischernomaden, welche noch ganz im Schamanentum verharren. Einige Striche im Osten sind von den Oroken (auf Tungusisch: Oltscha), einem Tungusenstamme, besetzt, welche Renntiere halten und Handel mit Pelzen und Seehundsfellen treiben. Im Süden wohnt das in Lebensweise den Tungusen verwandte, von allen Völkern Ostasiens aber verschiedene Volk der Ainos (s. d.). Russen halten sich in kleinen Stationen längs der Küste des Handels wegen auf. Die Chinesen machten sich, vom Amur kommend, den nördl. Teil der Insel im Anfange des 18. Jahrh. tributpflichtig, während im Süden die Japanesen ihre Herrschaft ausdehnten. Nach der Eroberung der Amurlande (s. d.) fiel der Norden den Russen zu und durch den 7. Mai 1875 zu Petersburg und 22. Aug. 1875 zu Tokio unterzeichneten Vertrag kam auch die Südhälfte an Rußland, welches dagegen die ihm bisher noch gehörigen nördl. Kurilen (J. d. JNan Japan abtrat. In neuester Zeit ist S. ein Deportationsort —* Kriminalverbrecher geworden. Vgl. Frdr. Schmidt, „Reisen im Amurlande und auf der Insel S.„ (Petersb. 1868); Poljakow, «Reise nach der Insel S. 1881—82 (aus dem Russischen von Arzruni, Berl. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 54Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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