Sachsen (preuß. Provinz). Dieselbe besteht aus den altpreuß. Landesteilen Magdeburg, Altmark, Mansfeld, Halberstadt, Quedlinburg, Wernigerode, Hohenstein, Nordhausen, Mühlhausen, Eichsfeld (ohne Lindau, Gieboldehausen und Duderstadt), Erfurt (ohne Azmannsdorf, Schloßvippach und Tondern) und Wandersleben; ferner aus Teilen des durch den Wiener Träktat vom 18. Mai 1815 vom Königreich Sachsen abgetretenen Herzogtums Sachsen, nämlich dem ehemaligen Wittenberger und Thuringer Kreis (ohne Amt Tautenburg), dem Meißener Kreis lohne die zu Brandenburg gelegten Teile), einem Teil des Neustädter und Leipziger Kreises, sowie der Niederlausitz (soweit nicht zu Brandenburg und Schlesien geschlagen) und der Oberlausitz (ohne die schles. Bestandteile), den Stiftern Naumburg, Zeitz und Merseburg, dem Fürstentum Querfurt, dem sächs. Anteil an Mansfeld und Henneberg, sowie Stolberg, der Grafschaft Barby, der Herrschaft Dorla und einigen kleinen Parzellen; weiter aus dem ehemals hannov. Amte Klötze und aus den von Schwarzburg eingetauschten Amtern Heringen, Kelbra und Bodungen nebst den Gerichten Hainrode und Allersberg. Die een. grenzt im W. an die preuß. Provinzen Hessen-Nassau und Hannover und an Braunschweig, im N. ebenfalls an Hannover und an Brandenburg, im O. an Brandenburg und auf eine kurze Strecke an Schlesien, im S. an das Königreich Sachsen, an die groß-Denol. und herzogl. sächs. Lande und an schwarzurg. und reuß. Gebiete. Sie bildet ein sehr unregelmäßiges Landgebiet, welches von mehrern dazwischen geschobenen Nachbarstaaten unterbrochen wird; während sie die schwarzburg. r, Anbalt schaften und Teile von Sachsen-Weimar, Anhalt, Braunschweig und Sachsen-Coburg-Gotha einschließt, wird sie andererseits von Teilen großherzogl. und herzogl. sächs., schwarzburg. und reuß. Gebiets umgrenzt. Die Provinz umfaßt 25 249,70 àkm und zählte 1880: 2312 007 CE., darunter 2154274 Evangelische und Protestanten, 145498 Römisch-Katholische (überwiegend auf dem Eichsfelde), 3795 sonstige Christen und 6700 Juden; nach den vorläufigen Ergebnissen der Volkszählung von 1885 betrug die Bevölkerung 2427968 (Zunahme gegen 1880 5,02 Proz.). Ihrer physischen Beschaffenheit nach ist die Provinz S. im nördlichen und östlichen Teile meist flach und eben, und hat hier nur in den Hellbergen (150 m) in der Altmark, in den Haldenslebener Höhen und im Huywald (311 m) und zwischen Elbe und Mulde einige hügelige Erhebungen; im südlichen und westlichen Teile, namentlich im ganzen Regierungsbezirk Erfurt, ist sie gebirgig. Hierher gehört zunächst die geschlossene Masse des Harzes mit dem Brocken (1141 m) hart an der Provinzgrenze und seine östl. und südl. Vorberge. Südlich davon breitet sich das thüring. Hügelland aus, zwischen dessen Hügelketten breite und tief eingeschnittene Thäler eingesenkt sind. Dem Oberharz zunächst liegt das kahle Plateau des Eichsfeldes mit dem Ohmberge (523 m) und der Dün, weiter östlich die Hainleite mit dem Kranichberg (327 m), die Schmücke mit dem Kinfels (338 m), die hohe Schrecke mit dem Steiger (319 m) und die Finne (bis 310 m hoch). Nach Osten bis zur Saale hin dacht sich das Hügelland allmählich ab und erhebt sich nach Süden, mehrfach in Kuppen bis zu 355 m (Willroder Forst, Erfurter Steiger) ansteigend, zum Thüringerwald mit dem Beerberge (983 m) und dem Finsterberg (824 m) im exklavierten Kreise Schleusingen, während die Exklaven Ziegenrück, Gefell u. s. w. orographisch zum Frankenwalde gehören, der im Kämmerawalde bei Gefell etwa 535m erreicht. Hydrographisch ist der größte Teil der Provinz zum Elb⸗, der kleinere zum Wesergebiet zu rechnen; die Elbe und von ihren Nebenflüssen rechts die Schwarze Elster, die Ihle und auf der Grenze gegen Brandenburg die Havel, links die Mulde, Saale mit Weißer Elster und Unstrut, Ohre und Tanger, Aland mit Uchte, sowie Jeetzel im obern Lauf, ferner von den rechtsseitigen Nebenflüssen der Weser die Werra und Aller mit der Leine durchfließen oder berühren die Provinz mit kürzern oder längern Strecken und bilden in ihr ein natürliches Wasserstraßennetz von zusammen 660 Kkm fahrbarer Länge. Künstliche Wasserwege sind der Plauesche Kanal zwischen Havel und Elbe (32,3 Km) und der Ihleburger Kanal zwischen Elbe und Plaueschem Kanal (30,4 km). Die bedeutendsten Seen sind der Süße und Salzige Mansfelder See (letzterer der einzige dieser Art im Staate), der Arendsee im N. der Provinz und der Torgauer Teich. An Mineral-, namentlich Sol- und Schwefelquellen ist die Provinz reich; die bekanntesten sind Artern, Elmen‚, Hubertusbad, Ilsenburg, Quedlinburg, Suderode, Aschersleben, Schleusingen, Langensalza, Neu-Ragoczy, Tennstädt, Bibra, Giebichenstein, Kösen, Lauchstädt, Niestädt, Werben, Wittekind u. a. m. Das Klima ist im ganzen ein günstiges, am wenigsten günstig auf dem Eichsfelde; Torgau, Erfurt, Heiligenstadt haben ein Jahrestemperaturmittel von 8,5 bis 8 C. und nur im Januar ein Monatsmittel unter Null; die jährlichen Niederschläge erreichen im vieljährigen Mittel in Halle 480, in Erfurt 510, in Torgau 530 und in Heiligenstadt 596 mm. (Vgl. die Karte: Königreich Sachsen, preußische Provinz Sachsen, süd-l licher Teil u. s. w., S. 63.) Die Bewohner beschäftigen sich, örtlich allerdings in wechselndem Verhältnis, im ganzen ebenso viel mit Industrie wie mit Ackerbau und Viehzucht. Nach der Berufszählung von 1882 waren von den 1003 292 Erwerbsthätigen, denen 1339387 Angehörige ohne Hauptberuf gegenüberstanden, 36,2s Proz. in der Bodennutzung und Tierzucht, 35,1s Proz. Industrie und Gewerbe, 8,15 Proz. in Handel und Verkehr, 8,70 Proz. in persönlichen Dienstleistungen und 5,12 Proz. im Heeres⸗ und Verwaltungsdienst sowie in freien Berufen thätig. Die Industrie S.3 erstreckt sich über fast alle Zweige gewerblicher Pro⸗ ö duktion und hat sich außer in den großen Städten in einzelnen Gegenden zu besonders hoher Blüte entwickelt, wofür teils die natürlichen Bodenschätze, n teils die von alters her gepflegten Verkehrswege, teils die mehrhundertjährige gewerbliche Schulung r der Bevölkerung die Grundlagen boten. Berühmt ist die Kunst⸗ und Handelsgärtnerei von Erfurt z und Umgegend und von Quedlinburg. Die Stein-f. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XIV. kohlenlager im Wettiner Gebirge östlich der Saale und nördlich von Halle werden schon seit 1583 ausgebeutet. Sehr reich ist die Provinz an Braunkohlen, welche in zahlreichen bedeutenden Gruben der Kreise Liebenwerda, Bitterfeld, Saalkreis, Mansfelder Seekreis, Sangerhausen, Querfurt, Merseburg, Weißenfels und Zeitz, dann in den westlich und südwestlich von Magdeburg gelegenen Kreisen Kalbe, Wanzleben, Neuhaldensleben, Oschersleben und Aschersleben gewonnen und zum Teil zu Preßkohlen verarbeitet werden. S. hat die ergiebigsten Steinsalzlager im preuß. Stagte, so das großartige Salz- und Kalilager bei Staßfurt (s. d.), Aschersleben, Elmen, Artern und Erfurt. Auch die Salzgewinnung aus wässeriger Lösung bei Halle, im Kreise Merseburg und Sangerhausen ist eine alte und fruchtbare Industrie der Provinz; die Saline von Schönebeck ist die größte des Staats. Die teilweise schon sehr alte Förderung und Verhüttung von Kupfer⸗, Silber⸗, Vitriol⸗, auch Eisen⸗ und Nickelerzen und Schwefelkies ist eine zum Teil sehr umfängliche und hat ihre Hauptsitze im Mansfelder Gebirgs- und Seekreise, im Kreise Sangerhausen und Ziegenrück. Große Torflager werden im Finer Bruch, im Drömling, im Halberstädter Bruch und in mehrern Flußthälern ausgebeutet. Bergbau, Hütten- und Salinenwesen, sowie Torfgräberei beschäftigten 1882 in 248 Betrieben 30277 Personen. Flußspat, Halbedelsteine, Alabaster, Gips, Porzellanerde, Thonerde, Walkerde, Bau- und Mühlensteine und deren Verarbeitungen sind wertvolle Erzeugnisse der Provinz und beschäftigen, wie auch die Ziegelei, viele Hände; die Industrie der Steine und Erden zählte 1882 in 2744 Betrieben 23815 Gewerbthätige. Die Metallverarbeitung, namentlich die Kupferschmiederei in Magdeburg und Buckau, die Eisengießerei ebenda und in den Kreisen Stendal, Wernigerode und Liebenwerda, die Blechwarenfabrikation in Magdeburg und Aschersleben, die Zeugschmiederei, Stahlwaren- und Waffenfabrikation in den Städten Suhl und Sömmerda, hat einen bedeutenden Umfang und beschäftigte 1882 in 7985 Betrieben 22276 Personen. Die Herstellung von Maschinen, Geräten und Apparaten aller Art ist hochentwickelt in Magdeburg, Stendal, Halle, Nordhausen, Halberstadt, Mühlhausen, Erfurt, Zeitz und den nach diesen Städten benannten Kreisen; sie wurde 1882 in 5048 Fabriken mit 24890 Personen betrieben. Die chem. Großindustrie ist hauptsächlich in den Kreisen Kalbe, Wanzleben, Magdeburg, Aschersleben, die Mineralöl⸗ und Paraffinfabrikation vornehmlich im Saalkreise, in Halle, im Mansfelder Seekreis, im Kreise Merseburg, Weißenfels und Zeitz vertreten; beide Industriegruppen, die chemische und die Industrie der Leuchtstoffe, Fette und Ole, beschäftigten 1882 in 987 Betrieben 8620 Personen. Die Textilindustrie, durch große Wollspinnereien in Mühlhausen und Langensalza, durch Baumwollspinnereien in Magdeburg und bei Halle, durch Wollwebereien in Magdeburg, Burg, Barby, Langensalza und Zeitz, durch ausgedehnte Leinenweberei im Kreise Nordhausen und Worbis (auf dem Eichsfelde), durch Baumwollwebereien ebenda und in Mühlhausen, durch Wirkerei und Strickerei, Häkelei und Stickerei, Färbereien und Veredelungsanstalten für Garn und Gewebe mit im ganzen 15 079 Betrieben vertreten, zählte 1882 26659 Gewerbthätige. Die Papierdabrikation bei Halle, die Tapetenfabrikation in Nordhausen, die Gerberei und Lederfabrikation in Mühlhausen und andere Gewerbszweige der Industriegruppe Papier und Ledere beschäftigte in 3658 Betrieben 10336 Personen. Die Industrie der Nahrungs⸗ und Genußmittel, durch mächtige Rübenzuckerfabriken, deren Hauptsitz die Provinz ist, durch Brauereien, Brennereien (Nordhäuser Kornbranntwein) und Tabaksfabriken ausgezeichnet, wird in über 16600 Betriebsstätten mit durchschnittlich mehr als 64000 Personen betrieben. Die Industrie der Holz⸗ und Schnitzstoffe zählte 1882 in 12922 Betrieben 23244 Gewerbthätige. Die Bekleidungs- und Reinigungsgewerbe, darunter besonders die Konfektion in Halle, die Kürschnerei in Weißenfels und Merseburg, die Handschuhmacherei in Magdeburg, Halberstadt, Neuhaldensleben und einigen Plätzen im Kreise Jerichow I, die Schuhwarenfabrikation in Erfurt und Weißenfels hervorragend, beschäftigten in 52977 Betrieben 72818 Personen, die Baugewerbe in 6379 Betrieben 34 472 Personen. Dem Gewerbfleiß entsprechend sind auch Handel und Verkehr der Provinz hoch entwickelt, zumal die eentrale Lage der Provinz, ihre alte Kultur und ihre trefflichen Verkehrswege alle Bedingungen hierfür darbieten. Handels⸗ und Verkehrsgewerbe, einschließlich Versicherung und Beherbergung, wurden in 42614 Unternehmungen von 67841 Personen betrieben; sie stützen sich auf die schon erwähnten Wasserstraßen und auf ein Anfang 1885 im ganzen 2010,8 km (76,6 m auf den Quadratkilometer) umfassendes Eisenbahnnetz. Hauptsitze des Handels sind Magdeburg und Halle; Wolle, Getreide, Zucker, Cichorie, Salze, Tuch, Branntwein, Kupfer, Eisen⸗, Stahl⸗ und Holzwaren sind die vorzüglichsten Handelsartikel. Die Landwirtschaft, 1882 von 285 681 Wirtschaften betrieben, stützt sich vornehmlich auf den mittlern und bäuerlichen Besitz und auf einen in weiten Strecken ertragreichen Boden, welcher S. im ganzen zu der fruchtbarsten Provinz Preußens macht. Zwar herrscht in der Altmark, in den beiden Jerichowschen und in den vier Elbkreisen des Regierungsbezirks Merseburg vielfach sandiger Boden vor, und sumpfige und moorige Striche finden sich an der Bode, Wearcle Ma und Schwarzen Elster; dagegen sind die Kreise Nagdeburg, Wanzleben, Wolmirstädt (südlich), Kalbe (nördlich) und Osterburg, ferner der Regierungsbezirk Merseburg von der Westgrenze bis zur Weißen Elster und zum Bober und der Regierungsbezirk Erfurt, mit Ausnahme der Kreise Heiligenstadt, Schleusingen und Ziegenrück, reich an vorzüglichem Weizen⸗ und Rübenboden; berühmt sind die Magdeburger Börde, die Wische und die Goldene Aue. Von der Gesamtfläche der Provinz waren 1883: 60,9 Proz. Acker- und Gartenland, 8,3 Wiesen, 4,7 Weiden, Hutungen, Od⸗ und Unland, 20,5 Wald⸗ und Holzland (S. ist eine der waldärmsten Provinzen des Staates) und 5,6 Proz. waren weder land-noch forstwirtschaftlich benutzt. S. liefert von allen Provinzen den größten Weizen⸗ und Gersteertrag, etwa 15,5, beziehungsweise 27,5 Proz. des Ertrags des ganzen Staats; Hauptfruchtarten sind demnächst Roggen, Hafer, Erbsen und Bohnen, Kartoffeln und Zuckerrüben und andere Hackfrüchte; auch Handelsgewächse werden in einzelnen Gegenden sehr intensiv kultiviert, und die Thäler der Saale und Unstrut bergen einen +½ . Obstbau, dein sich an der Mündung der Unstrut und an der Saale bei Naumburg ein 7645 ha umfassender Weinbau anschließt. Die Viehzucht ist, entsprechend dem hochentwickelten Stande der Landwirtschaft, wohlgepflegt; 1883 zählte man 182485 Pferde, 624 973 Haupt Rindvieh, 1390915 Schafe (gegen 1873 22 Proz. weniger), 719627 Schweine (gegen 1873 29,0 Proz. mehr), 261225 Ziegen und 82610 Bienenstöcke; in der Ziegen⸗ und Schweinezucht überragt S. alle übrigen Provinzen. In administrativer Beziehung ist S. in die drei Regierungsbezirke Magdeburg, Merseburg und Erfurt mit 15, beziehungsw. 17 und 11 landrätlichen Kreisen eingeteilt und zählt 144 Städte, 2997 Landgemeinden und 1053 Gutsbezirke. In den Reichstag sendet die Provinz 20, in das Abgeordnetenhaus 38 Abgeordnete, im Herrenhause ist sie durch 29 Mitglieder (darunter 3 Vertreter vormals reichsständischer Häuser, 3 mit erblicher Berechtigung und 22 auf Präsentation berufen) vertreten. Sitz des Oberpräsidenten ist Magdeburg, der Sitz der durch die Provinzialordnung (s. d.) geordneten Provinzialverwaltung dagegen Merseburg. Die kirchlichen Angelegenheiten der evang. Landeskirche verwaltet das Konsistorium zu Magdeburg. Die kath. Kirche steht unter dem Bischof von Paderborn. Die Auseinandersetzungs⸗ und Gemeinheitsteilungssachen werden von der Generalkommission in Merseburg, die Angelegenheiten der höhern Lehranstalten und Schullehrerseminare von dem reenunt legium in Magdeburg bearbeitet. Der Rentenbank zu Magdeburg ist auch Hannover zugeteilt. Für die Angelegenheiten der indirekten Steuern und Zölle ist die Provinzialsteuerdirektion zu Magdeburg zuständig. Die Bergwerksangelegenheiten ressortieren vom Oberbergamt zu Halle; für die fiskalischen Bergwerks⸗ und Salinenanlagen bestehen vier Berginspektionen und drei Salzämter. Die Staatseisenbahnen gehören zu den Direktionsbezirken Magdeburg, Erfurt und Frankfurt a. M.; die Privateisenbahnen stehen unter Aufsicht des königl. Eisenbahnkommissariats zu Berlin. Oberpostdirektionen bestehen zu Magdeburg, Erfurt und Halle. Die Provinz bildet den Oberlandesgerichtsbezirk Naumburg a. S.; zu ihm gehören die Landgerichte Erfurt mit 7, Halberstadt mit 8, Halle mit 18, Magdeburg mit 17 Amtsgerichten und einer Kammer für Handelssachen, Raumburg mit 15, Nordhausen mit 14, Stendal mit 16 und Torgau mit 16 Amtsgerichten; die exklavierten Kreise Schleusingen und Ziegenrück sind den Landgerichten in Meiningen, beziehungsweise Rudolstadt des gemeinschaftlichen thüring. Oberlandesgerichts Jena zugeteilt. Handelskammern bestehen in Magdeburg, Halberstadt, Halle, Erfurt, Mühlhausen und Nordhausen. Militärisch bildet S. wesentlich den Erfatzbezirk und großenteils auch die Garnisonprovinz des 4. Armeekorps (Generalkommando und Kommando der 7. Division in Magdeburg, Kommando der 8. Division in Erfurt); doch stehen auch einige Truppen des 3. Armeekorps in der Provinz (Wittenberg und Torgau). An wissenschaftlichen und Schulanstalten besitzt S. die Universität zu Halle (s. d.), das Predigerseminar mit der Luther-Sammlung zu Wittenberg, 27 Gymnasien, 6 Realgymnasien, 2 Oberrealschulen, 3 Progymnasien, 8 Realprogymnasien, 2 —— Bürgerschulen, 37 öffentliche Mittel⸗ und höhere Mädchenschulen, 10 Schullehrerseminare, königl. und 7 private Präparandenanstalten, 2683 öffentliche Volksschulen, ferner 1 Landwirtschaftsschule, 7 niedere landwirtschaftliche Schulen, 1 Lehranstalt für Hufbeschlag, 3 Kunst- und Bauewerkschulen, 3 Handelsschulen, 1 Schuhmacherehranstalt, 1 Fachschule für Kunsttischlerei, 1 Berg- und 2 Bergvorschulen, 1 Unteroffizierschule, 1 Unteroffiziervorschule, 1 Militär-Knabenerziehungsinstitut, 3 Hebammen-Lehranstalten, 1 Forstschule, 1 Blindenlehr⸗ und Beschäftigungsanstalt und 5 Taubstummenlehranstalten. Zu Halle befindet sich das Provinzalmuseum. Außerdem sind zahlreiche Gesellschaften und Vereine für Wissenschaft, Kunstpflege, Acker⸗ und Gartenbau, Bienenwirtschaft, Gewerbe u. s. w. vorhanden, wie denn überhaupt das geistige Leben der Provinz auf einer hohen Stufe steht. Das Wappen des Herzogtums Sachsen ist ein von Gold und Schwarz zehnmal gestreifter Schild mit einem schräg rechts liegenden Rautenkranz, das des Herzogtums Magdeburg ein in Rot und Silber quergeteilter Schild. Die Farben der Provinz sind Rot-Weiß. Litteratur. E. Jacobs, Geschichte der in der preuß. Provinz. S. vereinigten Gebiete» (Gotha 1884), (Geschichte der Provinz S. und angrenzenden Gebieter, herausg. von der Historischen Kommission der Provinz S. (Halle 1881); G. Todtenhof, «Die Wohnplätze der Provinz S. (Halle 1882); H. Pöhnißsch, «Alphabetisches Ortsverzeichnis der Provinz S.v (Halle 1875); E. Reiche, Die Provinz S. und ihr Bodeno (Delitzsch 1874); die Veröffentlichungen des königl. preuß. Statistischen Bureaus; zahlreiche von den Landräten herausgegebene Kreisstatistiken.