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GeschichteBrockhaus 1882

Schlesien, ein ehemals zur Krone Böhmen gehöriges Herzogtum, wird geographisch in Ober⸗ und Niederschlesien, politisch aber in Preußisch-S. und Osterreichisch-S. geteilt. J. Preußisch-Schlesien bildet eine der acht ältern Provinzen des preuß. Staats und umfaßt den Territorialbestand des preuß. Herzogtums S., mit Ausschluß des 1815 dem Regierungsbezirk Frankfurt einverleibten Kreises Schwiebus, dagegen mit Einschluß der Grafschaft Glatz, einiger böhm. Enklaven, des 1815 von Sachsen an Preußen gekommenen Anteils der Oberlausitz und eines kleinen Teils des ehemals zum Kreise Krossen gehörigen Gebiets der Neumark, bestehend aus dem Städtchen Rothenburg a./O. und einigen Dörfern. Die Provinz grenzt im O. an Posen, Russisch-Polen und Galizien, im S. an Osterreichisch-Schlesien, Mähren und Böhmen, im W. an Böhmen und Sachsen Gönigreich und Provinz), im N. an Brandenburg und Posen. Als S. an Preußen kam, unterschied man aus alter Zeit her: 1) Niederschlesien oder die sog. neun alten Fürstentümer Glogau, Sagan, Jauer, Liegnitz, Wohlau, Schweidnitz, Breslau, Sls und Brieg nebst den Standesherrschaften Trachenberg, Beuthen-Carolath, Wartenberg, Militsch und Goschütz; 2) Oberschlesien oder die Fürstentümer Münsterberg, Neisse, Oppeln, Ratibor und Teile der Fürstentümer Bielitz, Teschen, Troppau und Jägerndorf, sowie die Standesherrschaften Pleß und Beuthen (ungefähr der jetzige Regierungsbezirk Oppeln); 3) die Grafschaft Glatz (s. d.). Die .—.—5 umfaßt 40300, qkm und zählte (1880) 4007925 C., darunter 1865290 Evangelische und Protestanten, 2082038 Römisch-Katholische (überwiegend in Oberschlesien und der Grafschaft Glatz), 5554 sonstige Christen (davon 2158 Herrnhuter und Mähr. Brüder, ungefähr die Hälfte aller im preuß. Staate) und 52682 Juden (davon 17543 in der Stadt Breslau und 24348 im Bezirk Oppeln, namentlich in den Grenzkreisen auf dem rechten Oderufer); nach den vorläufigen Ergebnissen der Volkszählung von 1885 betrug die Bevölkerung 4111399 Seelen. Von der Gesamtbevölkerung sind ungefähr 78 Proz. Deutsche und 22 Proz. Slawen. Die Polen, mit der sog. wasserpoln. Mundart, überwiegen im Regierungsbezirk Oppeln, woselbst sie im Osten der Oder etwa drei Viertel der „Bevölkerung ausmachen. Im Westen der Oder nehmen sie nach und nach ab und verschwinden in der Höhe von Oberglogau und Leobschütz fast ganz, sodaß tdie Glatzer Neisse von ihnen nicht mehr erreicht wird. tAuf der rechten Oderseite zieht sich das poln. Element auch in den Regierungsbezirk Breslau hinein, wo sie in den Kreisen Breslau und Wartenberg etwa die Hälfte der Bewohner bilden, im Kreise Brieg zum letzten mal die Oder berührend. Die Mähren wohnen im Süden der Zinna in den Kreisen Ratibor und Leobschütz. Die Böhmen, der evang. Kirche angehörend, sind erst durch Friedrich d. Gr. hereingezogen und wohnen in Kolonien in den Kreisen Glatz, Oppeln, Strehlen, Wartenberg und Großstrehlitz. Die Wenden leben in den Kreisen Rothenburg und Hoyerswerda. S, besteht seiner physischen Beschaffenheit nach aus Bergland und Flachland. Das Bergland umfaßt die kleinere Hälfte der Provinz und wird durch „eine flache Thalsenkung, das schlesische Längenthal, welches die Provinz in der ganzen Länge vom Urber Och der Malapane im Osten bis zum Austritt [der Schwarzen Elster im Westen durchzieht, in ein südwestliches und ein nordöstl. Bergsystem ges chieden. Die nördl. Grenze des südwestlichen, sog. Schlesischen Berglandes bezeichnet etwa die Linie, welche Niesky mit Hainau, Kanth, Grottkau und der obern Malapane verbindet und in einer Meereshöhe von 155 bis 180 meliegt. Ein Busen des Tieflandes erstreckt sich hier zwischen der Glatzer Neisse und der Oder in das Bergland hinein, fast bis an die österr. Grenze. Von jener Grenzlinie erhebt sich das Land allmählich südwärts, bis es etwa 315 m Seehöhe erreicht. Sodann entwickelt sich nahe der Grenze das

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 388Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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