FeedSaint-Pierre
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Saint-Pierre (Charles Irenée Castel, Abbe dej, polit. und moralischer Schriftsteller, geb. 18. Febr. 1658 auf dem Schlosse St.⸗Pierre-Eglise bei Barfleur, widmete sich dem geistlichen Stande und erhielt 1702 die Stelle eines Almoseniers der Herzogin von Orléans. Seit 1695 Mitglied der Franösischen Akademie, wurde er 3. Mai 1718 ausgesoßen, weil er das Regierungssystem Ludwigs XIV., besonders in seinem „Traité sur la polysynodie (1718), getadelt hatte. Er starb zu Paris 29. April 174⁴3. Bon seinen zahlreichen Schriften, in denen er auf die Notwendigkeit einer polit. und sozialen Reform aufmerksam machte und verschiedene wichtige Fragen, z. B. Pauperismus, Garantie des Publikums gegen die Verkehrtheit ärztlicher Charlatane, Aufhebung des Cölibats, Vernichtung der Barbareskenstaaten u. s. w., zur Sprache brachte, ist vor allen zu nennen: KProjet de paix perpétuellep (3 Bde., Utr. 1713), worin die Idee, durch ein neues Amphiktyonengericht jeden Krieg unmöglich zu machen, aufgestellt wird. Sein Mémoire sur les pauvres mendiantso (1724) kann als Zeugnis seiner Humanität gelten, und in seinen Aunales politiqueso (2 Bde., Lond. 1757, dann Genf und Lyon 1767) verurteilt er die Irrtümer und Versündigungen Ludwigs XIV. Er selbst veranstaltete eine Ausgabe seiner „Ouvrages de politique et de morales (18 Bde., Rotterd. 173841). Vgl. die biographischen Schriften von Goumy (Par. 1859) und Molinari (Par. 1861).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 122Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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