Salz, im Sinne des gewöhnlichen Sprachgebrauchs, bezeichnet das aus Chlor und Natrium bestehende, daher auch Chlornatrium oder Natriumchlorid genannte Koch-Speisesalz. Über den chemischen Begriff Salz s. Salze. Das Kochsalz ist eine der materiellen Grundlagen unsers Kulturlebens, und zwar in einer doppelten Weise. Einerseits ist es von großer physiol. Bedeutung im tierischen und pflanzlichen Leben, dessen naturgesetzlicher Smitter an die Mitwirkung des S. als Nahrungsmitte Ein Mensch von 75 kg Gewicht enthält 0,5 kg Kochsalz und braucht jährlich 7½7 Kg davon. Andererseits dient es als Rohstoff der Industrie und bietet dieser die unerschöpfliche Quelle, aus der sie hren ungeheuern Bedarf an Alkali vorzugsweise schöpft. Man denke nur an die Fabrikation von Soda, Seife und Glas, welche sämtlich das Salz als Rohmaterial verwenden. Aus dieser ungevöhnlichen Wichtigkeit für das praktische Leben hat sich ein massenhafter Verbrauch an S. entwickelt, dessen Deckung durch das ebenfalls massenhafte Vorkommen des S. in der Natur gesichert ist. Das S. tritt in der Natur in vier verschiedenen Haupthundie auf: als Bestandteil des Meers, als Betandteil der Salzseen und Salzwüsten, als Steinsalz und, was eng damit zusammenhängt, als Betandteil der Salzsolen. Eine unermeßliche Menge S. ist aufgelöst im Wasser der Meere enthalten, von welchem der Gehalt an reinem Kochsalz ungefähr 2,5 Proz. ausmacht, während dieses und die fremdartigen S. zusammen 3½ Proz. betragen. Salzwüsten oder Steppen finden sich vom Kaspischen Meere bis zum Altai in großer Ausdehnung; das aus dem Boden ausblühende und gewonnene S. heißt Kehrsalz. Salzige Landseen finden sich ebenfalls (3. B. das Tote Meer, der Eltonsee in Rußland, der Salzsee in Utah), sie sind teilweis für die Salzgewinnung von großer Wichtigkeit. Von gleicher Bedeutung sind die häufig vorkommenden salzhaltigen Quellen (Salzquellen, Solquellen), deren Wasser man mit dem Namen Sole,‚ Salzsole bezeichnet. In fester Gestalt wird das S. als Steinsalz angetroffen, welches in sehr ausgedehnten Lagern (z. B. zu Staßfurt, Aschersleben und Leopoldshall, zu Erfurt, im südl. Bayern, in Württemberg, in Lothringen, zu Wieliczka und Bochnia in Galizien, im österr. Salzkammergut, Hall in Tirol, Rappenau in Baden, in Sperenberg bis 1270 m Teufe durch ein Bohrloch nachgewiesen) fast rein, an mehrern Orten auch in Thon u. s. w. eingesprengt vorkommt. Die Anstalten zur Gewinnung des Salzes heißen Salzwerke oder Salinen. Wo Steinsalz in genügender Mächtigkeit und Reinheit vorkommt, wird es bergmännisch gewonnen und entweder roh verbraucht oder aufgelöst und durch Sieden umkrystallisiert Dophiermethode). Ist die bergmännische Gewinnung nicht möglich, so werden Sinkwerke (s. unter Bergbau, Bd. II, S. 804 angelegt, indem süßes Wasser eingeleitet, dadurch das Steinsalz aufgelöst und die so entstandene Sole zu Tage gefördert und eingedampft wird. Dies geschieht, wie mit den natürlichen Salz⸗ oder Solquellen, in großen Salzyfannen. Beim Sieden stößt sich die Unreinigkeit als Schaum ab, reines Kochsalz wird in Körnern gefällt, andere mineralische Bestandteile, besonders Gips, bilden eine Kruste, den Pfannenstein und die Alkalisalze bleiben in der Mutterlauge. Ist die Sole zu schwach, so wird sie vor dem Sieden gradiert. (S. Gradieren.) Aus Meerwasser gewinnt man das Seesalz Boy-⸗ oder Baysalz) in Salzgärten durch Verdunsten in Sonne und Wind in staffelförmigen Beten. Auch durch Ausfrieren des Wassers wird das Meerwasser an S. bereichert. Litteratur. Vgl. Karsten, Lehrbuch der Salinenkundey (2 Bde., Berl. 1847); Br. Kerl, «Grundriß der Salinenkunder (Braunschw. 1868); L. Meyn, (Das S. im Haushalte der Naturv (Ipz. 1857); Victor Hehn, Das S., eine kulturhistor. Studier (Berl. 1873); J. Möller, Das S. in seiner kulturgeschichtlichen und naturwissenschaftlichen Bedeutungo (Berl. 1874); M. J. Schleiden, „Das S., seine Geschichte, seine Symbolik und seine Bedeutung im Menschenleben (Lpz. 1875); F. Bischof, „Die Steinsalzwerke bei Staßfurty (Halle 1875); Hrdina, (Geschichte der Wieliczkaer Salines (Wien 1842); Mich. Kopf, «Beschreibung des Salzbergbaues zu Hall » (Berl. 1841); Ritter von Schwind, „Der Abbau unreiner Salzlagerstätten in Ssterreichv (Prag 1870).