Sanskritwerke ist einfacher und leichter verständlich als die der brahmanischen, da sie vorzugsweise an die Massen des Volks gerichtet waren. Um noch weiter in allen Kreisen des Volks zu wirken, bedienten sich die Buddhisten und später die Dschainas auch der rohern, neben dem S. aus der alten indoarischen Sprache entwickelten Dialekte, welche man, wie schon bemerkt, Präkrit und speziell in Ceylon Päli nennt. In diesen verweichlichten und verderbten Dialekten gibt es zahlreiche Inschriften und Münzlegenden von dem 3. Jahrh. v. Chr. an, sowie höchst umfangreiche Werke über Theologie, Ascese, Gesetzkunde u. s. w., Heiligenlegenden und besonders Chroniken, die von hohem Wert sind. (S. Päli.) Alle diese Dialekte werden ebenso wie die Sanskrittexte selbst je nach den einzelnen Provinzen Indiens in verschiedenen Schriftarten geschrieben, die sich sämtlich auf die in jenen alten Inschriften gebrauchte Schrift, welche ihrerseits vermutlich auf semitischem Grunde ruht, Stufe für Stufe zurückverfolgen lassen. Die im eigentlichen Hindostan und im westl. Indien zur Zeit übliche Schrift führt den Ramen Devanàgari, oSchrift der Götter», d. i. der Brahmanen. Die Schrift ist in Indien allem Anschein nach von vornherein nur zu merkantilen und dergleichen Zwecken, erst sekundär auch zu litterarischen Aufzeichnungen verwendet worden; die alten Texte wurden ursprünglich nur mündlich überliefert. Die Litteratur in den neuern Sprachen Indiens, sowohl den nord⸗ als südindischen, ist unermeßlich, aber sie bietet dem wissenschaftlichen Forscher Europas wenig Ausbeute, da sie fast ganz auf der Sanskritlitteratur und in neuester Zeit der engl. Litteratur basiert ist und zum größten Teil nur aus Übersetzungen und Bearbeitungen von Werken daraus besteht. (S. Indische Sprachen.) Den ersten Versuch einer allgemeinen Ind. Litteraturgeschichtes gab Weber (Berl. 1852; 2. Aufl. 1875; engl. 1878). 2. Mast die vedische Litteraturperiode behandelte M. Müller in seiner 4History of the ancient Sanscrit literatures (Lond. 1859). Vgl. Bohlen, Das alte Indieno (Königsb. 1830); Benfey, Indieno (in Ersch und Grubers «Encyllopädie v, Sekt. 2, Bd. 17); Lassen, «Ind. Altertumskunden (4 Bde., Bonn 1844 —61; Bd. 1, 2. Aufl., Lpz. 1867); Weber, „Ind. Studienv (Bd. 1—16, Berl. u. Lpz. 1849 fg.): J. Muir, Original Sanscrit texts o (5 Bde., Lond. 1868— 73); F. Neve, „Les époques littéraires de PInden (Brüss. u. Par. 1883). Bibliographische Verzeichnisse aller in S. erschienenen Bücher enthalten Gildemeisters Bibliothecae Sanscritae specimeno (Bonn 1847) und Zenkers Bibliotheca Orientaliso (Bd. 2, Lpz. 1861); periodische übersichten über die neuesten Erscheinungen gibt Trübners American and Oriental Literary Recordo (Lond. 1865 fg.), jährliche die Zeitschrift der Deutschen Morgenländ. Eesellschaft' (Lpz. 1846 fg.). Sausovino, ausgezeichneter ital, Bildhauer und Architekt, geb. 1460, hieß eigentlich Andrea Contucci. Er war aus dem toscan. Städtchen Monte-Sansovino gebürtig und kam zu Ant. Pollajuolo in Florenz in die Lehre. S. bildete sich schnell, kam in Ruf und erhielt von mehrern Städten Italiens und vom Papst Julius II. ansehnliche Aufträge. Die von ihm herrührenden beiden Kardinalsmonumente in Sta.⸗Maria del popolo in Rom (4509) gehören zu den schönsten Werken der Blütezeit der Renaissance. Der König von Portugal berief ihn nach Lissabon und übertrug ihm die Ausührung mehrerer Paläste. Als er nach neun ahren — Italien zurückkehrte, erhielt er von eo X. den Auftrag, die Casa santa di Loreto mit Skulpturen zu schmücken. Später zog sich S. wieder in seinen Geburtsort zurück, wo er ein Augustinerhospiz gründete und 1529 starb. Vgl. Schönfeld, Andrea S. und seine Schules (Stuttg. 1881). Sein Schüler Jacopo Tatti, der sich nach ihm ebenfalls Sansovino nannte, geb. zu Florenz 1479, gest. 27. Nov. 1570 zu Venedig, war besonders für Venedig sehr beschäftigt. Seine Thätigkeit wurde hier maßgebend für die spätere Zeit der Renaissance, so für den Kirchen⸗ wie namentlich für den Palaststil durch sein schönstes Werk, die Libreria di San-Marco (nachmaliger königl. Palast), an welchem bei überwiegender Anwendung der antiken Elemente die Dekoration eine große Rolle spielt, während S. bei andern Bauten, 3. B. der ecca, den Zwecken derselben durch Maßhalten und Einfachheit Rechnung zu tragen wußte.