Sao-Fraucisco, der bedeutendste Strom, welcher sich an der Ostküste Brasiliens in den Atlantischen Ocean ergießt, entspringt unter 2020südl. Br. im südl. Teile der Provinz Minas-Geraes, durchfließt die Provinzen Minas-Geraes und Bahia, bildet hierauf die westl. Südgrenze von Pernambuco, scheidet alsdann die Provinzen Alagoas und Sergipe und mündet nach einem erst nordnordöstlich, dann nordöstlich, schließlich südöstlich gerichteten Laufe von 2900 Em. Seine bedeutendsten Nebenflüsse sind links: Paracatu, Correntes, Carunhanha und Rio Grande, rechts Rio das Velhas und Rio Verde Grande. Vom Katarakt von Pirapora in Minas-Geraes (17 20“ südl. Br.) wird er auf eine Strecke von 1500 Km schiffbar, dann beginnt eine 300 lem lange Reihe von Stromschnellen, welche auf der Grenze der Provinzen Alagoas und Bahia in den 80 m tief hinabstürzenden Paulo-⸗Affonso-Katarakten endet. Letztere sind der bedeutendste Wasserfall der Erde nach dem Niagara, den sie an Höhe noch übertreffen. Vor dem Falle verzweigt sich der Strom in vier Arme und stürzt dann in mehrern Absätzen in die Tiefe; die aus letzterer aufsteigenden Dampfwolken sind bei klarem Wetter 30 km weit sichtbar. Unterhalb der Fäll liegt am steilen, durch Granitwände gebildeten Ufer die Furna dos Morcegos, eine Grotte, welche bei einer Tiefe von 48 m und einer Höhe von 88 m einen nur 1,5 mbreiten Eingang besitzt. Die tief eingeschnittene Felsenschlucht des Stromes endet erst bei Paranhas (18 m über dem Meere), worauf der S. bei großer Breite und starker Inselbildung zwischen flachen Ufern abermals auf eine Strecke von 264 Em bis zu seiner Mündung für Fahrzeuge bis zu 3,3 m Tiefgang schiffbar ist. Die an Umfang beständig zunehmenden Barren an der Mündung gestatten indessen nur schmale und flache Fahrstraßen. Der untere Teil des Stroms wird seit 1865, der obere seit 1872 mit Dampfern befahren. Eine von Paranhas stromaufwärts nach Jatoba führende, auf Staatskosten erbaute, 117 k6m lange Eisenbahn hat den Zweck, mit Umgehung der Paulo-Affonso-Fälle den Verkehr zwischen dem obern und untern fahrbaren Teile des S. zu vermitteln. Die bedeutendsten Uferstädte sind Säo-Romäo und Januaria in Minas-Geraes, Carunhanha, Bom Jardim, Barra und Joaseiro in der Provinz Bahia und Penedo in Alagoas. Saäo-Francisco, Insel, zum nördl. Teile der brasilian. Provinz Santa-Catharina (s. d.) gehörig, hat für Schiffe von nicht mehr als 4,5 m Tiefgang einen sichern Hafen am nordwestl. Ufer bei dem Städtchen Nostra-Senhora da Graca, bekannt nunter dem Namen Säo-Francisco, welches Sitz einer deutschen Konsularagentur ist. Die Insel ist von etwa 10000 E. bevölkert und hat ein gesundes Klima und fruchtbaren Boden. S. hat erst durch die Gründung der deutschen Kolonie Donna-Francisca (s. d.) am gegenüberliegenden Festlande an Bedeutung gewonnen.