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ErdkundeBrockhaus 1882

Tocantins, einer der großen Ströme Brasiliens, entsteht unter 4˙46 südl. Br. und 49˙ westl. L. (von Greenwich) bei dem Fort Säo-Joad de Araguay aus der Vereinigung des Araguay (s. d.) und des obern T. Der obere T. bildet sich in der brasil. Provinz Goyaz aus zwei Quellarmen, dem Kleinen T. oder Tocantins-Pequend und dem Rie Maranhäo, die 5 km oberhalb der Ortschaft Agoa-Quente unter 14 25“ südl. Br. zusammenfließen. Der vereinigte Strom fließt im allgemeinen nach Norden, erst durch die Provinz Goyaz, dann, nachdem er von der Stadt Carolina ab, wo rechts der Rio Manoel Alves grande einmündet, die Grenze gegen Maranhäo gebildet, durch die Provinz Para. Unterhalb der Insel Säd-Antonio biegt er nach NW., bei Imperatriz nach W. um, wendet sich jedoch nach der Aufnahme des Araguay und Tacaiunas abermals gegen N. Etwa 300 km (in gerader Linie) unterhalb der Vereinigung seines olivenbraunen Wassers mit den Fluten des bei weitem stärkern Araguay erweitert er sich zu einem Astuar, welches unterhalb Cameta oder Villa-Vigoza den Namen Rio Parä annimmt. Dies 222 km lange und an der Mündung in den Atlantischen Ocean 63, Em breite Astuar Rio Para wird von neuern Geographen ganz bestimmt als dasjenige des T. bezeichnet und dieser Strom nicht als ein Nebenfluß, ja kaum als ein Zwillingsstrom des Amazonas betrachtet, da sich ihre Wassermassen auch an der Mündung nicht verbinden, sondern durch die große Insel Marajö voneinander geschieden bleiben und nur durch einige sehr schmale, aber tiefe natürliche Kanäle miteinander in Verbindung stehen, durch welche Dampfer nur mit Mühe hindurchkommen. Die Wassermenge, welche aus dem Amazonenstrom durch die Parämündung abfließt, ist ganz unbedeutend, der Rio Para gegenwärtig also nur scheinbar ein Mündungsarm des Amazonas, wenn er auch früher dies in der That gewesen sein mag. Die Stromlänge des T. wird zu 2640 km, die schiffbare Strecke zu 1800 km, das ganze Flußgebiet zu 979000 alem angegeben. Das lettere wird hauptsächlich durch den Araguay erweitert. Die regelmäßige Benutzung des T. als Wasserstraße fängt erst bei Porto-Imperial (früher Porto-Real) unter 10° südl. Br. an. Doch bereiten Riffe, Stromschnellen und Untiefen noch vielfache Hindernisse, nach deren Wegräumung erst der Strom mit tiefgehenden Dampfern wird befahren werden können.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 726Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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