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GeschichteBrockhaus 1882

Sapicha, eine früher sehr mächtige litauische und galiz. Fürstenfamilie, die von dem Großherzog von Litauen, Gedimin, abstammt und den poln. Königen aus dem jagellonischen Hause nahe verwandt war. Der erste dieses Namens soll der Fürst Punigaylo gewesen sein. Sein Sohn Sunigal, gest. 1420, trat mit Jagello zum Christentum über. Mit den Söhnen des letztern, Bogdan und Iwan, teilte sich das Geschlecht in zwei noch jetzt bestehende Linien, in die von Siewier oder Rozen und die von Kodnia. Aus der ersten Linie stammt Lew S., geb. 1557, der seine an dam auf der Universität zu Leipzig erhielt, an dem Kriege gegen Rußland unter Stephan Bathori teilnahm und dann mit Rußland einen zehnjährigen Frieden schloß. In Litauen führte S. zuerst ordentliche Gerichte ein, auch sammelte und veröffentlichte er das litauische Statut (Krakau 1614). Nach Ablauf des Friedens mit Rußland begab er sich wieder nach Moskau zu Boris Godunow. Unter großen Gefahren gelang es ihm, den Frieden auf 20 Jahre zu verlängern. Als dennoch Sigismund III. Rußland angriff, um die Ansprüche des falschen Demetrius geltend zu machen, gelang es S., trotz des unglücklichen Ausgangs dieses Krieges, Rußland zu vermögen, daß es Smolensk abtrat. Als Großkronhetman wurde er 1625 gegen Gustav Adolf, der in Litauen eingefallen war, gesendet, ohne jedoch dessen Fortschritte aufhalten zu können. Er starb 1633. Jan Piotr S., Starost von Uswiat, geb. 1569, nahm an dem Zuge teil, den die Polen zur Unterstützung des falschen Demetrius gegen Moskau unternahmen, und erwarb sich, indem er bis Moskau vordrang, einen bis nach Asien hin Furcht und Schrecken verbreitenden Namen. Nachher kam er in den Verdacht, mit den Bojaren in ein heimliches Einverständnis getreten zu sein, um sich zum Herrscher von Rußland zu machen. Er starb im Palast der Zaren zu Moskau 1611. Unter Johann Sobieski gelangte die Familie S. zu dem größten Ansehen und den höchsten Staatswürden. Kazimierz S. wurde Großhetman von Litauen und Wojwode von Wilna. Da er die Freigüter der Geistlichkeit mit Truppen belegte, that ihn der Bischof von Wilna in den Bann, wodurch große Verwirrungen in Polen herbeigeführt wurden. Auch unter August II. veranlaßten die S. blutige Zerwürfnisse in Litauen und gerieten mit den Häusern Radziwill und Oginsti in Streit. Alexander S., geb. 1770 zu Paris, wohin seine Eltern während Polens innerer Unruhen sich begeben hatten, unternahm eine Reise durch die slaw. Länder SÖsterreichs, die er in einem 1811 erschienenen poln. Werke beschrieb, und widmete sich dann besonders dem Studium der Naturwissenschaften. Er starb 1812. Leon S., Haupt der galiz. Linie, geb. 18. Sept. 1802, trat 1831 ins poln. Heer, verlor seine Güter in Rußland und ließ sich in Galizien nieder. Er wurde erblicher Reichsrat und 1861 Landtagsmarschall für Galizien, welche Würde er niederlegte, als er in einen Prozeß wegen der Czernowiczer Bahn verwickelt ward; er blieb jedoch Vorsteher und Förderer der landwirtschaftlichen Vereine und Anstalten des Landes, auch erwarb er sich durch Förderung der galiz. Eisenbahnen und Einführung von Musterwirtschaften auf seinen Besitzungen Verdienste um die Landeskultur. Er starb 10. Sept. 1878 in Krasiczyn. Ihm folgte sein Sohn Adam S., geb. 4. Dez. 1828.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 226Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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