Sardon (Victorien), namhafter franz. Theaterdichter, geb. 7. Sept. 1831 zu Paris, studierte anfangs Medizin, dann Geschichte und Litteratur. Die Bekanntschaft mit der Dejazet veranlaßte ihn zu dramatischer Schriftstellerei und verhalf ihm zu um so schnellerm Aufkommen, als diese berühmte Schauspiclerin nicht bloß ihr eigenes Theater zur Verfügung stellte, sondern auch in seinen ersten Stücken «Monsieur Garato und «Les prés Saint-Gervaiso (1860) die Hauptrollen spielte. S.s Ruf war damit sofort begründet, und seine fruchtbare Feder lieferte seitdem für verschiedene pariser Bühnen, besonders für das Gymnase und Vaudeville, eine beträchtliche Anzahl Komödien und Dramen, die größtenteils eine glänzende Aufnahme fanden. Von seinen Arbeiten sind zu nennen: «Les pattes de mouches (in Deutschland bekannt unter dem intimes o, Les vieux garçons v, (Nos bons villaphine „, (Patrie, ein patriotisch-histor. Drama, La maison neuves, Andréav, Fernanden, GRabagaso, ein antirepublikanisch-polit.⸗histor. Lustspiel (1872), L'oncle Samo (1873), (Les merveuilleuses v, La hainco (1874), (Ferréolo (1875), Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XIV. (1878), Daniel Rochato (1880), (Divorçonso dorav (1885). S. hat auch eine Anzahl Operettenterte verfaßt, zu denen Offenbach und andere Komponisten die Musik lieferten. Auch hat er einige Novellen geschrieben, z. B. «La pexle noirev. S.8 eigentümliches Verfahren bei der Komposition seiner Bühnenstücke ist fast überall das gleiche, und wenn auch des eigentlich poetischen Wertes entbehrend, doch immer effektvoll und spannend. Im Grunde genommen sind S.s Komödien nichts als Vaudevilles mit Dramen-oder Melodramenanhängseln, die nicht wesentlich dazu gehören, aber kunstreich und wirkungsvoll damit verbunden sind. Sein Dialog ist gewändt und witzig, die Charaktere sind nicht durchgearbeitet, aber prägnante Typen. Mit vielem Bedacht sorgt S. für die seenische Anordnung und legt große Wichtigkeit auf tadellose Treue der Zeit⸗ und Ortsfarbe, auf archäol. Genauigkeit Dekoration, sowie auf alles zur histor. Treue gehörige Beiwerk. Seit 7. Juni 1877 ist S. Mitglied der Französischen Akademie. Vgl. die Charakteristik S.s in Gottschalls «Porträts und Studien » (Bd. 4, Lpz. 1871).