FeedSassäri
ErdkundeBrockhaus 1882

Sassäri, die nördl. Provinz der zum Königreich Italien gehörigen Insel Sardinien, besteht aus Gebirgen und Ebenen und umfaßt mit den anliegenden Eilanden (Asinara im Nordwesten, Madalena, Caprera, Mortorio, Tavolara u. a. im Nordosten) ein Areal von 10726,6 akm mit (Ende 1881) 260478 E. Die Provinz zerfällt in die fünf Distrikte: Sassari, Alghero, Nuoro, Ozieri und Tempio-Pausania, zusammen mit 33 Mandamenti und 107 Communi. Die Hauptstadt Sassari (mittellat. Saxarum), 16 km südöstlich vom Hafen Porto Torres der Bai von Asinara, in wasser⸗, wein⸗, oliven- und obstreicher, durch Kunst verschönerter Gegend, an einem Abhange zwischen Olivenwäldern auf der rechten Seite des Thals von Rosello, Station der Bahn Porto-Torres-Chilivani, ist Sitz eines Erzbischofs seit 1441, der Provinzialbehörden, einer Handelskammer und einer Filiale der Nationalbank und zählt (1881) 30 705 (Gemeinde 34 821) C. »Sie hat nur eine lange Hauptstraße, ein malerisches, durch Mauern und viereckige Türme befestigtes Schloß (jetzt Kaserne) von 1330, mit Glockenturm, eine Kathedrale mit moderner Fagçade, 23 andere Kirchen, einen erzbischöfl. Palast, eine 1620 gestiftete, 1763 erneuerte, gegenwärtg aber wenig besuchte Universität, ein Kollegium (früher des Jesuitenordens), ein geistliches Seminar und ein Hospital. Unter den Palästen sind die schönsten der Palast Vallambrosa des Herzogs von Asinara, des größten Grundeigentümers der Insel, und der des Herzogs von Carnamanua. Bemerkenswert sind auch das neue Theater, der große Marmorbrunnen Rosello von 1605, die schönen Gärten und Promenaden. Das Museum enthält phönizische und röm. Altertümer. Die alten Stadtmauern rühren von den Genuesen her. Dem Lehrer des Handelsrechts D. A. Azuni (gest. 1827) wurde hier 1862 eine Statue errichtet. Die Einwohner treiben Handel mit Getreide, Käse, Schaf- und Ziegenfellen, besonders aber mit Ol, das aus den großen Olivenpflanzungen der Umgegend gewonnen wird. Pferderennen sind das Hauptvolksvergnügen. S. ist Sitz einer deutschen Konsularagentur. Porto-Torres (die röm. Kolonie Turris Libyssonis, seit dem ausgehenden Altertum nur Turris), 1073—1441 Sitz eines Erzbistums, ist ein belebter Hafenort mit 1799 (Gemeinde 3228) C., der Kirche San-Gavino aus dem 11. Jahrh., einer Basilika mit antiken Säulen und offenem Dachstuhl, röm. Ruine von einem Fortunatempel, einer röm. Brücke von sieben Bogen ungleicher Spannung, einer Wasserleitung und Felsengräbern. Porto-Torres ist Station der ital. Dampferlinien zwischen Livorno, Genua und Bastia.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 249Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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