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GeschichteBrockhaus 1882

Scala (lat. Scaligéri) hieß nach seinem Wappen, der Leiter, ein berühmtes Geschlecht des ital. Mittelalters, welches nach blutigem Wechsel der Freiheit und der Tyrannei und nach dem Sturze und der Vertilgung der Herren der Mark Treviso, der Ezeline aus dem ghibellinischen Hause Romano, in Verona 1260 —1387 herrschte. Ihre ersten Spuren finden sich in Verona vor der Mitte des 11. Jahrh. Auch werden Conti della S. in Piacenza und Lodi erwähnt. Mastino I. della S., der Gründer der Macht seines Hauses, wurde 1260 Podesta von Verona und 1262 Capitano des Volks. Der ghibellinischen Partei angehörend, regierte er mit Klugheit und Festigkeit, vergrößerte das Gebiet namentlich nach Norden und unterstützte Konradin von Schwaben auf seinem Zuge gegen Karl von Anjou. Als Mastino 1279 aus Privatrache ermordet wurde, behauptete sein Bruder Alberto della S. die Signoria, in welcher er sich einen Cohn Namen machte und 1301 seinen ältesten ohn Bartolommeo zum Nachfolger erhielt, welchem 1304 der zweite Bruder Alboin und in Gemeinschaft mit diesem 1308 Cangrande folgte. Kaiser Heinrich VII. belehnte das Haus mit Verona und andern Städten, wozu Vicenza, Padua und Treviso in der Folge kamen. Cangrande, 1311 —29 allein regierend, war der größte und glücklichste Herrscher des Hauses und die vornehmste Stütze der Ghibellinen unter Heinrich VII. und Ludwig dem Bayer. An seinem Hofe lebte eine Zeit lang der aus seiner Heimat verwiesene Dante. Ihm folgte 1329 sein Sohn Alberto II. in Gemeinschaft mit Mastino II. Glückliche Unternehmungen dehnten sein Gebiet nach allen Seiten, selbst bis Toscana (Lucca), aus, aber sie verwickelten ihn in einen Krieg mit Venedig und Florenz, der unentschieden blieb, aber Mastinos Macht schwächte. Von seinem Tode an, 1351, bietet die Geschichte des Hauses unter Cangrande II., Paolo Alboino, Can Signorio, Bartolommeo II. und Antonio nichts als ein Gewebe von Tyrannei und Schändlichkeiten dar. Endlich verdrängte 1387 Gian Galeazzo Visconti von Mailand den letzten S., Antonio, aus Verona. Als die Visconti um 1406 Verona an Venedig abtreten mußten, verlangten zwar die noch lebenden Söhne des Antonio della S. vom Senat die Rückgabe Veronas; allein sie wurden geächtet und starben in der Verbannung. Der letzte der Scaligeri starb 1598 in bayr. Diensten zu Neufrankenhofen in Bayern; durch Frauen stammen von ihnen die Dietrichstein und Lamberd. Zur Verschönerung Veronas trugen diese Herrscher viel bei. Ihre Grabdenkmäler bei Santa-Maria antica, namentlich die Mastinos II. und Can Signorios, sind kunstgeschichtlich wichtig. Vgl. Litta in „Famiglie celebri italianeo und Leßmann, «Mastino II. della S.» (Berl. 1829).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 276Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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