Ezelin, auch Ezzelino da Romano oder der Dritte genannt, zu den Zeiten Kaiser Friedrichs II. das Haupt der Ghibellinen in Italien, ein Sohn Ezzelinos des Mönchs, stammte von einem deutschen Rittergeschlechte ab, das vom Kaiser Konrad II. mit den Burgen Onara und Romano belohnt, an Reichtum, Macht und Ansehen in Italien schnell wuchs. Geb. 26. April 1194 zu Onara in der Mark Treviso, vereinigte E. alle die rühmlichen Eigenschaften, durch welche seine Familie sich auszeichnete, verdunkelte sie aber später durch große Leidenschaften und Laster, namentlich durch eine beispiellose Grausamkeit. Schon von früher Res mit an nahm er teil an den Fehden seines Hauses mit den Este, Bonifacio u. a., machte sich zum Podesta von Verona und schloß sich hierauf Kaiser Friedrich II. im Kriege mit den Lombarden aufs engste an. Zum Lohne erhielt er vom Kaiser dessen natürliche Tochter Selvaggia zur Gemahlin und wurde 1236 Statthalter uber Padua. Von jetzt an war er bedacht, für sein Haus eine selbständige Macht zu gründen. Rasch unterwarf er sich Vicenza, Verona, Feltre, Bassano Belluno und das ganze nordöstl. Italien. Wer sich seinem Unterjochungsplane widersetzte, wurde einekerkert, gefoltert, verstümmelt und auf grausame eise hingerichtet. Sich eine Geißel Gotteso nennend, räumte E. unter den edeln Geschlechtern Paduas und Veronas auf. Dabei zeigte er jedoch gegen Kaiser Friedrich, um dessen Schutz es ihm zu thun war, unausgesetzt die te Treue, sowie er auch nachher dessen Sohn Konrad bei allen Unternehmungen in Italien aufs eifrigste unterstützte. Die Nachstellungen gegen E.s Leben wurden durch seine Wachsamkeit, die 1 gegen seine Macht durch de Tapferkeit und Kriegserfahrung vereitelt; selbst der Bannfluch, den Papst Innocenz 1252 gegen ihn schleuderte, blieb erfolglos. Als er 1256 auch Mantua angriff, wurde ein Kreuzheer, an dessen Spitze der Erzbischof Philipp Fontana von Ravenna stand, gegen E. aufgeboten, und mit diesem vereinigten sich die Flüchtlinge Paduas, Vicenzas, Trevisos und anderer Städte. Padua wurde von ihnen erobert und auch gegen E. glüclich behauptet. Dagegen verlor das verbündete Heer die Schlacht bei Torricella (1. Sept. 1258). Der Podesta von Mantua, der Er bischof Sawer samt den meisten Scharen, welche dem chwerte entronnen, kamen hier in Gefangenschaft, und E. nahm nun Brescia ein. So stieg seine Macht höher als je zuvor, und zugleich ließ er sich zu immer größern Grausamkeiten verleiten. Als er jedoch im Verein mit der gehaßten Partei des Adels in Mailand die Unterwerfung Oberitaliens durchzuführen strebte, bildete sich ein neuer Bund gegen ihn. Palavicino und Boso da Dovera, früher seine Verbündeten, stellten sich ihm bei Soncino am Oglio entgegen; der Markgraf von Este nahm seine Stellung bei Mercaria, und Martino della Torre zog nach Cassano an der Adda, von wo aus er den andern zu Hilfe eilen konnte und zugleich Mailand deckte. Hier kam es zum Kampfe, in welchem E. nach tapferer Gegenwehr 16. Sept. 1259 verwundet wurde und in Gefangenschaft geriet, in welcher er 27. Sept. starb. Viele tausend Menschen waren auf seinen Befehl durch Henkershand oder im Gefängnisse gestorben. Sein Körper wurde in einem marmornen Sarge zu Soncino in ungeweihter Erde beigesetzt. Auch E.s Bruder, Alberich, mußte ein Jahr später, 25. Aug. 1260, durch Hunger und Durst gezwungen, sein Schloß ohne Bedingung übergeben und wurde, nachdem man ihn und seine Söhne und Töchter auf die empörendste Weise beschimpft und diese zuletzt vor seinen Augen unter gräßlichen Martern getötet hatte, an den Schweif eines Pferdes „gebunden und zu Tode geschleift. Mit ihm ging (das Geschlecht der Romano unter. Vgl. Verci, „Storia degli Ezuelinid (3 Bde., Bassano 1779; Vened. 1844). lunter Aka bäh. „Ezeongebr, Hafenort am Roten Meere, f. F, der sechste Buchstabe unsers Alphabets, gehört mit p, b, w, m zu der Klasse der Lippenbuchstaben (labiales), der Laut des f wird aber im Deutschen nicht, wie es an sich möglich ist (s. M) mit den beiden Lippen, sondern so gebildet, daß man die Unterlippe an die Oberzähne legt, ist also labiodental. Wir haben für diesen Laut überflüssigerweise zwei Zeichen, v und k, die im Anlaut der Worte beide vorkommen; im Inlaut und Auslaut wird außer in Frevel und in Fremdworten wie Larve, brav nur f gebraucht. Das Zeichen Fentstammt zunächst dem lat. Alphabet, es bedeutet aber im ältern griech. Alphabet, aus dem das lateinische entstanden, nicht k, sondern w(digamma); das gewöhnliche griech. Alphabet enthält dieses Zeichen gar nicht, weil die Sprache den w-Laut ganz verlor. Das phöniz. Alphabet, aus dem das griechische entstanden, hat das entsprechende Zeichen ebenfalls in der Geltung von w. Der deutsche Laut f entspricht stets einem ursprünglich indogermanischen (daher auch griechischen und lateinischen) p in verwandten Worten, z. B. lat. pater, unser n der Musik ist F (ital. und frz. fa, engl. ebenfalls E) die Benennung und Bezeichnung für die vierte diatonische Tonstufe oder die sechste Saite der diatonisch-chromatischen Tonleiter. (S. Ton und Tonarten.) Gegen den Grundton C macht der Ton zwei und einen halben großen Ton aus. Der Ton P wird durch eine Saite, von drei Viertel der Länge der Saite (natürlich von gleicher Stärke, Dich⸗ — aht Spannung) erzeugt, welche den Grundton C gibt. Als Abkürzungszeichen steht Fundtin röm. Inschriften, Handschriften u. s. w. für tilius, fecit u. s. w.; auf der Stirn entflohener und wieder ein⸗ — Sklaven bezeichnete es fugitivus (Flüchting); in spätern Büchern stand es für tolio. Als Zahlzeichen stand Fbei den Römern für 40, P für 40000. Im Handel heißt soviel wie fein, tk soviel wie sehr fein. In der Musik steht k für forte stark), f für fortissime (sehr stark). Auf der Stellscheibe engl. Uhren steht k für faster (geschwinder) im Gegensatz zu:s (slowly, langsam). In der Physik be-Fuar E die Thermometerskala nach Fahrenheit. nder Chemie ist F(doch auch Fl) das eichen für luor; auf Rezepten stehtek für flat, d. h. man bereite, z. B. f. pulv. für fiat pulvis, d. h. man bereite es als Pulver. Als engl. Abbreviatur steht Ffür Fellow (Mitglied), z. B. F. R. G. S. für Fellow of the Royal Geographical Society, d. h. Mitglied der Königl. Geographischen Gesellschaft. Auf deutschen Reichsmünzen bezeichnet I den Münzort Stuttgart, auf ältern preußischen: Magdeburg, auf ältern österreichischen: Hall in Tirol, auf ältern französischen: Angers. Faaborg, dän. Städtchen auf der Insel Fünen, an einer Bucht des Kleinen Belt, vom König Abel 1251 privilegiert, treibtlebhafte Schiffahrt und Handel, besonders mit Getreide, hat auch einige Industrie und zählt (1880) 3476 E. [Orchideen. Faam oder Thee von Bourbon, s. unter Fab., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Fabricius (Otto). Faba (lat.), die Bohne (s. d.). Fabel (lat. fabula), ein Ausdruck der Poetik, welcher in weiterm und in engerm Sinne gebraucht wird. In weiterm Sinne wird als F. der Stoff, Gegenstand, Vorwurf einer epischen und namentlich dramatischen Dichtung bezeichnet, zumal wenn dieser Stoff ein frei erfundener ist. Wer z. B. die Handlung eines Lustspiels erzählt, pflegt wohl seine Erzählung mit den Worten Die Fabel des Stücks isto einzuleiten. Im engern und bestimmtern Sinne aber ist die F. die Bezeichnung einer besondern Dichtart, eine Erzählung, welche der unbeseelten Natur, vor allem der Tierwelt, Bewußtsein, Vernunft, Sprache verleiht und so das Menschenähnliche der Tiercharaktere zum Schein und Spiegel des wirklich Menschlichen erhebt. Die Entstehung der F. gehört daher den fruhesten Zeiten an; sie blüht um so üppiger, je regsamer und sinnenfrischer noch die Belauschung der Eigenheiten und Heimlichkeiten des Tierlebens ist. Mag es auch vielleicht allzu gewagt sein, wenn Jak. Grimm von einer indogerman. Tiersage spricht, von welcher die meisten Tierfabeln und Tierepen nur Bruchstücke seien, so ist doch gewiß, daß viele unserer schönsten Tierfabeln aus Indien abstammen und daß auch Agypten und Syrien sich einer reichen Fabelblüte erfreuten. Ihre künstlerische Form hat aber die F. erst in Griechenland gefunden, in Hesiod (800 v. Chr.), Archilochos von Paros (720 v. Chr.), Simonides und Stesichoros, und besonders in jenen F., deren Sammlung in das 6. Jahrh. v. Chr. fällt und die den Namen des Äsopus tragen. Ein buntes, sinniges, ergötzliches Allerlei feinster Naturbeobachtung, noch durchaus naiv, schlicht erzählend, zwar lehrend wie jede echte Dichtung, aber noch nicht absichtlich lehrhaft. Selbst bei Babrius (s. d.) bewahrt die griechische F. noch diesen vorwaltenden Zug naiver Schlichtheit. Doch lag es in der Natur der Sache, daß, da die F. das Tierleben nur als den unverhüllten Spiegel des Menschenlebens faßte, sich all991576 das absichtlich Lehrhafte mehr und mehr vordrängte. Griech. Redner, selbst Demosthenes, bedienten sich ihrer gern; auch Aristoteles zählt in der Rhetorik (2, 20) die F. zu den allen Gattungen der Beredsamkeit gemeinsamen Beweismitteln. Dieses absichtlich 1STgttert wurde alsdann bei den Römern das ausschließlich Bestimmende und Maßgebende. Nicht bloß die röm. Redner, sondern auch die röm. Dichter kennen die F. nur als Lehrgedicht. Phädrus (s. d.), in der ersten röm. Kaiserzeit, benutzte die griechischen F., verflachte sie aber u platter Alltagsmoral. Phädrus aber in einer in Prosa aufgelösten Umarbeitung aus unbekannter Zeit, die unter dem Namen eines sonst unbekannten Romulus ging, beherrschte das ganze Mittelalter, ja die gesamte neue Zeit bis zum des 18. Jahrh. So sehr die Minnesinger Trimberg und Boner, sowie Hans Sachs, Brant, Burkard Waldis, Fischart bemüht sind, den kühlen Ton ihres Vorbildes zu erwärmen, o sehr im Zeitalter der Reformation die Tierfabel und das Tierepos behufs satirischer Zeitschilderungen verwendet und ausgestattet wurden, die naive Unbefangenheit war verloren, die Tiere waren nichts als verkleidete Menschen, der Gehalt war eine nüchterne moralisierende Rutzanwendung. Die nur auf die äußere Form und auf trockene Verständigkeit gerichtete Poetit der ersten Schlesischen Schule und die ihr verwandte ästhetische Theorie Boileaus waren sicher nicht geeignet, eine würdigere Auffassung zu brinen; und selbst datchen (s. d.), der einen unbeangenen volkstümlichen Zug hatte und seine Muster in Rabelais und Marot suchte, konnte, obgleich ihn frische naive Laune und schallhafter Witz zu einem der vortrefflichsten Fabeldichter machen, die verlorene 24 W0 und Sinnenfülle nicht wiederherstellen. Le Bossu und Gottsched lehren, daß man die F. so lehrreich als möglich machen müsse und daß man keine ersinnen dürfe, in welcher nicht eine wichtige Wahrheit liege. Erst mit dem Sturze Gottscheds und des franz. Klassizismus lam in die F. wieder frischeres Leben. Die Schweizer, Bodmer und Breitinger sahen in ihr das Höchste, da sie das Verständige mit dem Wunderbaren verbinde. Hagedorn, Lichtwer, Pfeffel, vor allen Gellert bilden das Volkstümliche Lafontaines weiter aus und den 2 der F. wieder anziehende Frische und neckenen Mutwillen; es war Moral, aber gemütvolle Moral in leichter ansprechender Erzählung. Lessing An wieder auf Äsop zurück, aber er hatte nur luge für das Lehrhaste und Epigrammatische. Treffend sagt Jak. Grimm von Lessings F. das naive Element gehe ihnen ab bis auf die leiseste Eten Zwar behaupten seine Tiere den natürlichen Charakter, aber was sie thun, interessiert nicht mehr an sich, sondern nur durch die erwartete Spannung auf die Moral; Kürze ist ihm die Seele der F.; man kann aber umgekehrt behaupten, daß die Kürze der Tod der F. ist und ihren sinnlichen Gehalt vernichtet. Seitdem ist die Fabeldichtung aus der modernen Dichtung Iber allen nicht bloß in Deutschland, sondern auch bei allen andern Völkern. Nur in der Kinderlitteratur finden sich noch einzelne Nachklänge, wie in uptzacht F. und in Heys F., die ihre Wirkung hauptsächlich den trefflichen Zeichnungen Speckters verdanken. In Rußland sind die F. von Krylow durch heitere Laune und treffende Sentenzen zum Volks⸗ und S e geworden. Für die F. im ursprünglichen Sinne des alten Tierepos fehlt unserer Zeit das traute, sinnige und innige Zusammenleben mit der Tierwelt und das naive Aufgehen in der Beschränktheit des unbefangen Instinktiven; über das einseitig Didaktische und Moralisie rende aber ist glucklicherweise unsere erhöhtere Ein Por in das Wesen und die Grundforderung echter oesie weit hinausgeschritten. Die Fabel ist fortar mehr Objekt der ästhetischen Forschung als Gegen stand des dichterischen Schaffens. Vgl. Lessing „Von dem Wesen der F.v (Berl. 1801); Jak Grimm, «Reinhart Fuchsd (Berl. 1834).