Schädel (cranium), im weitern Sinne die Gesamtheit der Kopfknochen, im engern nur derjenige Teil des knöchernen Kopfes, welcher die Hülle (Kapsel) für das Gehirn bildet. Derselbe wird von den beim Menschen bald verwachsenden, sonst meist getrennten Stirnbeinen (ossa frontis, s. u. Stirn), den Scheitelbeinen (ossa parietalia, s. unter Scheitel), den Schläfenbeinen (ossa temporum, s. unter Schläfe), dem Keilbein (os sphenoideum, s. Keilbein), dem Hinterhauptsbein (os occipitis), welche beide letztere nach vollendeter Körperentwickelung in das Grundbein (os basilare) verschmolzen sind, und dem Siebbeine (os ethmoidale) gebildet. (S. die Tafel: Schädel des Menschen.) Die meisten dieser Knochen gehören zu den breiten, und alle nehmen teil an der Bildung der das Gehirn (s. d.) aufnehmenden Schädelhöhle (cavitas cranii). Sowohl untereinander als mit denen des Gesichts (s. d.), ausgenommen den Unterkieferknochen, sind sie durch unbewegliches Gelenk, vorzüglich durch die sog. Nähte verbunden, welche jedoch erst gegen das Ende der Kindheit zur Vollkommenheit gelangen, indem bei jüngern Kindern weiche, knorpelige Zwischensubstanzen, die sich später auf die sog. Fontanellen (s. d.) beschränken, vorhanden sind. Verschiedene Offnungen der Schädelhöhle dienen zum Eintritt und Austritt von Gefäßen und Nerven; die größte von allen mündet in den Kanal der Wirbelsäule und wird durch das verlängerte Mark zum größten Teil ausgefüllt. Die Entwickelung des S. und des Gehirns steht in innigster gegenseitiger Wechselbeziehung; während auf der einen Seite vorzeitige Verknöche⸗⸗ rung der zwischen dem Schädelgrundbein befindlichen Knorpelmassen fast immer zu einer beträchtlichen Winemus kii des Gehirns, zu Blödsinn und Kretinismus führt, bewirken auf der andern Seite Anhäufungen von Wasser oder Geschwülsten in den Hirnhöhlen oft eine enorme Vergrößerung des S., dessen einzelne Knochen dann dünn, weich und vorgewölbt sind und offene, große Fontanellen zeigen. Mannigfache Schädelgestaltungen bieten die Wirbeltiere, indem bei ihnen teils die Form der Schädelhöhle eine sehr verschiedene ist, teils die Schädelknochen selbst in Bildung und Zahl voneinander und von den menschlichen abweichen. Die vergleichende Betrachtung des Baues und der Entwickelung der Schädelknochen hat zu den wichtigsten Ergebnissen für die vergleichende Anatomie geführt, worunter namentlich der zuerst durch Goethe und Oken aufgestellte Satz gehört, daß der S. aus modifizierten Wirbeln besteht. Auch die S. der Menschen sind untereinander sehr verschieden, sowohl bei den einzelnen Menschenrassen als bei verschiedenen Personen eines und desselben Stammes. Hierauf * jedenfalls die Form und Entwickelung des Gehgirns großen Einfluß: diese Annahme bildel die Grundlage der von Gall begründeten Schädellehre. (S. Phrenologie.) Vgl. Virchow, «Menschen- und Affenschädel » (Berl. 1868); Welcker, «Unter7 über Wachstum und Bau des menschlichen Schädelso (Lpz. 1862).