Schadow (Joh. Gottfr.), ausgezeichneter Bildhauer, geb. 20. Mai 1764 zu Berlin, zeigte schon früh Reigung zu den zeichnenden Künsten. Bei der Dürftigkeit seines Vaters, eines Schneiders, wurde das Interesse, welches der damalige Hofbildhauer Tassaert ihm zuwendete, sein Glück. Als Lehrling und Gehilfe dieses noch im Geiste des Rokoko arbeitenden Meisters lernte er sich in sein Fach ein, verließ jedoch plötzlich Berlin mit seiner Geliebten und verheiratete sich in seinem 21. Jahre mit derselben in Wien. Von dort wandte sich S. nach Italien. Unermüdet fleißig, arbeitete er 1785—87 in dem Museum des Vatikans und Kapitols, gewann in Rom den Preis im Concorso di Balestra und erhielt 1788 die durch den Tod Tassaerts erledigte Stelle in Berlin. Sein erstes großes Werk in Deutschland war das dem Grafen von der Mark, einem natürlichen Sohne Friedrich Wilhelms II., 1790 errichtete Denkmal in der Dorotheenkirche zu Berlin. Diesem folgten 1794 die Bildsäule Zietens in Husarenuniform; die Bildsäule Friedrichs d. Gr. in Stettin 1794; ein Gipsmodell in Lebensgröße, welches die nachmalige Königin Luise von Preußen und ihre Schwester, die nachmalige Königin von Hannover, in einer Gruppe darstellt; ferner 1800 die Bildsäule Leopolds von Dessau für den Wilhelmsplatz zu Berlin; mehrere Sandsteinarbeiten am neuen Münzgebäude daselbst; das Denkmal Tauenziens zu Breslau: die Blücher-Statue für Rostock 1819; das Standbild Luthers in Wittenberg (1821). Das Viergespann auf dem Brandenburger Thor ist von ihm modelliert und von dem Kupferschmied Jury in Potsdam in Kupfer getrieben. Außerdem modellierte er noch viele vortreffliche Büsten berühmter Männer, die Reliefs um das Münzgebäude und in den Sälen des Schlosses zu Berlin, sowie verschiedene originelle Statuetten. Auch zu einem Denkmal für Friedrich d. Gr. lieferte er mehrere Modelle. Seit 1788 war er Rektor, seit 1816 Direktor der Akademie der Künste zu Berlin, der er bis an seinen Tod, 27. Jan. 1850, vorstand. Unter den neuern Bildhauern war S. einer der ersten, die eine kräftige, mit edelm Stil verbundene Charakterdarstellung zum Hauptziel ihres Schaffens Ihauer er wurde der Begründer der modernen Bildhauerschule Berlins. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: «Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malereiv (Wittenb. 1815), «Polyklet, oder von den Maßen des Menschen nach dem Geschlecht und Altero (Berl. 1834; 3. Aufl. 1877), aden Umterichted der oder Beobachtungen über den Unterschied der Gesichtszüge und die äußere Gestaltung des menschlichen Kopfeso (Berl. 1835; 2. Aufl. 1867), «Kunstwerke und Kunstansichten » (Berl. 1849). Aus seinem Nachlasse veröffentlichte Friedländer, «Gottfried S.s Aufsätze und Briefey (Düsseld. 1864) und «über einige Sätze Goethes u. s. w.y (Düsseld. 1864). Sein ältester Sohn, Zeno Ridolfo S., geb. in Rom 9. Juli 1786, hatte sich unter der Leitung des Vaters und dann unter Thorwaldsen und Canova ausgebildet und starb zu Rom 31. Jan. 1822. Nächst mehrern Basreliefs, Büsten u. s. w. fanden besonders seine Marmorstatuen einer Sandalenbinderin und einer Spinnerin großen Beifall, die nach England kamen; beide sind mehrmals wiederholt, erstere auch für die Glyptothek in München.