FeedStirnhaut
TierreichBrockhaus 1882

Stirnhaut besorgen. Der Hauptnerv der Stirngegend (nervus frontalis) entspringt aus dem ersten Ast des dreigeteilten Nerven (s. Gehirn, Bd. VII, S. 6637) und tritt durch ein kleines Loch am innern, obern Rande der Augenhöhle aus letzterer hervor. In der Jugend besteht das Stirnbein aus zwei seitlichen Knochen, welche bis zum zehnten Lebensjahre fest miteinander verwachsen. Ebenso bleiben die oberhalb des Stirnbeins gelegenen Scheitelbeine voneinander, sowie von dem Stirnbeine getrennt, sodaß da, wo die Knochen zusammenstoßen, in der Mitte über der S., beim Säuglinge eine häutige Lücke besteht, die vordere Fontanelle. Die definitive Form, welche die S. endlich annimmt, wird bedingt zum Teil von der Masse und der Gestalt des gesamten Schädelinhalts, also beim Gesunden vom Gehirn, zum Teil aber auch von der Zeit, zu welcher die Schädelknochen miteinander verwachsen. Verwachsen die Stirn- und Scheitelbeine frühzeitig, so halten sie nicht mehr mit dem Wachstume des Gehirns Schritt, und die S. bleibt flach und niedrig, während sich andere Teile des Schädels um so stärker ausdehnen können. Erfolgt dagegen die Verknöcherung der hintern Schädelnähte zeitig, so kann sich die S. sehr stark entwickeln. Unter den normalen Verhältnissen entwickelt sich aber die S. dem Gehirn entsprechend, und daher kann eine hohe, breite S. im allgemeinen als Zeichen großer geistiger Begabung gelten, um so mehr, als die vordere Hälfte des Gehirns der Sitz des geistigen Vermögens ist. Deshalb gilt eine stark nach vorn hervortretende S. (eine starke Entwickelung des Vorderhirns), welche zugleich ein scheinbares Zurücktreten des Gesichts, daher einen rechtwinkeligen Gesichtswinkel nach Camper bewirkt, im allgemeinen als ein Zeichen großer geistiger Begabung. Diese Gestaltung findet sich z. B. bei den Köpfen von Schiller, Napoleon, Goethe u. s. w., bei der kaukasischen Rasse überhaupt, und wurde von den griech. Künstlern dem Kopfe des Olympischen Zeus verliehen. Dagegen zeigt, wenn auch nicht ausnahmslos, eine schräg nach hinten zurücktretende oder gleich von den Augenbrauen an sich abflachende S. auf einen Mangel höherer geistier Gaben hin, und diese Bildung findet sich in der t bei den Tieren, beim Affen, beim Neger, so- wie bei dem hirnarmen Kretin. Eine hohe S. ist mehr dem männlichen, eine niedere mehr dem weiblichen Geschlechte eigen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 246Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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