FeedSchalttage
HimmelskundeBrockhaus 1882

Schalttage heißen Tage, welche einem Jahre zugesetzt werden, um die bürgerliche Zeitrechnung mit dem astron. Jahre auszugleichen. Da nämlich das aus 12 Mondmonaten zusammengesetzte Mondjahr 354 Tage 8 Stunden 48 Minuten 36 Sekunden beträgt, haben die Völker, welche nach Mondjahren rechneten, die Bruchteile des Tages aufgespart, bis sie sich zu einem ganzen Tage summierten, und durch dessen Hinzusetzung zu einem gewöhnlichen Jahre von 354 Tagen dieses zu einem Schaltjahr (s. d.) von 355 Tagen gemacht. Ähnlich ist es bei der Rechnung nach dem Sonnenjahr. Da dieses 365 Tage 5 Stunden 48 Minuten 46 Sekunden lche mit den Stunden u. s. w. aber in der bürgerichen Zeitrechnung, welche nur volle Tage brauchen kann, nichts anzufangen ist, wartet man, bis dieser Überschuß annähernd einen Tag beträgt und setzt dann diesen dem gemeinen Jahre von 365 Tagen in jedem vierten oder Schaltjahr als 366. Tag hinzu. Die alten Agypter und Perser, welche ihr Jahr aus 12 Monaten von je 30 Tagen bildeten, mußten also diesem noch fünf Zusatztage (griech. Epagomenen) und von Zeit zu Zeit einen sechsten anhängen, und der Kalender der Französischen Revolution ahmte dieses nach. Die Zusatztage, zu republikanischen Festen bestimmt, hießen hier Sansculottides. Die usgleichung des Mondjahrs von 354 Tagen mit dem Sonnenjahr von 365 Tagen konnte, wo sie angestrebt wurde, natürlich nur durch eine Einschaltung von 11 Tagen erfolgen, indem man aus diesen von Zeit zu Zeit einen 13. Monat bildete und den 12 Mondmonaten hinzufügte, wie das noch jetzt bei den Juden geschieht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 299Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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