Schierling ist die Bezeichnung für drei einheimische Giftpflanzen aus der Familie der Umbelliferen, welche drei verschiedenen Gattungen dieser Familie an Aaant und sämtlich weiße Blüten besitzen. Am bekanntesten ist der gefleckte Schierling (Conium maculatum L.), auch Wut⸗ und Stinkschierling, Tollkörbel, Vogeltod, Katzenpeterlein u. s. w. genannt, welcher an Wegen, Mauern, auf wüsten Plätzen, Schutthaufen, auch auf bebautem Boden in Europa, zum Teil in Asien und jetzt auch in Amerika wächst und sich durch einen harten, bläulich bereiften und öfters rotbraun gefleckten Stengel, durch dicke, stielrundliche, hohlröhrige Stiele der Wurzelblätter und durch drei bis vier kurze, einseitig gestellte und am Grunde zusammengewachsene Hüllblättchen unter jedem Döldchen unterscheidet. Die Früchte sind eiförmig, mit zehn wellig-gekerbten Rippen. (Vgl. Tafel: Giftpflanzen 1, Fig. 2.) Die Blätter, welche beim Welken einen widerlichen Geruch verbreiten, sind als Heilmittel gebräuchlich. Sie enthalten ein sehr giftiges Alkaloid (Coniin oder Cicutin), gehören zu den heftig wirkenden,‚ scharf narkotischen Mitteln und werden bei Krankheiten des lymphatischen Systems, bei Anschwellungen und Verhärtungen der Drüsen und bei bösartigen Geschwüren, äußerlich als schmerzstillendes Mittel angewendet. Auch wird aus ihnen ein Extrakt und ein Pflaster bereitet. Bei Schierlingsvergiftungen sind Brechmittel, künstliches Atmen, starker Wein und Kaffee, sowie reichlicher Genuß von Gerbsäurelösungen (Galläpfelabkochung) zu empfehlen. Am giftigsten ist jedoch der Wasserschierling (Cicuta virosa L.), welcher sich durch seine Größe, durch sehr stark gewölbte Dolden, einen fünfzähnigen Kelch und rundliche, zweiknotige Früchte mit zehn flachen Rippen auszeichnet. Diese fast durch ganz Europa und Nordasien verbreitete Pflanze wächst in Sümpfen, Teichen, Gräben und auf überschwemmten Plätzen, hat einen dicken, durch horizontale Scheidewände quer in Fächer geteilten Wurzelstock, dreifach gefiederte Blätter mit lineal-lanzettlichen, gleichmäßig spitz gesägten Blättchen, viele pfriemlich-fädliche Hüllblättchen unter jedem Döldchen und weiße Blumen. (Vgl. Tafel: Giftpflanzen I, Fig. 1.) Der Wasserschierling gehört zu den heftigsten scharfnarkotischen Giften, und die Verwechselung seines Wurzelstocks, welcher fast sellerieartig riecht und süßlich schmeckt, mit andern eßbaren Wurzeln hat oft genug den Tod von Menschen herbeigeführt. Schon in . Menge genossen, bewirkt er brennende Magenschmerzen, Würgen, Erbrechen, Schwindel, Verlust der Sprache, Schluchzen und unter Konvulsionen den Tod. Auch er ist früher in der Heilkunde angewendet worden. Diese Pflanze besitzt zugleich ein histor. Interesse, indem aus ihrem Wurzelstocke der berüchtigte Schierlingstrank der alten Griechen bereitet wurde, den zum Tode verurteilte Verbrecher trinken mußten (3. B. Sokrates). Die dritte unter dem Namen Gartenschierling bekannte Pflanze ist die sog. Hundspetersilie oder Gleiße (Aethusa Cynapium JL.), s. Gleiße und Tafel: Giftpflanzen II, Fig. 5.