FeedSchraubendampfer
TechnikBrockhaus 1882

Schraubendampfer, da Räder und ein Teil der bei Raddampfern notwendig über der Wasserlinie liegenden Maschine zu sehr durch Geschosse gefährdet werden. Die Kunst, den einzelnen Teilen eines S. die gehörige Gestalt und Verbindung zu einem zweckmäßigen Ganzen zu geben, nennt man Schiffbaukunst; dieselbe beruht auf der wissenschaftlichen, aus der Mechanik und Hydraulik abgeleiteten Untersuchung der Eigenschaften eines S., insofern diese Einfluß auf das Gleichgewicht und die Bewegung desselben haben. Der zum Schiffbau eingerichtete Platz heißt Schiffswerft, und der Platz, auf welchem ein einzelnes S. gebaut wird, eine Helling oder ein Dock. (S. Docks.) Eine Helling ist eine geneigte Fläche von Bohlen oder Mauerwerk, die über einem Balkenrostwerke lagern. Der Kiel des S. wird auf Klötze, welche Stapelklötze heißen, gelegt, und man nennt ein solches im Bau begriffenes S. auf Stapel stehend. Wenn das S. so weit fertig gebaut ist, daß es zu Wasser gebracht oder, technisch ausgedrückt, Kvom Stapel laufeno kann, wird es auf eine schlittenartige Unterlage gekeilt, wodurch es von den Kielklötzen freikommt. Es werden dann die Balken, mit denen der Bau gestützt war, fortgenommen, und das dadurch frei gewordene S. gleitet auf der geneigten Helling in das Wasser. Zum Ausbessern der S. unter Wasser werden jetzt überall Docks benutzt, wenn die Reparaturen nicht so geringfügiger Art sind, daß sie durch Taucher, deren sich auf jedem größern Kriegsschiffe mindestens einer befindet, ausgeführt werden können. Während man in frühern Zeiten als Material zum Schiffbau ausschließlich Holz verwendete, benutzt man neuerdings immer mehr Eisen und Stahl dazu, das im Verhältnis zu seiner Stärke leichter als Holz ist, bei gleichen Dimensionen mehr Ladungsraum gibt, billiger ist und sich leichter reparieren läßt. Dagegen sinken die eisernen S. bei größern Verletzungen viel leichter als hölzerne, und die Lecke lassen sich provisorisch lange nicht so gut stopfen wie bei diesen. Um das Sinken bei Beschädigungen des Bodens zu verhindern oder so zu verlangsamen, daß möglicherweise die Besatzung gerettet werden kann, gibt man den eisernen Schiffen, namentlich den gepanzerten, einen doppelten Boden mit vielen kleinen wasserdichten Abteilungen, um das durch das Leck eindringende Wasser auf einen kleinen Raum zu beschränken, und durchzieht jene der Länge und Quere nach außerdem mit eisernen Wänden, den Längs- und Querschotten. Die Zahl der letztern beträgt bei Panzern gewöhnlich 8—9 und kann einer der dadurch gebildeten Räume voll Wasser dalen ohne daß das Schiff sinkt. Während in frühern Zeiten gesunkene S. stets als gänzlich verloren betrachtet wurden, hat jetzt die vorgeschrittene Technik die Mittel gefunden, sie wieder zu heben, wenn die Lage nicht zu ungünstig und zu tief ist. Ein bestimmtes System wird dabei nicht verfolgt, sondern man richtet sich nach den Umständen; jedoch ist es am allgemeinsten, die Lecke vorher so gut wie möglich zu stopfen, die übrigen Offnungen zu schließen, dann mit Hilfe mächtiger Pumpen das Wasser aus dem S. zu pumpen und es so aufschwimmen zu lassen. Oder man bringt durch Taucher Ketten, resp. Taue unter das S. und sucht es mit mächtigen Hebewerken zu heben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 343Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Technik 6