FeedSchill (Ferdinand Baptiste von)
GeschichteBrockhaus 1882

Schill (Ferdinand Baptiste von), bekannt als kühner Parteigänger, geb. 6. Jan. 1776 zu Wilmsdorf bei Dresden, wurde seit 1780 auf dem Gute seines Vaters in Sothof bei Pleß in Oberschlesien erzogen und trat 1788 in die preuß. Armee. Als Dragonerlieutenant bei Auerstädt 1806 verwundet und versprengt, schleppte er sich bis Kolberg in Pommern. Nach seiner Genesung entwarf er den Plan, ein Freikorps zu errichten, um die franz. Brandschatzungen in der Provinz zu verhindern und alles königl. Eigentum, Kassen u. s. w. nach Kolberg zu führen. Nicht ohne Mühe erhielt er von dem Kommandanten Loucadou zwei Dragoner seines Regiments, zu denen sich bald andere Freiwillige gesellten. Seine Entschlossenheit, sein Mut und seine Schlauheit machten ihn beim Feinde gefürchtet. Doch Loucadou verbot ihm endlich seine Unternehmungen, und S. suchte beim König selbst die Erlaubnis zur Errichtung eines Freikorps nach. Er erhielt sie, und in wenigen Wochen standen drei Schwadronen Husaren, eine reitende Jägerkompagnie und ein Bataillon Infanterie von 400 Mann, zusammen gegen 1000 Mann mit drei 3pfündigen Kanonen, ausgerüstet da. Seine Absicht ging dahin, am Ausflusse der Oder, auf der Insel Wollin, festen Fuß zu gewinnen und von hier im Rücken des franz. Heers zu operieren. Nachteilige Gefechte bei Stargard und Naugard nötigten S. jedoch, sich in ein befestigtes Hölzchen, die Maikuhle genannt, unter dem Schutze der Festung zurückzuziehen. Vier Monate half er die Außenwerke und den Hafen verteidigen, und seiner Mitwirkung war es nächst Gneisenau zu danken, daß Kolberg nicht fiel. S., inzwischen zum Rittmeister befördert, war in Schwedisch-Pommern beschäftigt, sich neue Hilfsquellen zu eröffnen, als der Friede von Tilsit seine Entwürfe unterbrach. Nach demselben wurde er Major und Kommandeur des aus seiner Kavallerie errichteten 2. brandenb. Husarenregiments, mit welchem er 1808 in Berlin einrückte und mit großem Jubel empfangen wurde. Hierauf beschloß S., durch einen Einbruch in das Königreich Westfalen den Anstoß zur allgemeinen Erhebung Deutschlands zu geben. Als Ssterreich im April 1809 Napoleon den Krieg erklärte, marschierte S. mit seinem Husarenregiment aus Berlin, angeblich zu einer Felddienstübung. Erst beim ersten Halt eröffnete er den Offizieren seinen Plan. Alle erklärten ihm unbedingte Zustimmung, und so setzte er sich gegen die Elbe in Marsch, die er bei Wittenberg passierte. Er überfiel Köthen, nahm 3. Mai Halle und besetzte 4. Bernburg. Dort erhielt er die Nachricht, daß Napoleon die österr. Heeresmacht bereits niedergeworfen, sowie daß Dörnbergs Aufstand in Hessen unterdrückt worden. Er entschloß sich darum 5. Mai nach Mecklenburg und Pommern zu gehen, lieferte an demselben Tage bei Dodendorf einer von Magdeburg gegen ihn ausgerückten feindlichen Abteilung ein siegreiches Gefecht und wendete sich dann nach der Altmark. Hier bezog er Kantonnierungen, um sich zu verstärken, während in Hannover unter dem General Gratien ein holländ. und in Holstein unter dem General Ewald ein dän. Korps sich sammelte. Zu S. stieß am 12. ein Teil seines leichten Bataillons, das ihm von Berlin nachmarschiert war, er überrumpelte das kleine mecklenb. Fort Dömitz an der Elbe, um einen Stützpunkt zu finden, zog sich aber bei Annäherung der Feinde 21. Mai nach Wismar, dann nach Rostock und erzwang sich durch den Sieg bei Damgarten den Weg nach Stralsund. In Eile stellte er die verfallenen Festungswerke wieder her, aber schon 31. Mai griff ihn der Feind mit 5000 Mann an und drang ungeachtet der heldenmütigsten Verteidigung in die Stadt. Der Kampf dauerte in den Straßen fort, und S. fand hier, schon aus mehrern Wunden blutend, durch einen Flintenschuß den Tod. Etwa 150 Reiter unter Lieutenant von Brünnow samt einigen Jägern schlugen sich durch und erhielten freien Abzug nach Preußen, wo die Offiziere vor ein Kriegsgericht gestellt und mit Festung und Cassation bestraft werden mußten. Die in Stralsund gefangenen 11 Offiziere wurden von den Franzosen nach Wesel geführt und dort 16. Sept. 1809 erschossen. Ein 1835 von der preuß. Armee errichtetes Denkmal deckt ihre Asche. S.s Leichnam, nur mit Mühe erkannt, wurde in Stralsund begraben. Den Kopf trennte man zuvor davon, setzte denselben in Weingeist und schenkte ihn dem berühmten Brugmanns in Leiden, obschon der König Hieronymus 10000 Frs. darauf gesetzt hatte. Nach Brugmanns Tode kam er ins anatom. Museum der leidener Universität, die ihn 1837 an die Stadt Braunschweig auslieferte, wo er bei den überresten einiger daselbst erschossener Offiziere seines Regiments beigesetzt wurde, denen man kurz vorher ein großartiges Monument errichtet hatte. Eine dabei erbaute Kapelle wurde 13. Sept. 1840 eingeweiht. In Stralsund wurde ihm an der Stelle, wo er gefallen, 31. Mai 1859 eine Gedenktafel und im April 1862 auf seinem Grabe ein Denkmal errichtet. Gottschall hat S.s Zug und Tod dramatisch behandelt. Vgl. die Schriften von Haken (2 Bde., Lpz. 1824), Döring (Barmen 1838) und Bärsch (Lpz. 1860; neue Aufl. 1870), außerdem Ferdinand von S.» (Potsd. 1860).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 354Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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