FeedLützow (Ludw. Adolf Wilh., Freiherr von)
GeschichteBrockhaus 1882

Lützow (Ludw. Adolf Wilh., Freiherr von), der Führer der nach ihm benannten Freischar (schwarze Schar) im deutschen Befreiungskriege, geb. 18. Mai 1782 in der Mittelmark, trat 1795 in das erste Bataillon Garde, wurde bald Offizier und wohnte, zum Kürassierregiment Reitzenstein versetzt, dem Kriege von 1806 und der Schlacht von Auerstädt bei. Der Kriegsgefangenschaft glücklich entgangen, schloß er sich 1807 dem Schillschen Freikorps in Kolberg an, organisierte dessen Kavallerie und wurde im Gefecht von Stargard verwundet. Im J. 1807 zum Stabs-Rittmeister befördert, nahm er 1808 als Major den Abschied, beteiligte sich aber 1809 an dem Schillschen Zuge bis zum Gefecht bei Dodendorf, wo er abermals verwundet wurde. Erst 1811 trat er wieder als Major bei der Kavallerie ein und wurde 18. Febr. 1813 auf Scharnhorsts Veranlassung ermächtigt, ein Freikorps zu errichten, zu welchem sich bald eine Anzahl ausgezeichneter Männer, wie Körner, Jahn, Friesen u. a., meldete. Er befehligte dasselbe als Chef und unter ihm der Major von Petersdorff. Das Korps hatte die Bestimmung, im Rücken des Feindes den kleinen Krieg zu führen und die Kräfte des nichtpreuß. Deutschland der nationalen Sache dienstbar zu machen. Es bestand schon Ende März aus 900 Mann Infanterie und 260 Reitern und verstärkte sich allmählich auf 2800 Mann Infanterie (drei Bataillone und drei Jägerabteilungen) nebst 480 Reitern (vier Schwadronen); auch war eine Abteilung tiroler Scharfschützen dabei, geführt von Riedl und Ennemoser. Die Lauheit der durch den Rheinbund korrumpierten Bevölkerung Westdeutschlands und Napoleons Erfolge im Frühjahr 1813 ließen aus L.s Freikorps nicht das werden, was man erwartet hatte; auch war der Führer ein tapferer Soldat, aber kein organisatorisches Talent. Beim Rückzuge der Heere nach der Schlacht von Lützen war ein Teil der Fußjäger des Korps, der in Leipzig gestanden hatte, nach Schlesien zurückgegangen. Dadurch wurden Jahn, Reil und andere Führer von L. getrennt, welcher,‚ durch Friesen und den alles begeisternden Körner noch mehr fortgezogen, mit der Reiterei über die Elbe und Saale ging, während die Infanterie unter dem Major von Petersdorff an der Elbe blieb. Die Hoffnung, 7. Juni 1813 vereinigt mit Woron⸗ „zow und Tschernitschew Leipzig siegreich zu besetzen, wurde durch den Waffenstillstand von Poischwitz vernichtet, von welchem L. erst am 9. Kenntnis erhielt. Aber trotz des Waffenstillstandes wurde das Korps auf General Fourniers Befehl 17. Juni bei Kitzen (J. d.) unweit Leipzig durch den württemb. „(General Normann bei Tagesanbruch überfallen und fast ganz aufgerieben. Nach dem Waffenstillstand neu organisiert, gab man das L.sche Freikorps dem Korps von Tettenborn unter Walmoden an der untern Elbe bei. Ruhm erwarb es sich in dem Treffen an der Göhrde 16. Sept., wo L. abermals schwer verwundet wurde, und in vielen Vorpostengefechten; aber Großes konnte um so weniger ausgeführt werden, als das Korps nie vollständig vereinigt zur Verwendung kam. Erst im Dezember bei Boitzenburg wieder gesammelt, ging es mit dem schwed. Kronprinzen gegen die Dänen, darauf, Jan. 1814, unter Helmenstreit nach dem Rhein, wo es vor Jülich lag, endlich nach Frankreich, zu spät, um noch mitzukämpfen. Als L., von schweren Wunden kaum genesen, im März 1814 bei der schles. Armee in Chälons angekommen war, sandte ihn Blücher mit Depeschen an den General St.⸗Priest nach Rheims; auf dem Rückwege wurde er 12. März vom franz. Landsturm gefangen. Nach dem Frieden zum Oberstlieutenant befördert, erhielt er im März 1815 das Kommando des 6. Ulanenregiments. In der Schlacht von Ligny bei der Attacke auf ein franz. Quarré wurde ihm das Pferd erschossen und er selbst gefangen. Der Sieg bei Belle-Alliance setzte ihn wieder in Freiheit. Im Okt. 1815 wurde er Oberst, 1817 Kommandeur der 13. Kavalleriebrigade, 1822 Generalmajor, im April 1830 aber zur Disposition gestellt. Er starb in Berlin in der Nacht vom 5. zum 6. Dez. 1834. L.s Grabdenkmal auf dem Militärkirchhof in der Kleinen Rosenthalgasse zu Berlin wurde 6. Dez. 1873 feierlich restauriert. Sein Freikorps war nach dem ersten Pariser Frieden aufgelöst und teilweise zu Stämmen für neue Linienregimenter (preuß. 25. Infanterie⸗ und 6. Ulanenregiment) verwendet worden. L.s Gattin war seit 1810 Clisa, Gräfin von Ahlefeldt (s. d.). Vgl. Ad. Schlüsser, «Geschichte des L.schen Freikorps⸗ (Berl. 1827); Eiselen, «Geschichte des L.schen Freikorpso (2. Aufl., Halle 1841); «Ein Streifzug der L.schen Reiterschare (Berl. 1863); Stawitzkij, Geschichte des preuß. 25. Infanterieregimentso (Kobl. 1857); Bothe, «Ges chichte des 6. Ulanenregiments (Berl. 1865); «Adolf L.s Freikorps in den Jahren 1813 und 18145, von K. von L. (Berl. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 275Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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