Custine (Adam Philippe, Graf von), franz. General, geb. zu Metz 4. Febr. 1740, erhielt im 7. Lebensjahre ein Lieutenantspatent und wohnte 1748 der bon Sacse von Mastricht unter dem Marschall von Sachsen bei. Im Siebenjährigen Kriege that er sich als Kapitän im Dragonerregiment Schomberg unter Soubise ba8 und erhielt 1762 ein Dragonerregiment, das seinen Namen führte. Er befehligte dann beim franz. Hilfskorps in Amerika das Regiment Saintonge, zeichnete sich 1781 bei Horktown aus und wurde dafür zum Mareéchal-de-Camp, nach seiner Rückkehr zum Gouverneur von Toulon ernannt. Bei der Zusammenberufung der Reichsstände 1789 zum Abgeordneten des Adels von Metz erwählt, stimmte er mit der Minorität des Adels für polit. Reform. Als der Krieg 1792 ausbrach, trat er aus der Nationalversammlung, um ein Kommando zu übernehmen. Mit einem Korps von 13000 Mann Infanterie, 4500 Reitern und 40 Geschützen bemächtigte er sich 30. Sept. der großen r Meschie von Speier und nahm 23. Okt. nach kurzer Beschießung das nur schwach besetzte Mainz, sowie Frankfurt und das Bergschloß Königstein. Im März 1793 mußte er sich aus Mainz in das Elsaß zurückziehen, nachdem Frankfurt schon 2. Dez. hatte geräumt werden müssen. Nach Dumouriez' Abfall erhielt er als Dampierres Nachfolger den Oberbefehl der Nordarmee, welche er in trauriger Verfassung fand. C. stellte zunächst die sehr erschütterte Mannszucht im Heere wieder her; doch erhoben sich Klagen gegen ihn über Einverständnisse mit dem Feinde, sodaß er seine Entlassung verlangte, die er aber nicht erhielt. Auf die Anschuldigung Marats und Billaud-Varennes vor dem Wohlfahrtsausschusse begab er sich 12. Juli zur Verantwortung nach Paris, wo er 27. Juli eingekerkert und, obschon er sich mit Geistesgegenwart verteidigte, 26. Aug. zum Tode verurteilt und 27. Aug. hingerichtet wurde. Sein Sohn, Renaud Philippe von C., geb. 1768, der sich erst der diplomatischen Laufbahn gewidmet, später seinem Vater als Adjutant zur Seite gestanden Gaßdit folgte ihm bereits 3. Jan. 1794 auf das Schafott. Später veröffentlichte zu Hamburg General Baraguay-d'Hilliers die Papiere Cas unter dem Titel: «Mémoires posthumes du général français comte de C., rédigés par un de ses aides de campo (deutsch, 2 Bde., Berl. 1795).