Schwanze und grauem schwarzgefleckten Pelze, und das Ichneumon (Herpestes Ichneumon, Fig. 3). Schleichwirtschaft, soviel wie Femelbetrieb. Schleiden, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Aachen, in der Eifel, an der Olef, 357 m über dem Meere, Station der Linie Kall-Hellenthal der Preußischen Staatsbahnen, Sitz des Landratsamts, zählt (1885) 490 E. und hat eine kath. und eine evang. Pfarrkirche, Bergbau auf Bleierz und Eisenstein, Kalksteinbrüche und eine Holzschneiderei. Von 1602 bis 1794 war S. Hauptort einer Grafschaft. — Der Kreis Schleiden zählt auf 824 qkm (1885) 44 905 meist kath. E. Schleiden (Matthias Jakob), namhafter deutscher Naturforscher, geb. 5. April 1804 zu Hamburg, erhielt seine Vorbildung auf dem Johanneum daselbst und studierte 1824—27 Jurisprudenz zu Heidelberg. Im J. 1833 ging er nach Göttingen, um Medizin zu studieren, gab sich aber hier besonders durch Einfluß Bartlings wie hierauf zu Berlin unter Einwirkung Horkels ganz dem Studium der Naturwissenschaften, vorzugsweise der Physiologie und Botanik hin. Er hatte bereits eine Reihe physiologischer und phytotomischer Abhandlungen in Zeitschriften veröffentlicht, als er 1839 zum außerord. Professor in Jena ernannt wurde. Im Herbst 1862 siedelte er nach Dresden über, und 1863 folgte er einem Rufe als Professor für Pflanzenchemie und Anthropologie nach Dorpat, welche Stellung er jedoch schon im Herbst 1864 wieder aufgab. Er lebte dann wieder in Dresden, später in Wiesbaden und starb 23. Juni 1881 in Frankfurt a. M. S.s Hauptwerk sind die «Grundzüge der wissenschaftlichen Botaniko (2 Bde., Lpz. 1842—43, 4. Aufl. 1861), in welchen er die induktive Forschung scharf hervorkehrt und besonders gegen die damalige unklare philosophische Behandlung morphologischer Fragen ankämpft, zugleich aber auch in genialer Weise Ansichten über Pflanzenphysiologie aufstellt, die ihn nicht bloß mit den Philosophen, sondern auch mit andern Botanikern und Chemikern in Opposition stellten. Durch diese Konflikte wurden mehrfache Streitschriften mit Liebig, Hartig, Nees von Esenbeck u. s. w. hervorgerufen. Von hohem Interesse sind auch seine populären Vorträge über Die Pflanze und ihr Lebenp (6. Aufl., Lpz. 1864) und „Studien; populäre Vorträgev (2. Aufl., Lpz. 1857). Außerdem bearbeitete S. die Pflanzenphysiologie, Tierphysiologie und Theorie der Pflanzenkultur für den dritten Band der Eneyklopädie der theoretischen Naturwissenschaftend (Braunschw. 1850) und gab mit Schmid die „Geognostische Beschreibung des Saalthals bei Jena (Lpz. 1846) heraus. Von seinen zahlreichen Aufsätzen für Journale und Gesellschaftsschriften stellte er eine Anzahl in 4Beiträge zur Botanikp (Bd. 1, Lpz. 1844) zusammen. Mit Nägeli gab er die Zeitschrift für wissenschaftliche Botanik' (Tl. 1—4, Zür. 1844 —46) heraus. Von seinen spätern Schriften sind noch hervorzuheben: (Die Landenge von Suezo (Epz. 1858), 4Zur Theorie des Erkennens durch den Gesichtssinn » (Lpz. 1861), cüber den Materialismus der neuen deutschen Naturwissenschafto (Lpz. 1863), Für Baum und Waldo (Ipz. 1870), 4Gedichter (unter dem Pseudonym Ernst, Lpz. 1858; 2. Sammlung, Lpz. 1873), Das Meers (2. Aufl., Berl. 1874), „Die Roser (Lpz. 1873), „Das Salzo (Lpz. 1875), Die Bedeutung der Juden für die Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften im Mittelalter⸗ (Lpz. 1877), Die Romantik des Martyriums bei den Hudol im Mittelaltere (Lpz. 1878). Schleiden (Rudolf), Vetter des vorigen, geb. 22. Juli 1815 auf dem Gute Ascheberg in Holstein, studierte die Rechte und trat dann in den dänischen Staatsdienst. S. verließ w1848 Kopenhagen, stellte sich der Provisorischen Regierung zur Verfügung und wurde von dieser in außerordentlicher Mission an den Bundestag gesandt. In Frankfurt nahm er am Vorparlament teil. Vom Mai bis Dez. 1848 fungierte er als Bevollmächtigter der Provisorischen Regierung in Berlin, nahm dann an der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten der Herzogtümer teil und stand interimistisch den Departements des Innern und des Kultus vor. Mit dem Rücktritt der Statthalterschaft verließ er, von der dän. Amnestie ausgeschlossen, die Herzogtümer und lebte teils in Freiburg i. Br., teils auf Reisen, bis er 1853 für Bremen als Ministerresident nach den Vereinigten Staaten von Amerika ging. Im J. 1856 ging er für die drei Hansestädte, welche ihn demnächst zu ihrem gemeinschaftlichen Gesandten in Washington ernannten, zum Abschluß eines Handels⸗ und Schiffahrtsvertrags nach Mexiko. Im Jan. 1865 wurde er als hanseatischer Ministerresident nach London versetzt, legte aber diese Stellung beim Ausbruch des Kriegs 1. Juli 1866 nieder und zog sich wieder nach Freiburg in Baden zurück. Doch nahm er als Abgeordneter von Altona, wo er auch zwei Jahre (1868 — 70) als rechtsgelehrter Senator fungierte, an dem konstituierenden Reichstage des Norddeutschen Bundes teil und wurde 1867 in demselben Wahlkreise für die erste Legislaturperiode des ordentlichen Reichstags, sowie im März 1871 für die erste Legislaturperiode des Deutschen Reichstags wiedergewählt; er gehörte hier der Liberalen Reichspartei an. Von S.s Schriften sind zu nennen: Zum Verständnis der deutschen Frager (Stuttg. 1867), Zur Frage der Besteuerung des Tabakso (Lpz. 1878). eine amerik. Erlebnisse veröffentlichte er in den Reiseerinnerungen aus den Vereinigten Staaten von Amerikay (Neuyork 1873). Schleier (botan.), s. Indusium und Farn. Schleier ist ein Stück des weiblichen Putzes, gewöhnlich bestehend aus einem feinen, florartigen Gewebe und wesentlich dazu bestimmt, das Gesicht und nächst diesem den Kopf oder auch andere Körperteile zu verdecken oder zu verhüllen. Im Orient war sein Gebrauch seit ältesten Zeiten heimisch und gegenwärtig ist es daselbst für die mohammed. Frauen ein strenges Gebot der Sitte, sich sowohl auf der Straße als auch daheim in Gegenwart von Fremden nur mit einem großen, kleidartigen, das Gesicht wirklich verhüllenden S. zu zeigen. Die griech. und röm. Frauen behandelten den S. mehr als ein willkürliches Putzstück, welches auch vorteilhafte und besonders in der röm. Kaiserzeit gern benutzte Gelegenheit zu Koketterie bot. Bei den Vestalinnen war der S. (sufübulum) ein Stück der Opfertracht. Doch fällt es in den Nachrichten der alten Schriftsteller oft schwer, ja unmöglich, den S. von Kopfbinden oder Kopftüchern zu unterscheiden. Dasselbe gilt von den Nachrichten aus altdeutscher Zeit, die schon von got. Frauen den Gebrauch langer, feiner, weißer S. berichten. Gegen Ende des Mittelalters sahen sich städtische Behörden mehrfach veranlaßt, Schleierordnungen, Luxusgesetze über den Gebrauch der S., zu erlassen. Seitdem folgten die S. dem wechselnden Gange der Mode. Aus der uralten Sitte, Bräute zu verschleiern, und zugleich aus dem Bemühen, weltlichen Sinn und weltliche Blicke abzuhalten, ist der S. der Nonnen (der Gottesbräute) hervorgegangen, welcher schmaler und länger als der im Mittelalter sonst gewöhnliche und in verschiedenen Farben getragen wurde. Daher bedeutet der Ausdruck «den S. nehmen » soviel als Nonne werden. Schon den Alten galt der S. als Symbol des Geheimnisvollen und Unergründlichen; deshalb wurden gewisse Götterbilder, wie das zu Sais in Agypten, die Heiligtümer der Mysterien und andere Kultusgegenstände verschleiert.