FeedSchlesische
GeschichteBrockhaus 1882

Schlesische Kriege nennt man die von dem Könige Friedrich II. von Preußen mit Osterreich über den Besitz Schlesiens geführten drei Kriege, von denen der dritte den besondern Namen des Siebenjährigen Kriegs (s. d.) führt. Friedrich II., jung, ruhmbegierig und kriegslustig, benutzte die gefährliche Lage, in welche Maria Theresia nach ihres Vaters Karl VI. Tode durch die von mehrern Staaten auf ihre österr. Erblande erhobenen Ansprüche 11. um alte Rechte seines Hauses auf die vier schles. Fürstentümer Liegnitz, Brieg, Wohlau und Jägerndorf mit den Waffen geltend zu machen. Diese Rechte gründeten sich teils darauf, daß Kaiser Ferdinand II. dem Markgrafen Georg von Brandenburg, infolge seiner Teilnahme an der Sache des Böhmenkönigs Friedrich von der Pfalz, das Fürstentum Jägerndorf genommen und den österr. Ländern einverleibt hatte, teils auf eine zwischen dem Kurfürsten Joachim I. und dem Herzog Friedrich II. von Liegnitz 1537 geschlossene gegenseitige Erbverbrüderung. Zwar hatte Kaiser Ferdinand I. als Oberlehnsherr diese letztere für ungültig erklärt; als aber nach dem Aussterben der Herzöge von Liegnitz, Brieg und Wohlau 1675 der Kurfürst riedrich Wilhelm von Brandenburg seine Anprüche erhob, hatte er zur Abfindung den Schwiebuser Kreis erhalten, den sein Sohn und Nachfolger Friedrich III. infolge anderweitiger Abmachungen dem Kaiser zurückgegeben hatte. Friedrich II. erneute deshalb die Ansprüche seines Hauses, das er außerdem in der jülich-bergischen Erbfolgesache verkürzt hielt, und begann den Ersten Schlesischen Krieg (1740—42). Ohne Kriegserklärung rückte er Ende Dez. 1740 mit einem Heere von 30000 Mann in Schlesien ein und verlangte, unter gleichzeitiger Anerbietung seines militärischen Beistandes zur Aufrechterhaltung der Pragmatischen Sanktion und eines Vorschusses von 2 Mill. Thlrn., von Maria Theresia die Abtretung der schles. Fürstentümer Sagan und Glogau. Als diese Forderung wie jene Anerbietungen von Maria Theresia zurückgewiesen wurden, setzte Friedrich seinen Kriegszug In und eroberte bis Ende Januar das ganze chwach besetzte Land, mit Ausnahme von Glogau, Brieg, Glatz und Neisse. Hierauf schloß er mit Rußland ein Verteidigungsbündnis und erneuerte seine Unterhandlungen mit dem wiener Kabinett. Allein Maria Theresia wies auch jetzt Friedrichs Vorschläge zurück, sammelte ein Heer von 30000 Mann und ließ dasselbe unter Neipperg in Schlesien einrücken. Friedrich nahm nun 9. März Glogau mit Sturm und rückte mit 25000 Mann den Ssterreichern prit 1741 Bei Mollwitz unweit Brieg kam es 10. April 1741 zur Schlacht, in welcher zwar die Kavallerie des preuß. rechten Flügels durch die Reiterei des österr. Generals Römer geschlagen, das Treffen aber durch die feste Haltung und die kraftvollen Angriffe der preuß. Infanterie (unter Schwerin) so völlig wiederhergestellt wurde, daß die Osterreicher mit einem Verluste von 3000 Mann und 18 Kanonen nach Neisse abzogen. Die Preußen eroberten hierauf Brieg, belagerten Neisse und überrumpelten Breslau. Unterdessen war auch der bayr. Kurfürst Karl Albrecht mit einer franz. Armee in Oberösterreich eingedrungen, und August von Sachsen hatte ein Heer von 20000 Mann nach Böhmen gesendet. In dieser Bedrängnis schloß Maria Theresia unter Vermittelung des engl. Gesandten am preuß. Hofe, Lord Hyndford, 9. Okt. 1741 den geheimen Vertrag zu Kleinschnellendorf ab, kraft dessen die Feindseligkeiten aufhören und im künftigen Frieden ganz Niederschlesien nebst einem Teil von Oberschlesien an Preußen überlassen werden sollte. Als aber der Vertrag, um Bayern und Sachsen gegen Preußen mißtrauisch zu machen, veröffentlicht wurde, schloß Friedrich ein Schutz- und Trutzbündnis mit Karl Albrecht, ließ sich 7. Nov. 1741 von den Ständen Niederschlesiens zu Breslau huldigen, und griff, als der Sieg durch die kräftige Hilfe der Ungarn von den Bayern und Franzosen entschieden sich auf die Seite der Osterreicher wendete, aufs neue zu den Waffen. Schwerin drang im Verein mit den Sachsen in Mähren ein, wo er 27. Dez. Olmütz eroberte, und Leopold von Dessau bemächtigte sich im Jan. 1742 der Grafschaft Glatz, die Friedrich schon früher dem bayr. Kurfürsten Karl Albert als König von Böhmen für 400000 Fl. abgekauft hatte. Inzwischen rückte der Prinz von Lothringen mit einem Heere heran, zwang Friedrich, von welchem sich die Sachsen trennten, zum Rückzuge nach Böhmen und griff ihn 17. Mai bei Chotusitz unweit Czaslau überraschend an, sodaß die Preußen sich kaum in Schlachtordnung stellen konnten. Aber Friedrich ließ rasch den rechten Flügel vorgehen, nahm die Osterreicher in die Flanke und schlug sie mit einem Verlust von 7000 Mann und 18 Kanonen, während er selbst nur 3000 Mann einbüßte. Infolge dieses Siegs schloß nun Maria Theresia mit Friedrich II. am 11. Juni 1742 den rieden von Breslau, durch welchen Nieder- und Oberschlesien nebst der Grafschaft Glatz, außer Troppau, Jägerndorf und dem jenseit der Oppa elegenen Gebiet, an Preußen abgetreten wurden. ieser Präliminarfriede wurde mit nähern Festsetzungen 28. Juli in Berlin als Definitivfriede vollzogen und vom König Georg II. von England garantiert. Vgl. Grünhagen, Geschichte des ersten

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 393Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6