FeedFriedrich August I. oder der Gerechte
GeschichteBrockhaus 1882

Friedrich August I. oder der Gerechte, anfangs Kurfürst, als solcher Friedrich August III., seit 1806 König von Sachsen, der älteste Sohn des Kurfürsten Friedrich Christian, geb. zu Dresden 23. Dez. 1750, folgte seinem Vater 17. Dez. 1763 unter Vormundschaft seines Oheims, des Prinzen Xaver, als Administrators. Nachdem er 15. Sept. 1768 die Regierung selbst übernommen, vermählte er sich 1769 mit der Prinzessin Maria Amalie von Zweibrücken (geb. 1751, gest. 15. Nov. 1828), die ihm 21. Juni 1782 die Prinzessin Auguste gebar. Wegen der Ansprüche seiner Mutter auf die Verlassenschaft ihres Bruders, des ftich wit; von Bayern, führte er 1778 gemeinschaftlich mit Friedrich d. Gr. den Bayrischen Erbfolgekrieg gegen Osterreich. Aus Rücksichten auf das Wohl seines Landes und dessen geogr. Lage trat er auch dem deutschen anddie won bei. Dieselben Rücksichten bewogen ihn, die poln. Krone auszuschlagen, als sie ihm 1791 angeboten wurde. Auch der zu Pillnitz 1792 abgeschlossenen Koalition gegen Rens reich trat er nicht bei. Erst nach erklärtem eichs kriege, 1793, stellte er sein Kontingent als Reichsstand zum Kriege gegen Frankreich, bis er 1796 dem Waffenstillstands⸗ und Neutralitätsvertrage des Obersächsischen Kreises mit den Franzosen beitrat. Bei dem Rastatter Kongreß suchte er die Selbständigkeit des Deutschen Reichs zu behaupten, und bei dem Entschädigungsgeschäft zu Regensburg, wozu er nebst sieben andern Reichständen erwählt war, zeigte er strenge Gerechtigkeit. An dem Kriege zwischen Frankreich und Osterreich 1805 nahm er keinen Teil; doch verstattete er den preuß. Armeen den Durchzug durch sein Land. Nach der Auflösung des Deutschen Reichs schloß er sich Preußen gegen Frankreich an, bis er 100 nach der Schlacht bei Jena genötigt saht mit Napoleon I. in Unterhandlungen zu treten. Nach dem Frieden 340 Friedrich August II. (König von Sach zu Posen, 11. Dez. 1806, nahm er den Königstitel an und trat nun als souveräner Fürst in den Rheinbund (s. d.). In der Niederlausitz wurde ihm der Kottbuser Kreis zugesichert; dagegen mußte er an das neuerrichtete Königreich Westfalen das Amt Gommern, die Grafschaft Barby, Treffurt und den sächs. Teil der Grafschaft Mansfeld abtreten. Durch den Frieden von Tilsit (1807) erhielt er das Herzogtum Warschau. Als 1813 Sachsen der unmittelbare Schauplatz des Kriegs wurde, begab er sich erst nach Plauen, dann nach Regensburg und endlich nach Prag. Nach der Schlacht bei Lützen mußte er auf Napoleons drohendes Begehren nach Dresden zurückkehren. Später folgte er Napoleon nach Leipzig. Nach der Einnahme Leipzigs ließ ihm der Kaiser Alexander erklären, daß er ihn als seinen Gefangenen betrachte. Seine Erklärung an die Kaiser von Rußland und Osterreich, der gemeinschaftlichen Sache beizutreten, wurde nicht angenommen. Er mußte sich nach Berein, dann nach dem Lustschlosse nitt, nm Prehbegeben, bis er die Erlaubnis erhielt, in Preßburg seinen Aufenthalt zu nehmen. Nachdem er hier in die vom Wiener Kongreß beschlossene Abtretung der Hälfte Sachsens an Preußen eingewilligt, kehrte er unter allgemeinem Jubel 7. Juni 1815 in seine Hauptstadt zurück, wo er an demselben Tage den Civilverdienstorden für Verdienst und Treue stiftete. (S. Sachsen.) Er starb zu Dresden 5. Mai 1827, und ihm folgte in der Regierung sein Bruder Anton. Vgl. Weiße, «Geschichte Friedrich Augusts (Opz. 1811); Herrmann, 1 Die Reaterun Augustso (Dresd. 1827); Pölitz, «Die Regierung Friedrich Augusts von Sachsen » (2 Bde., Lpz. 1830).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 339Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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