FeedSchmeller (Joh. Andr.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Schmeller (Joh. Andr.), einer der ausgezeichnetsten deutschen Sprachforscher, geb. 6. Aug. 1785 zu Tirschenreuth in Oberfranken, besuchte das Lyceum zu München und ging 1804 nach der Schweiz, um dort unter Pestalozzi zu arbeiten. Hierauf begab er sich nach Spanien, wo er in Tarragona eine Schule nach Pestalozzischen Grundsätzen errichtete, kehrte aber 1808 in die Schweiz zurück und begründete mit Sam. Hopf eine Privatanstalt in Basel, die bis 1813 bestand. Dann kehrte er nach Bayern zurück, nahm als Freiwilliger 1814 und 1815 am Befreiungskriege teil und widmete sich dann in München linguistischen, insbesondere Dialektstudien. Seine Schrift Die Mundarten Bayerns, grammatisch dargestellto (Münch. 1821) und sein großes lexikalisches Werk „Bayr. Wörterbuch, mit urkundlichen Belegene (4 Bde., Stuttg. u. Tüb. 1827—36; 2.Ausg. von Frommann, 2Bde., Münch. 1872—77), zugleich Idiotikon der lebenden Volkssprache, sowie Glossar der ältern Sprache des Landes, dürfen als Muster für gleichartige Arbeiten gelten. Im J. 1827 wurde er Professor am Kadettenhause in München, 1828 außerord. Professor für die ältere deutsche Sprache und Litteratur zu München. Daneben erhielt er 1829 die Stelle eines Custos, 1840 die eines Unterbibliothekars an der königl. Hof- und Staatsbibliothek und wurde 1846 zum ord. Professor an der Universität zu München ernannt. Hier starb er 27. Juli 1852. Von seinen Werken sind noch hervorzuheben: die Ausgabe der von ihm Héliando betitelten altsächs. Evangelienharmonie (Stuttg. u. Tüb. 1830—40), ferner die Ausgabe der althochdeutschen übersetzung der sonst dem Tatian, von ihm selbst dem Ammonius zugeschriebenen Evangelienharmonie (Wien 1841), die Ausgabe des Muspillio (Münch. 1832) und von St. Ulrichs Lebeno von Albertus (Münch. 1844). Mit Jak. Grimm gab er „Lat. Gedichte des 10. und 11. Jahrh.» (Gött. 1838) heraus. Für den stuttgarter Litterarischen Verein besorgte er die Ausgaben von „Des böhm. Herrn Leo von Rozmital Ritter⸗, Hof⸗ und Pilgerfahrt durch die Abendlande (Stuttg. 1844), der Carmina buranav (Stuttg. 1847) und „Hadamars von Laber Jagd nebst drei andern Minnegedichten » (Stuttg. 1850). Besonderes Studium wandte S. den sog. Cimbern der Sette und Tredeci Communi zu und hinterließ ein Wörterbuch ihrer Sprache (herausg. von Bergmann, Wien 1855). Schon früher hatte er die Abhandlung aüber die sog. Cimbern der VII und XIII Communen auf den vened. Alpen und ihre Sprachey (Rünch. 1838) veröffentlicht. Auch dichterisch war er thätig; ein antikes Trauerspiel Die Ephesier o erschien aus seinem Nachlaß (Münch. 1885). Vgl. Föringer, Lebensskizze S.5v (Münch. 1855); Nicklas, &S.s Leben und Wirkeno (Münch. 1885).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 422Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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