Schuellkäfer (Elateridae) nennt man eine sehr zahlreiche (in mehr als 3000 Arten) über die ganze Erde verbreitete Familie von Käfern, die eine schlanke, gestreckte Gestalt, etwas niedergedrückte Flügeldecken, ein gewölbtes großes Brustschild, ziemlich lange gesägte oder gewedelte Fühler und kurze Beine besitzen. Ihren deutschen sowie lat. Namen (Elater, der sich Aufschwingende) haben die S. von der Fähigkeit, sich, wenn sie auf den Rücken zu liegen gekommen sind, kräftig in die Höhe zu schnellen und so wieder auf die Beine niederzufallen. Der vordere freiere Brustabschnitt ist mit der dahinter befindlichen Mittelbrust sehr gelenkig verbunden und läuft auf der Unterseite in einen Stachel aus, der in einer Grube der Mittelbrust liegt. Wird nun ein solcher Käfer auf den Rücken gelegt, so stemmt er den hintern Teil seines Hinterleibes und den vordern seines Brustschildes derart gegen die Unterlage, daß er wie geknickt erscheint und den Boden nur an zwei Punkten berührt; dabei ist der Bruststachel aus seiner Grube heraus an den Rand der Mittelbrust getreten. Jetzt drückt der Käfer mit großer Muskelkraft denselben plötzlich wieder in die Grube zurück, dadurch erhält der Körper einen Stoß, Hinterleibsspitze und Brustschildvorderteil heben sich plötzlich von der Unterlage, die jetzt von dem Vorderrand der Flügeldecken und dem Hinterrand des Brustschildes mit so bedeutender Gewalt berührt wird, daß der Käfer durch den Rückstoß in die Höhe geworfen wird. Amputiert man den Bruststachel, so hört die Schnellfähigkeit auf. Eine der gemeinsten deutschen Arten ist der Saatschnellkäfer (s. d., Agriotis lineatus, Tafel: Insekten I, Fig. 14). Schnellkraft, soviel wie Elasticität. Schnellläufer, Käfer, s. Elateriden. engl. soft solder), eine leicht schmelzende Legierung zum Löten (s. d.). Schnellpresse nennt man eine Druckmaschine, welche im Gegensatz von den Handpressen durch eine mechan. Betriebskraft in Bewegung gesetzt wird, die Form selbstthätig färbt und den mit der Hand eingelegten Bogen bedruckt und auslegt. Schon 1790 nahm der Engländer Will. Nicholson das Patent auf eine S., brachte dieselbe aber nie zur Ausführung. Dies gelang erst dem deutschen Buchdrucker Friedrich König (s. d.), welcher im Verein mit Friedr. Andr. Bauer in London 29. März 1810 das erste Patent für eine Flachdruckpresse (mit Tiegeldruck) nahm, dann die erste einfache Cylinderdruckmaschine (patentiert 30. Okt. 1811) erfand, welcher bald darauf die doppelte Cylindermaschine (1814), sowie der Fortschritt zum Druck auf beiden Seiten folgte. Als weitere Verbesserungen gingen hieraus die Schön- und Wiederdruckmaschine, die verbesserte einfache Druckmaschine und die verbesserte Doppelmaschine hervor. Die Fabrik von König und Bauer wurde 1817 nach Oberzell bei Würzburg verlegt; andere Fabriken in Deutschland errichteten Helbig und Müller in Wien, Schuhmacher in Hamburg, Sigl in Berlin, Reichenbach in Augsburg (Augsburger Maschinenfabrik), Klein, Forst und Bohn Nachfolger in Johannisberg am Rhein. Die einfache S. führt, einmal zugerichtet, unter Bedienung von einem Burschen oder Mädchen, die Arbeiten von zwei geübten Druckern mit mehr als fünffacher Schnelligkeit aus. Die Maschine scheidet sich in drei Hauptteile: in das Fundament, den Druckcylinder und das Farbewerk. Auf dem Fundament, einer vollkommen ebenen eisernen Platte, welche durch den Mechanismus der Maschine eine regelmäßig wagerecht hin- und hergehende Bewegung erhält, liegt die Form, d. h. die zu einer Seite des Druckbogens gehörigen, fest aneinander gefügten Lettern. Über dieser Form, auf der Mitte ihres Weges, befindet sich der Druckcylinder, eine große eiserne, mit Papier und Stoff überzogene Walze, welche, durch Eingreifen in eine am Fundament befestigte Zahnstange, eine mit der Bewegungsgeschwindigkeit der Form genau Schritt haltende drehende Bewegung erhält, die aber nur so lange andauert, als die Form sich in hingehender Bewegung unter dem Druckeylinder befindet, während letzterer für den Rückgang festgestellt wird. über diesen Cylinder und einige hölzerne Nebenwalzen gehen Leitbänder, dazu bestimmt, den zu bedruckenden Bogen auf den Cylinder und nach erfolgtem Druck wieder abzuführen. Vor dem Cylinder steht der Schwärzapparat. Derselbe besteht aus einer eisernen Farbewalze, welche von einem Farbebehälter bei jedem Spiel der Maschine etwas Farbe an mehrere Verteilungswalzen abgibt. Durch die umdrehende Bewegung der sämtlichen Walzen, welche bei einigen mit einer seitlich hin-und hergehenden Bewegung verbunden ist, verteilt sich, da alle Walzen unter sich und mit der Hauptwalze in Berührung stehen, die Farbe nach und nach immer gleichmäßiger, bis sie endlich als eine ganz gleichmäßige Schicht auf zwei mit elastischer Komposition überzogene Holzwalzen und von da auf die Letternform übertragen wird. Wenn der Druck eines Bogens vor sich gehen soll, so steht die Form am Anfange ihrer Bahn. Während sich die Maschine in Bewegung setzt, legt ein Bursche oder ein Mädchen an bestimmte Marken auf den Druckcylinder einen Bogen Papier an, welcher durch die Greifer des Druckcylinders erfaßt und von diesem der Form zugeführt wird. Unterdes ist die Form unter dem Schwärzapparat durchgegangen, hat dort von den Schwärzwalzen die nötige Farbe gleichmäßig verteilt empfangen und langt unter dem Druckcylinder gleichzeitig mit dem zu druckenden Bogen an. Letzterer empfängt nun während des Durchgangs zwischen Cylinder und Form den Abdruck und wird, nach vollendetem Druck und während die Form noch weiter über den Druckcylinder hinausgeht, durch Leitbänder zu einer Tafel am Ende der Maschine geführt, wo ihn eine zweite Person abnimmt und zur Seite legt. Das Ablegen der bedruckten Bogen kann durch einen mechan. Auslegeapparat auch von der Maschine selbstthätig bewirkt werden. Die Form beginnt hierauf ihren Rückgang. Der Druckcylinder läßt dieselbe während seines Stillstandes unter sich durchgehen, und sie gelangt so wieder an den Ausgangspunkt, um dasselbe Spiel zu wiederholen. Eine solche einfach wirkende Maschine liefert 1000 —1400 Abdrücke in der Stunde und bedruckt den Bogen nur auf einer Seite. Sehr bald kam man aber auf den Gedanken, Doppelschnellpressen zu konstruieren. Die jetzt gebräuchlichsten bedrucken mit zwei Druckcylindern von einer Form etwa 2400 Bogen pro Stunde; dabei sind außer dem Maschinenmeister nur zwei Anleger erforderlich. Außerdem brachte man es auch dahin, sog. vollständige oder Komplettmaschinen herzustellen, welche den Bogen umschlagen, auf beiden Seiten bedrucken und so 900 — 1000 Bogen in der Stunde auf beiden Seiten bedruckt liefern. Bei dieser Einrichtung leidet jedoch die Schönheit des Abdrucks durch das unvermeidliche Abschwärzen des Wiederdrucks. Man hat, um dies zu verhindern, die weitere Einrichtung getroffen, daß gleichzeitig mit jedem weißen Bogen ein Makulaturbogen mit durch die Maschine geleitet wird, welcher sich beim Wiederdruck auf den Druckcylinder unter den noch feuchten ersten Abdruck legt und hierdurch das Abschwärzen für den folgenden Bogen verhütet. Der Mechanismus und Betrieb der Maschine wird jedoch durch jene Einrichtung sehr zusammengesetzt und kostspielig, daher die Komplettmaschinen weniger in Gebrauch gekommen sind, als sich anfangs erwarten ließ. Außer der beschriebenen sog. Cylinderfärbung, also der Verreibung der Farbe mittels Cylindern, benutzt man noch die Tischfärbung. Diese besonders in Frankreich, England und Amerika beliebte Verreibungsweise erfolgt derart, daß eine Kompositionswalze die Farbe vom Farbekasten und dessen Metallcylinder aus entnimmt, sie auf eine am Fundament angebrachte eiserne Tischplatte überträgt und im Verein mit einer Anzahl Reibwalzen verreibt. Der mit dem Fundament hin- und herbewegte Tisch überträgt dann die bestens verriebene Farbe auf die Auftragwalzen und diese sie auf die Druckform. In der Neuzeit haben die Schnellpressenfabriken ihr Augenmerk hauptsächlich darauf richten müssen, die Verreibung und Auftragung der Farbe zu einer höhern Vollkommenheit zu bringen, damit man auf den Maschinen auch Illustrationen in Holzschnitt, Kupfer oder Zinkätzung wie auch Farbendruck ohne Schwierigkeit ausführen kann. Diese Anforderungen führten zur Herstellung der sog. übersetzten, neuerdings sogar zu einer Doppelfärbung, denn die Maschinen erhalten zwei kombinierte Farbenwerke, die dann auch ein vorzügliches Drucken von Illustrationen und buntfarbigen Formen ermöglichen. Fig. 1 der Tafel: Schnellpressen zeigt eine Maschine mit Kreisbewegung und solcher Doppelfärbung, die oft auch noch durch zwei weitere Auftragwalzen (also insgesamt vier) vervollständigt und so zu höchster Leistungsfähigkeit gebracht wird. In gleicher Weise mußte den Anforderungen an schnelle, einfache und billige Herstellung der sog. Accidenzen, das sind kleinere Formulare für den kaufmännischen, gewerblichen und behördlichen Gebrauch (Rechnungen, Cirkulare, Adreßkarten, Tabellen u. s. w.) Rechnung getragen werden, denn das Drucken solcher Arbeiten auf den großen Schnellpressen zeigte sich als nicht rentabel. Dieses führte zunächst zur Einführung der höchst einfachen, billigen, dabei sehr leistungsfähigen amerikanischen Tiegeldruckschnellpressen und zwar war es die auf der Tafel als Fig. 2 abgedruckte Weilersche Presse, welche zuerst Eingang und weite Verbreitung fand. Sie druckt, durch Treten von einem Knaben oder einem Mädchen bewegt und bedient, je nach ihrer Größe und übung des Anlegers 800 bis zu 1200 Exemplare und ist ebenso gut für einfachen Schwarzdruck wie für Farbendruck geeignet. Während diese Weilersche Maschine eine sog. Tischfärbungsmaschine ist, weil die Farbenverreibung auf einer runden flachen Eisenplatte vor sich geht, wurden neuerdings auch solche Tiegelpressen aus Amerika eingeführt und nachgebaut, welche eine ähnliche Cylinderverreibung haben, wie die in Deutschland gebräuchlichen, vorstehend beschriebenen großen Schnellpressen. Diese Konstruktion bedingt jedoch die Bettung der Druckform in senkrechter, unbequemer Lage, während sie bei der Weiler-Maschine bequem wagerecht, also leicht zugänglich, gebettet wird. Auch große, jedoch äußerst komplizierte und wenig leistungsfähige Tiegeldruckschnellpressen sind vereinzelt in Gebrauch gekommen und zwar besonders für Banknotendruck. Eine vorzügliche Maschine für den Druck größerer Accidenzen ist auch die Cylindertretschnellpresse, in Form der großen Schnellpressen. Der das Einlegen der Bogen Besorgende steht zur Seite der Maschine und bewegt sie gleichzeitig mittels des dort angebrachten Tritthebels. Die als Fig. 3 abgebildete Cylindertretschnellpresse ist eine solche nach englischem System. Hier wird der Bogen von hinten gegen den Cylinder gelegt, die Maschine auch durch einen hinten angebrachten Tritthebel bewegt. Eine große Förderung und Erleichterung fand der Farbendruck durch die Konstruktion der sog. Zweifarbendruckschnellpresse (Fig. 4); diese druckt von zwei ineinander passenden, auf zwei Penwore ahin gebetteten Formen, die durch zwei Farbenwerke gespeist werden, einen Bogen in zwei verschiedenen Farben gleichzeitig. Der Bogen wird auf einem an der Maschine enthaltenen Druckcylinder angelegt und auf diesem über beide Formen geführt, so den Druck beider Farben in exaktester Weise ineinander, eventuell auch aufeinander herbeiführend. Da bei der gewöhnlichen S. jeder Bogen von einer Person mit Genauigkeit einzeln angelegt werden muß, so kam man, nachdem man vier⸗ und achtfache, höchst komplizierte und viele Arbeitskräfte erfordernde S. konstruiert und lange Zeit benutzt hatte, auf den allerdings nicht neuen Gedanken, die Maschine selbstthätig durch Zuführung von endlosem Papier zu speisen, wobei dann jeder einzelne Bogen in der Maschine selbst nach erfolgtem Be—⸗ drucken auf beiden Seiten durch einen besondern Schneideapparat in das bestimmte Format zerschnitten, gefalzt oder ungefalzt ausgelegt, und so eine außerordentlich große Leistungsfähigkeit (bis zu 20000 Exemplaren in einer Stunde) erreicht wird. Auf mehrern Maschinen dieser Art (Rotationsschnellpressen) wurde zuerst im J. 1865 die „Times o in London gedruckt; seit 1873 auch die wiener «Presses und eine große Anzahl anderer Zeitungen von starker Auflage. Neuerdings ist die Benutzung der Rotationsmaschine durch praktische, einfache Konstruktion und billigern Preis eine noch größere geworden, denn alle Zeitungen und Werke mit großen Auflagen — auch das vorliegende Con-⸗ versations-Lexikon — werden auf solchen Maschinen gedruckt. Man benutzt dieses System auch, um mehrfarbigen Druck und Illustrationsdruck auszuführen. Eine Ansicht dieser Maschinen und zwar tionsdruck gibt Fig. 5. Mit günstigem Erfolge hat man in neuester Zeit das System des Cylinderdrucks auch für den Steindruck angewendet. Während bei der gewöhnlichen Steindruckpresse die Pressung durch einen über den Stein hinstreichenden Holzreiber hervorgebracht ward, erfolgt der Druck bei der Steindruckschnellpresse durch einen auf Federn elastisch gelagerten Druckcylinder. Der zum Abdruck bestimmte, auf dem Fundament gelagerte Stein kann durch einen Schraubenmechanismus höher oder tiefer gestellt werden, da die Stärke der Pressung je nach der Dicke des Steins reguliert werden muß. Die Farbe wird in ähnlicher Weise wie bei der gewöhnlichen S. durch fünf bis sechs mit Leder überzogene Walzen aufgetragen. Doch kommt hier noch eine weitere Operation in Betracht, indem die Oberfläche des Steins durch einen sog. Wischapparat stets mit Wasser angefeuchtet werden muß, um ein vollständiges Haften der Farbe an der Steinzeichnung zu ermöglichen. Die erste lithographische S. wurde von Sigl in Berlin erbaut. Später haben die Mechaniker Voirin und Dupuy zu Paris, in Deutschland aber König und Bauer in Oberzell, Klein, Forst und Bohn Nachf. in Johannisberg am Rhein, Sigl in Berlin, Schmiers, Werner und Stein in Leipzig, Faber und Schleicher in Offenbach u. a. diese Maschine noch wesentlich vervollkommnet. Eine Ansicht derselben gibt Fig.6. Auch der Lichtdruck wird jetzt auf S. ausgeführt, die jenen für Steindruck ganz ähnlich sind, nur daß sie einige besondere, dem Zwecke entsprechende Einrichtungen haben. Fig. 7 zeigt eine solche Lichtdruckschnellpresse. Schließlich sei noch auf den jetzt in Anwendung kommenden Satinierkalander hingewiesen. Während man früher das zu verdruckende Papier in einzelnen Bogen zwischen Zinkplatten legte und es zwischen den zwei Eisenwalzen einer einfachen Satiniermaschine durchdrehte, um so eine glatte Oberfläche zu erzielen, läßt man es gegenwärtig auf den Doppelsatiniermaschinen oder [Kalandern (Fig. 8) in einzelnen Bogen die Harteine schöne, gleichmäßige Glätte auf beiden Seiten erzielend. Vgl. Wittig und Fischer, Die S.y (Lpz. 1861; 3. Aufl. 1878); Bachmann, «Leitfaden für Maschinenmeister an S.» (2. Aufl., Braunschw. 1873); Waldow, «Die Buchdruckerkunsto (Bd. 2, 4Vom Drucko', Lpz. 1877); Künzel, «Die S.» (Lpz. 1872); derselbe, «Zurichtung und Druck von Illustrationeno (2. Aufl., Lpz. 1879); Waldow, «Hilfsbuch für Maschinenmeister an S.v (Lpz. 1886).