Scholle oder Plattfisch (Pleuronectes) heißt eine durch die ganz eigentümliche, unsymmetrische Form des Körpers von allen andern Fischen leicht zu unterscheidende Familie der Knochenfische. Der Körper ist nämlich von den Seiten her platt zusammengedrückt, aber auf der einen Seite dunkler, auf der andern heller, und der Kopf so sonderbar verdreht, daß beide Augen auf die dunklere Seite zu stehen kommen und das Maul schief ist. Den Rücken bildet eine scharfe Kante, welche mit einer auf dem Schädel beginnenden und bis zur Schwanzflosse fortlaufenden Flosse (Rückenflosse) besetzt ist, und der Bauch ist der entgegengesetzte Rand, welcher von der Afterflosse ganz eingefaßt wird. Brust- und Bauchflosse stehen an ihrer richtigen Stelle auf verschiedenen Seiten. Die S. besitzen keine Schwimmblase und verbringen die meiste Zeit auf dem Schlamme oder Sande des Bodens liegend,‚ wobei sie die dunklere, augentragende Seite nach oben richten und so auf ihre Beute lauern. Nur wenn die S. aufgestört wird, richtet sie ihren Körper vertikal und schießt eine Strecke pfeilschnell fort, geht dann in langsame, wellenförmige Bewegung über und senkt sich endlich wieder auf den Boden nieder. Der Rumpf besteht wesentlich aus dem Schwanze, da die Eingeweidehöhle unmittelbar hinter dem Kopfe nur einen kleinen Raum einnimmt und der After unter der Kehle liegt. Alle Fische dieser Familie leben im Meere; doch kommen einige auch in das Wasser großer Flußmündungen, und der Flunder steigt die Flüsse so weit hinauf, daß er schon bei Trier in der Mosel, bei Mainz im Rhein und bei Klingenberg in Franken im Main gefangen wurde. Sie halten sich meist in Gesellschaften zusammen, haben ein sehr zähes Leben und ein meist sehr wohlschmeckendes Fleisch, das eine gesunde un angenehme Nahrung abgibt. Einige gehören sogar zu den leckersten Seefischen. Die größte Zahl der Arten findet sich in den gemäßigten Breiten. Nach den Flossen und Zähnen zerfallen die S. in mehrere Gattungen. Die eigentliche Gattung S. PPlatessa) hat einen ovalen oder fast rautenförmigen Körper, Rücken⸗ und Afterflosse reichen nicht ganz bis zur Schwanzflosse, die Augen stehen meist auf der rechten Seite und die Zähne sind stumpf-schneidend. Zu ihr gehört der Flunder (Pleuronectes Elesus, Tafel: Fische, Fig. 10), welcher an den Küsten der Nordsee und eines Teils der Ostsee außerordentlich zahlreich, 31—72 em lang und auf grünlichgelbem Grunde schwarz gefleckt ist. Da er ein zähes Leben hat, so kann er ziemlich weit landeinwärts transportiert werden. Er wird nicht allein frisch, sondern auch geräuchert genossen; doch ist sein Fleisch minder schmackhaft als das mancher andern Plattfische. Ihm ähnlich ist der im Nordischen Meere wohnende Platteis oder die gemeine Scholle (P. platessa, Fig. 9), welche auf braunem Grunde rot gefleckt ist und 4—7 Höcker hinter den Augen und ein zarteres, wohlschmeckenderes Fleisch besitzt. Sie wird gesalzen und getrocknet. Die in der Nord- und Ostsee lebende Kliesche (P. Limanda, Fig. 11) ist wie eine Feile rauh, 21—26 em lang und nur hier und da durch Wohlgeschmack und Zartheit des Fleisches ausgezeichnet, aber seltener. Die Pole (P. cynoglossa) an den westafrik. Küsten zeichnet sich durch ansehnliche Größe und verwaschene Marmorierung auf gelbbraunem Grunde aus. Die Gattung Butt (Rhombus) ist von der vorigen durch hechelförmige, spitzige Zähne und die meistens auf der linken Seite stehenden Augen verschieden. Der in der Nord-⸗ und Ostsee, aber auch im Mittelmeer lebende, durch einzelne rauhe Schuppenbuckel leicht kenntliche Steinbutt oder Turbot (Rhombus maximus) war schon bei den alten Griechen und Römern bekannt und ist stets geschätzt worden. Gewöhnlich wiegt er 2,5 bis 5 kg; doch sind auch schon Exemplare von 75, ja selbst von 80 kg gefangen worden. Noch größer, als die vorige Art gewöhnlich, ist der in großen Tiefen der Nordsee vorkommende Heiligbutt (R. hippoglossus), der 2—2,5 m, ja selbst bis 4 m lang werden soll. Er ist sehr fett und wird eingepökelt den Heringen vorgezogen. Der Glattbutt (R. vulgaris) ist noch gemeiner als der Steinbutt, aber bei weitem nicht von gleichem Wohlgeschmack. Er ist völlig glatt und seine dunklere Seite braun und gelb marmoriert. Die Gattung Sohle (Solea) hat eine längliche, zungenförmige Gestalt, und die Rücken- und Afterflosse reichen völlig bis zur Schwanzflosse. Zu ihr gehört die an den meisten Küsten Europas lebende gemeine Zunge (8S. vulgaris), welche treffliches Fleisch hat.