Schnepfe ist die Bezeichnung einer in mehrere Unterabteilungen zerfallenden Familie (Scolopaciden) von Sumpf⸗ oder Wadvögeln (Grallatores), die charakterisiert ist durch einen zusammengedrückten Kopf, große weit nach hinten liegende Augen, einen ziemlich langen Schnabel, der vor den schmal ritzenförmigen, im letzten Stirnwinkel desselben gelegenen Nasenlöchern linear ausgezogen und um die Nasenlöcher weder verengt noch eingedrückt ist, eine dicht über dem Kieferrande verlaufende Riefe als Verlängerung der Nasengrube, meist abgerundete Flügel und Wadfüße mit vier freistehenden Zehen. Die zu dieser Familie gehörenden Vögel haben ein mehr oder weniger braunes, teils licht, teils dunkel gefärbtes, geflocktes oder gebändertes Gefieder, sie sind teils Zug-, teils Strichvögel. Ihre Nahrung besteht aus Insekten, Mollusken, Würmern, die sie aus sumpfigem und schlammigem Boden hervorholen. Die S. sind meist nächtliche Tiere, leben paarweise, sind Bodennister und legen gelblich oder grünlichweiße braungefleckte Eier. Die hauptsächlichsten in Deutschland vorkommenden Gattungen dieser Familie sind: 1) Waldschnepfe (Scolopax rusticola). Der schmutzig fleischfarbene Oberschnabel ist etwas länger als der grünlichgelbe untere, biegsam, vorn kolbenartig erweitert, nervenreich und daher sehr empfindlich. Der Oberrücken ist rotbraun, teilweis fein punktiert mit feinen schwarzen Querbinden, der Bauch gelblichweiß, dunkelbraun, leicht durchwellt. Diese S. wird 28—32 em lang, zieht im Frühjahr aus dem Süden (Schnepfenstrich) nach Nordeuropa, wo sie brütet, und kehrt im Herbst (Schnepfenzug) wieder in die wärmern Länder, vorzüglich nach Nordafrika zurück. Sie ziehen meistens nur nachts, vorzüglich bei Mondenschein, und halten sich tags über in feuchten lichten Waldungen, jungen Birkenbeständen u. dgl. auf. Da das Wildbret der S. sehr fein und wohlschmeckend ist, so wird ihnen eifrig sowohl mit Flinten, als Fangen mit Schlingen und Netzen nachgestellt. Obgleich die Gedärme der S. in der Regel eine große Menge von Eingeweidewürmern enthalten, so werden sie doch zusammengehackt, mit Gewürzen versetzt auf Brotschnitten gebacken, als Leckerbissen genossen. 2) Sumpf schnepfen oder Becassinen (s. d.). 3) Pfuhlschnepfen (Limosa), von denen in Deutschland drei Arten vorkommen. Die größte, Limosa aegocephala, ist besonders im Sommer häufig in Holland zu finden, wo ihre Eier als Leckerbissen gelten. Nach Deutschland kommt sie im Herbst in geringzähligen Flügen. Zur Familie der S. gehören auch: die Avocette (Recurvirostra), die Strandreuter (Himantopus), die Wasserläufer (Totanus), die artenreiche Gattung Strandläufer (Tringa), die Kampfhahne (Machetes), die alle in Deutschland vorkommen, u. a. m.