FeedSchomburgk (Sir Rob. Herm.)
HeilkundeBrockhaus 1882

Schomburgk (Sir Rob. Herm.), berühmter Reisender, geb. 5. Juni 1804 zu Freiburg an der Unstrut, erlernte die Handlung in Naumburg, ging 1829 nach den Vereinigten Staaten und von da 1830 nach Westindien, wo er sich längere Zeit auf Anegada aufhielt. Veranlaßt durch die ihm eigene Wißbegier und aufgemuntert durch den engl. Gouverneur, erforschte er diese kleine Insel in allen Beziehungen, trug namentlich zur genauern Kenntnis der für die Schiffahrt gefährlichen Untiefen bei und legte seine Arbeit der londoner Geographischen Gesellschaft vor. Im J. 1834 wurde eine wissenschaftliche Expedition nach dem brit. Guaiana beschlossen, wozu ihn die Geographische Gesellschaft und einige Freunde der Botanik mit den nötigen Mitteln ausrüsteten. Durch den Schutz der Kolonialregierung ward es ihm möglich gemacht, große Entdeckungsreisen in das Innere jenes früher sehr wenig bekannten Landes zu unternehmen, und nach vierjähriger ergebnisreicher Thätigkeit kehrte er im Juni 1839 nach Georgetown und von dort nach Europa zurück. Die Resultate seiner Forschungen legte er in der Description of Britisbh Guiana, geographical and statisticals (Lond. 1840; deutsch von Otto Schomburgk, Magdeb. 1841), in dem Prachtwerke Views in the interior of Guianao (Lond. 1840) und in Berichten an die Geographische Gesellschaft in London nieder, die von seinem Bruder Otto unter dem Titel «Reisen in Guiana und am Orinoco 1835—39 (Lpz. 1841) mit einem Vorwort A. von Humboldts deutsch herausgegeben wurden. Fast alle Zweige der Naturkunde sind dadurch bereichert worden. Die von ihm gemachten zoolog. und botan. Sammlungen, welche er dem Britischen Museum übersandte, boten eine außerordentlich große Anzahl neuer Formen dar; zu letztern gehörten die Victoria und Elisabetha regia. Den Hauptzweck des Unternehmens, die astron. Verbindung des Litorale des brit. Guaiana mit den östlichsten, von Humboldt bestimmten Punkten des Oberorinoco löste S. zu so allgemeiner Zufriedenheit, daß er 1840 von der brit. Regierung an die Spitze einer Kommission gestellt ward, welche die Grenzen zwischen Guaiana und Brasilien vermessen und zugleich noch fernere geogr. und ethnogr. Untersuchungen vornehmen sollte. Nach einem kurzen Ausfluge in seine Heimat schiffte er sich 19. Dez. 1840 abermals nach Südamerika ein und landete 22. Jan. 1841 in Georgetown. über drei Jahre brachte er mit der höchst mühsamen Grenzregulation zu, bereiste hierbei von neuem das ganze Land von den Mündungen des Orinoco und Essequibo bis in die Gebirge des Innern und traf im Juni 1844 wieder in England ein. Als Anerkennung seiner Verdienste ward er von der Königin zum Ritter geschlagen und erhielt eine Anstellung im Staatsdienst; die londoner Geographische Gesellschaft hatte ihm ihre große goldene Medaille verliehen. Nachdem er noch auf Grund früher gesammelter Materialien eine Mistory of Barbadoeso (Lond. 1847) veröffentlicht und für die Hakluyt-Society das Werk (The discovery of the empire of Guiana by Sir W. Raleiglo (Lond. 1848) herausgegeben, ward er im Aug. 1848 zum brit. Konsul und Geschäftsträger bei der Republik Santo-⸗Domingo ernannt, wo er im Mai 1850 einen für England vorteilhaften Handelsvertrag zu Stande brachte und den Frieden mit dem Kaifer Soulouque vermittelte. Im J. 1857 als Generalkonsul für Siam nach Bangkok versetzt, unternahm er dort mehrere Reisen, infolge deren er über Santo-Domingo wie über Siam im Journal of the R. Geographical Societyp interessante Berichte veröffentlichte. Er kehrte im April 1864 krank nach Europa zurück und starb 11. März 1865 in Schöneberg bei Berlin. Otto S., Bruder des vorigen, geb. 28. Aug. 1810 zu Voigtstädt, studierte in Halle Theologie, wandte sich dann den Naturwissenschaften zu, mußte aber wegen Teilnahme an burschenschaftlichen Verbindungen eine mehrjährige Haft in der Festung Magdeburg erleiden. Er hatte sich unterdessen mit der Bearbeitung der Werke seines Bruders für das deutsche Publikum beschäftigt und gab hierauf seit 1846 mit Froriep die Zeitschrift Fortschritte der Geographie und Naturwissenschafte heraus. Nach der Märzrevolution entschloß er sich, bei den veränderten polit. Umständen 1849 nach Australien auszuwandern, von wo er 1853 an die londoner Geographische Gesellschaft interessante, im Journal derselben veröffentlichte meteorolog. Beobachtungen über Australien einsandte; er starb 16. Aug. 1857 als Geistlicher und Friedensrichter zu Buchsfelde in Südaustralien. Moritz Richard S., der dritte Bruder, geb. 5. Okt. 1811 zu Freiburg an der Unstrut, unternahm als Botaniker 1840 in Begleitung Roberts auf Kosten des Königs von Preußen die Reise nach Guaiana, deren Beschreibung (Reisen in Britisch-Guiana in den J. 1840—445, 3 Bde., Lpz. 1847 —48) wertvolle Mitteilungen über Fauna, Flora und Bewohner dieses Landes enthält. Von seinen reichhaltigen naturhistor. Sammlungen gelang es ihm jedoch nur einen kleinen Teil glücklich nach Europa zu bringen. Im J. 1849 ging er nach Australien, wohin auch der vierte Bruder, Julius, später folgte. Seit 1865 ist Richard S. Direktor des botan. Gartens zu Adelaide.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 459Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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