Seemann (Berthold), Reisender und Naturforscher, geb. 28. Febr. 1825 zu Hannover, besuchte das Lyceum seiner Vaterstadt und widmete sich schon frühzeitig dem Studium der Naturwissenschaften, insbesondere der Botanik und Anthropologie. Bereits 1846 wurde er von der brit. Admiralität als Naturforscher der Expedition des Herald beigegeben, welcher mit Aufnahmen im Großen Ocean beschäftigt war. Im August desselben Jahres schiffte sich S. in England ein, besuchte Madeira und Westindien und ging dann von Chagres über den Isthmus nach Panama. Hier durchforschte er das Isthmusgebiet, sammelte viele neue Pflanzen und Tiere und fand merkwürdige Altertümer in Veraguas auf. Seit Anfang 1848 besuchte er vom Herald aus zuerst die Anden von Peru und Ecuador, dann mehrere Staaten des westl. Mexiko. Während der folgenden Jahre machte er mit dem Herald drei Expeditionen durch die Beringsstraße nach den arktischen Meeren und sammelte während derselben das Material zu einer vollständigen Flora des äußersten Nordwesten von Amerika, sowie für die Ethnographie der Eskimos. Im J. 1850 kehrte S. mit dem Expeditionsschiff über die Sandwichinseln, Hongkong, Singapore, Kapstadt, St. Helena und Ascension nach Europa zurück und traf im Juni 1851 wieder in London ein. Er berichtete zunächst über seine Reisen in dem Werke Narrative of the voyage of H. M. S. Herald and three cruises to the arctic regions in search of Sir John Franklind (Lond. 1852; deutsch, 2 Bde., Hannov. 1853; 2. Aufl. 1858), und bearbeitete dann die botan. Ergebnisse in einem Prachtwerke (Lond. 1852 — 57). Inzwischen hatte er 1853 die botan. Zeitschrift „Bonplandia gegründet, die erst in Hannover, 1864 —71 aber in London als Journal of British and foreign Botanyy (8 Bde.) erschien. Im Febr. 1860 ging S. über Agypten und Mauritius abermals nach der Südsee, besuchte zunächst Sydney und Melbourne, wandte sich aber dann nach den Fidschi-Inseln, die er im Auftrage der engl. Regierung nach allen Seiten hin durchforschte. Nach der Rückkehr veröffentlichte er zunächst das interessante Werk «Viti, an account of a government mission to the Vitian or Fijian Islandso (Lond. 1862), welchem dann die «Flora Vitiensiso (Lond. 1862 fg., mit 100 Tafeln) folgte. Nachdem S. 1864 im Auftrage einiger franz. und holländ. Kapitalisten einen Teil von Venezuela bereist, wandte er sich 1865 wiederum nach Centralamerika, wo er namentlich Nicaragua durchforschte und die Javali, die reichste Gold- und Silbermine des centralen Amerika, ankaufte. Im Sommer 1866 kehrte S. zwar nach Europa zurück, doch ging er im Spätherbst desselben Jahres abermals nach Nicaragua, um daselbst die erwähnte Mine in Besitz zu nehmen und dieselbe auf sechs Monate als provisorischer Direktor zu verwalten. Nach seiner Ankunft in England (Juni 1867) gab er das Werk «Dottings of the roadside (Lond. 1868) heraus, eine Erweiterung der brieflichen Berichte, die er über seine Reisen an das Athenaeum gerichtet hatte. Im Herbst 1867 reiste er wieder nach Centralamerika, kam 1869 nach London zurück und begab sich im Mai 1870 abermals nach Nicaragua, wo er 10. Okt. 1871 zu Javali starb. Von S.s übrigen Schriften sind noch zu nennen: «Die in Europa eingeführten Akazieno (Hannov. 1852), Popular history of the palmso (Lond. 1856; deutsch von Bolle, Lpz. 1857; 2. Aufl. 1863), die Erläuterungen zu Hartinger's „Paradisus Vindobonensiso (Wien 1847 fg.), The popular nomenclature of the American flora (Hannov. 1851), &The history of the Isthums of Panama (2. Aufl., Panama 1867).