FeedSchongauer
Bildende KunstBrockhaus 1882

Schongauer (Martin, auch Martin Schön, Hübsch Martin, von den Italienern Bel Martino genannt), der wichtigste Maler der oberdeutschen Schule des 15. Jahrh., ist nach seinen Lebensumständen nur wenig, desto mehr aber nach seinen Werken bekannt; als seine Geburtsstätte gibt man Ulm, Augsburg, auch Colmar an. Als sein Lehrer wird Lupert Rust genannt; wichtiger aber war wohl die Einwirkung der altflandr. Schule auf ihn, welche er nach neuerer Annahme unter Rogier von der Weyden dem Ältern an Ort und Stelle kennen lernte. In Colmar seit der Mitte des 15. Jahrh. angesessen, wurde er durch seine Gemälde und Kupferstiche weit und breit berühmt, gründete eine zahlreiche Schule, zu der seine Brüder und Verwandten gehörten, und starb in Colmar 1488. Seine Arbeiten gingen viel über die Alpen und nach Spanien, sind aber nur spärlich als echt nachzuweisen. Pietro Perugino soll mit ihm in freundschaftlicher Verbindung gestanden haben; Michel Angelo kopierte in seiner Jugend den von S. verfertigten Kupferstich: Sankt Antons Versuchung. Zwar hat er den Realismus, wie ihn zuerst die van Eycks ausgebildet, schon ganz in sich aufgenommen, doch geht er nicht so sehr auf das Einzelnste ein und bezeichnet z. B. die Stoffe nicht, deutet die landschaftlichen Hintergründe nur an, faltet die Gewänder manierierter und verfährt auch im Kolorit minder energisch. Sein vorzüglichstes Werk ist die Muttergottes im Rosenhag (jetzt im Querschiff des Münsters zu Colmar und sehr übermalt), fast mehr als lebensgroß, eins der vorzüglichsten Werke der alten deutschen Kunst. Als Kupferstecher nimmt S. einen sehr hohen Rang ein. Hier besonders hat er oft in großen, figurenreichen Kompositionen eine hohe Begabung als Historienmaler an den Tag gelegt, wie z. B. in der Jakobsschlacht, der Kreuztragung und der Passion. Die Technik des Stichs ist bei aller Zartheit doch frei und kräftig. Nicht zu verwechseln ist S. mit dem niederrhein. Meister E. S.v. Vgl. von Wurzbach, (Martin S. (Wien 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 466Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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