FeedSchreibfedern
TechnikBrockhaus 1882

Schreibfedern waren früher ausschließlich die angespitzten Spulen der Federn von Gänsen und anderm Geflügel, während seit Ende des dritten Decenniums des 19. Jahrh. die aus dünnem Stahlblech angefertigten Stahlfedern in Gebrauch gekommen sind und jetzt allgemein benutzt werden. Die Fabrikation derselben geschieht wie folgt: Aus dünnem Stahlblech werden unter einer Presse flache Plättchen in Form der Federn ausgestoßen, dann dieselben mit den Seitenspalten, sowie mit dem Loche versehen, in welches der Schlitz der Feder endigt. Um das bis dahin noch naturharte Material für die weitere Bearbeitung genügend weich zu machen, werden die Plättchen in Eisenkübeln ausgeglüht. Danach wird unter einem Fallwerke die Inschrift in die Feder gestampft, und dann das Plättchen unter demselben Werkzeuge zwischen einem vertieften und einem erhabenen Stempel mittels eines Schlags in die fertige Form geprägt. Die Federn werden jetzt gehärtet, indem man sie in geschlossenen eisernen Gefäßen in backofenähnlichen Ofen rotglühend macht und zur Abkühlung in Ol schüttet. In einer um ihre Achse rotierenden und teilweise mit Sägespänen angefüllten Trommel entfernt man das anhaftende Ol von den Federn, scheuert sie auf gleiche Weise zwischen zerstoßenem Schiefer, Kies und ähnlichem Material, bis sie blank sind, und DOe dann an einer rotierenden Schmirgelscheibe die Oberfläche der Spitze mit einem Querschliff, der früher die Spitze dünner und elastischer machen sollte, jetzt nur noch ein Zierat ist. Die jetzt glasharten Federn werden durch Erhitzen in einer rotierenden Trommel blau oder gelb abgelassen, d. h. ihre Härte wird vermindert. Viele Federn kommen in diesen Farben in den Handel, die grauen unterliegen einem nochmaligen Scheuerscen z Zuletzt wird der Spalt angebracht. Zwichen zwei senkrecht aneinander abfallenden Stempeln wird die Spitze der Feder so auf den untersten Stempel gelegt, daß sie der Länge nach halb übersteht. In schneller erlechende Häiste des Oberstempels wird die überstehende Hälfte von der andern getrennt und springt infolge schnellen Rückgangs des Oberstempels und vermöge der Clasticität wieder in ihre gerade Stellung zurück. Zum Schutze gegen Rost werden die Federn meist mit einem Lack, auch wohl mit einem galvanischen Metallüberzuge versehen. Goldfedern mit harter Iridiumspitze haben den Vorzug, daß sie von der Tinte nicht angegriffen werden. Man unterscheidet Stahlfedern mit elastischer Spitze, welche bei Grundstrichen der Druckanwendung bedürfen, und S. mit abgestumpfter Spitze, bei welchen die Grundstriche ohne Druckanwendung entstehen. Letztere sind seit neuester Zeit durch F. Soennecken in Deutschland zur allgemeinen Anwendung gekommen. Schreibfedern aus Metall wurden schon im 16. Jahrh. in Nürnberg gefertigt, hatten aber, wie alle spätern Versuche, keinen Erfolg, bis man gegen Ende der zwanziger Jahre des 19. Jahrh. die Herstellung in England fabrikmäßig betrieb. Seitdem liefert England den Hauptbedarf für den Weltmarkt. Gegenwärtig finden sich auch Fabriken in Deutschland, Frankreich und Nordamerika.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 493Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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