FeedWachtel-Pfeifflein, Courcaillet
TierreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Wachtel-Pfeifflein, Courcaillet, Jst eine besondere Art von Lock-Pfeifflein, aus Corduan und anderm Leder, und einer beinernen Röhre zusammen gesetzt, womit der Wachtel-Ruff durch blosses Regieren mit den Händen nachgemachet wird. Man nimmt darzu Katzen-Hasen- oder Storchs-Beine, oder in Ermangelung derselben, die Beine von Gänse-Flügeln, macht in der Mitten des Beinleins ein Loch, verstopffet es mit Wachs, und versiehet dasselbe nahe beym Loch mit einem Qver-Höltzlein, damit man pfeiffen und den rechten Ton anstimmen möge. Das Pfeiffen Säcklein wird aus Corduan oder geschmierten angefeuchtetem Leder etwa 2 qver Finger breit geschnitten und zusammen genähet, und über ein rundes, ohngefehr Fingers dickes Holtz gezogen. Dieses Holtz wird, so weit das Köpflein werden soll, bis auf ein weniges um und um abgelöset, und dann mit einem Faden fest angebunden; hierauf schnitzet man ein breites Höltzlein, um darmit zwischen dem Säcklein und runden Holtz, so dergestalt angebunden, daß es ergriffen werden kan, die Falten oder Wachtel zu stossen, damit wird nun die Wachtel gestossen, und mit einem Zwirns-Faden gebunden. Dieser Falten und Wachteln machet man so viel, als das genähte Säcklein ertragen kan, von 6 bis auf 8 oder 12, bindet es fest, lässet es trocken werden, schläget und polieret es aus, wie die Messer-Schmiede die Messer-Scheiden: Denn bindet man das Gebinde auf, drehet das runde Holtz, darüber die Wachtel gebunden, also ab, daß das obere Theil oben am Knöpfflein am Leder bleibet, streicht ein wenig Fett oder Baum-Oel mit einer Feder inwendig hinein, damit das Beutelein geschmeidig werde, und bindet das Pfeifflein mit einem Faden fein dichte dran, damit keine Luft heraus gehet. Hinten an dem Kopf des Beutels wird ein doppelter Zwirns-Faden gedrehet, welcher, wenn man schlagen will, gezogen wird. Jm Schlagen pflegt man das Pfeifflein in der lincken, und das Säcklein oder Beutelein in der rechten Hand zu halten.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 2295–2296Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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