Schubart (Christian Friedr. Daniel), deutscher Dichter, geb. zu Obersontheim in der schwäb. Grafschaft Limburg 26. März 1739, besuchte das Lyceum zu Nördlingen, dann die Schule in Nürnberg und studierte seit 1758 zu Erlangen Theologie. Ein zügelloses Leben stürzte ihn in Schulden, und mit zerrütteter Gesundheit wandte er sich nach Hause. Nachdem er kurze Zeit Hauslehrer gewesen, suchte er in Aalen, wo sein Vater Diakonus war, und in der Umgegend seinen Lebensunterhalt durch Predigen für dortige Geistliche zu verdienen. Nachher wurde er Präceptor in Geißlingen. Musikalisch hochbegabt, wurde er 1768 Musikdirektor und Organist in Ludwigsburg, überließ sich aber immer größern Ausschweifungen, weshalb er eine Zeit lang ins Gefängnis kam. Wegen eines satirischen Liedes auf einen Höfling und wegen einer Parodie der Litanei wurde er endlich seines Amtes für verlustig erklärt und des Landes verwiesen. Er begab sich zunächst nach Heilbronn, dann nach Heidelberg, Mannheim, München und Augsburg, wo er seine „Deutsche Chroniky (1774 —78) schrieb. Er gab Unterricht in der Musik und in den Wissenschaften, schrieb und dichtete und hielt Lesekonzerte, in denen er die neuesten Stücke der deutschen Dichter mit dem größten Beifall deklamierte. Wegen seiner Ausschweifungen und seiner Angriffe auf die Geistlichkeit auch aus Augsburg ausgewiesen, ging er nach Ulm und setzte dort seine «Chronik' fort, wurde aber zu Blaubeuren 22. Jan. 1777 auf landesherrlichen Befehl verhaftet und auf die Festung Hohenasperg gebracht. Der Festungskommandant Rieger teilte ihm Bücher mystischen und theosophischen Inhalts mit, und der durch Ausschweifungen entnervte, von Leiden niedergedrückte, zur Phen. chondrie geneigte und mit einer glühenden Phantasie begabte S. wurde für das Mystische gestimmt. Zwar erleichterte man 1778 seine Gefangenschaft etwas; allein erst nachdem er zehn Jahre ohne Verhör im Kerker gesessen, kam er auf die Fürbitte des Königs von Preußen 1787 wieder auf freien Fuß und wurde zum Direktor der herzogl. Hofmusik und des Theaters zu Stuttgart ernannt. Noch im Gefängnis hatte er seine 4Sämtlichen Gedichte v (2 Bde., Stuttg. 1785—86; neueste Ausg. 1842; histor.⸗kritische Ausg. von G. Hauff, 1884, in Reclams «Universal-Bibliotheko) herausgegeben. In Stuttgart setzte er seine Deutsche Chronik v unter dem Titel «Vaterlandschroniko fort; auch gab er hier seine musikalischen Arbeiten und seine Lebensbeschreibung (2 Bde., Stuttg. 1791 — 93) heraus. Noch vor Beendigung der letztern starb er 10. Okt. 1791. Seine Gedichte können durchaus nicht als klassisch gelten, da in den meisten viel Formloses, Schwülstiges, selbst Rohes vorkommt; einzelne treffen jedoch den Volkston in hohem Grade. Einige seiner religiösen Gedichte und die erhabenen Dichtungen «Die Fürstengruft v und Hymnus auf Friedrich d. Gr. » verdienen große Anerkennung. Weit mehr hat S. durch die Anregungen, die von ihm ausgingen, gewirkt. Seine «Deutsche Chroniko fand viel Anklang wegen ihres stets gleichmäßigen Humors und ihrer reichen Abwechselung, Einfachheit der Darstellung und schonungslosen Freimütigkeit. In den frühesten Gedichten Schillers, von welchem S. während seiner Kerkerhaft besucht worden war, erinnert vieles an den Gefangenen vom Hohenasperg. Seine „Gesammelten Schriften und Schicksaler erschienen in acht Bänden (Stuttg. 1839—40). Vgl. Strauß, 4«S.s Leben in seinen Briefen » (2 Bde., Berl. 1849. Sein Sohn, Ludwig S., geb. zu Geißlingen 1766, war eine Zeit lang preuß. Legationssekretär und starb 1811. Er übersetzte Thomsons «Jahreszeiten » (Berl. 1789; 3. Aufl. 1805) und bearbeitete nach Shakspeare das Trauerspiel «Othello » (Lpz. 1802) und nach Macpherson 4&Ossians Gedichtev Bde., Wien 1808), schrieb ein Buch über seines Vaters «Charakterv (Erlangen 1798) und gab dessen Ideen zur Asthetik der Tonkunsto (Wien 1806) und (Vermischte Schriften » (2 Bde., Zür. 1812) heraus. Schubart (Joh. Christian), Edler von Kleefeld, ein um die Verbesserung der Landwirtschaft durch Einführung des Kleebaues sehr verdienter Mann, geb. zu Zeitz 24. Febr. 1734, wurde um 1760 Kriegs⸗ und Marschkommissar bei der engl. Hilfsarmee in Berlin, nachdem er eine sehr bewegte Jugend hinter sich hatte, zuerst Leinweber gewesen war und dann verschiedene Stellungen als Kopist und Sekretär innegehabt hatte. In letzterer Eigenschaft machte S. einen Teil des Siebenjährigen Kriegs unter General Werner mit. Für den Freimaurerbund bereiste er dann bis 1767 England, Rußland, Schweden, Dänemark, Holland, die Schweiz, Italien und Deutschland. Im J. 1769 kaufte er das Rittergut Würchwitz bei Zeitz und 1774 noch die beiden Güter Pobles und Kreischa. Hier führte er den Klee⸗, Krapp⸗ und Tabaksbau, sowie das Gipfsen ein. Seinen litterarischen Ruf begründete er durch eine von der Akademie der Wissenschaften zu Berlin gekrönte Preisschrift über den Futterkräuterbau, die er unter dem Titel „Zuruf an alle Bauern, welche Futtermangel leiden » unentgeltlich verteilte. Durch seine energische Propagation ist der Anbau des Klees (Rotklees) in den Betrieb der mitteleurop. Landwirtschaft eingeführt worden, welche dadurch eine vollkommene Umwälzung erlitt. Seine 4Okonomischkameralistischen Schrifteno sammelte er in sechs Bänden (Lpz. 1783—84), denen sich sein «konomischer Briefwechsel (4 Hefte, Lpz. 1786) anschloß. Besonders schnell fanden ihre Lehren in Ssterreich Verbreitung und Anklang, weshalb er 1784 unter Beilegung des Namens «Edler von Kleefeld v vom Kaiser in den Adelsstand erhoben wurde. Er starb 23. April 1787. Vgl. „Johann Christian S., Edler von Kleefeld „ (2. Aufl., Dresd. 1846).