Tartini (Giuseppe), der berühmteste Violinspieler des 18. Jahrh., auch verdienter Komponist und Theoretiker, geb. 12. April w1692 zu Pirano in Istrien, erhielt, während er in Capo-d'Istria das Gymnasium besuchte, den ersten Violinunterricht. Im Alter von 18 J. begann er zu Padua das Studium der Rechte, verheiratete sich heimlich mit einem Mädchen aus der Familie des Kardinals Cornaro (damaligen Bischofs von Padua) und mußte, als die Ehe bekannt wurde, flüchten. Er fand im Minoritenkloster zu Assisi zwei 9 Hel lang heimliche Aufnahme und benutzte diese Zeit zur Ausbildung seines Violinspiels und zu Studien der Theorie des Tonsatzes, unter Leitung des Pater Boémo, Organisten des Klosters. Dann ging er nach Venedig, wo er durch das Spiel des florent. Violinisten Veracini die Mängel seiner eigenen Ausbildung erkannte, sodaß er sich zu weitern Studien 1714 nach Ancona zurückzog. Als fertiger Künstler trat er sodann aus der Zurückgezogenheit hervor und wurde 1721 als erster Geiger bei der Kapelle der Kirche Sant'-Antonio zu Ancona angestellt. Sein Ruf stieg mehr und mehr, und er wurde sogar 1723 zu den Krönungsfeierlichkeiten Kaiser Karls VI. nach Prag berufen, wohin er in Gesellschaft seines Freundes, des Violoncellisten Vandini, ging. Mit diesem blieb er dann zwei Jahre in der Kapelle des kunstsinnigen Grafen Kinsky. Hierauf kehrte er nach Padua zurück und errichtete daselbst 1728 eine berühmt gewordene Musik⸗ und hauptsächlich Violinschule, aus welcher viele trefflichejKünstler hervorgingen. Die Italiener gaben ihm deshalb den ehrenden Beinamen: Maestro delle nazioni. Er starb in Padua 16. Febr. 1770. T. war derjenige, welcher in die Kunst der Bogenführung zuerst System brachte, und im wesentlichen haben seine Grundsätze heute noch Gültigkeit. Von seinen Schülern sind besonders zu nennen: Nardini, Ferrari, Pasqualino Bini und der Franzose Pagin. Auch komponierte T. für sein Instrument fleißig, meist Sonaten und Konzerte; namentlich bekannt ist jetzt noch die sog. Teufelssonate, die infolge eines Traums des Künstlers entstanden sein soll. Ein besonderes System der Harmonie gründete er auf das 1714 von ihm entdeckte Phänomen des sog. edritten Klangso oder Kombinationstons, d. h. des Mitklingens eines tiefern Tons bei Angabe zweier konsonierender höherer Töne. Er entwickelte dieses System, das hart angefochten wurde und mit modernen musikalischen Theorien vielfache Berührungspunkte hat, in Trattato di musica secondo la vera scienza dell' armoniay (Padua 1754) und „De' principj dell' armonia musicale contenuto nel diatonico generes (Padua 1767).