FeedSchubert (Friedr. Wilh.)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Schubert (Friedr. Wilh.), Statistiker und Geschichtschreiber, geb. 20. Mai 1799 zu Königsberg, schloß sich 1815 den freiwilligen Jägern an, mit denen er nach Paris ging. Er studierte dann in Königsberg und habilitierte sich 1820, worauf er 1823 eine außerordentliche Professur und 1826 die ordentliche Professur der Geschichte, Geographie und Staatskunde erhielt. Er wurde 1848 in die Deutsche Nationalversammlung gewählt, wo er sich der sog. Casinofraktion anschloß; im Dez. 1864 wurde er zum lebenslänglichen Mitgliede des preuß. Herrenhauses ernannt. S. starb in Königsberg 21. Juli 1868. S.s Hauptwerk bildet das «Handbuch der allgemeinen Staatskunde von Europa v (Bd. 1, Tl. 1—4; Bd. 2, Tl. 1—3, Königsb. 1835—48). Als praktischer Kommentar für den staatsrechtlichen Teil des Werks ist seine „Sammlung der Verfassungsurkunden und Grundgesetze der Staaten Europas und der nordamerik. Freistaateno (2Bde., Königsb. 1840 —50) zu betrachten. Außerdem besorgte S. mit Rosenkranz die vollständige Ausgabe der «Sämtlichen Werke Kants (12 Bde., Lpz. 1838—42), in deren elftem Bande er die erste ausführliche Biographie Kants zum Teil nach handschriftlichen Quellen lieferte. forscher und Naturphilosoph, geb. 26. April 1780 zu Hohenstein im Schönburgischen, studierte in Leipzig Theologie, dann in Jena Medizin. Nachdem er hierauf zu Altenburg zwei Jahre als Arzt praktiziert, wandte er sich nach Freiberg und 1807 nach Dresden. Aus den hier gehaltenen Vorlefungen entstanden die Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaften» (Dresd. 1808, 4. Aufl. 1840). Schon vorher hatte er die „Ahndungen einer allgemeinen Geschichte des Lebens v (3 Bde., Lpz. 1806 —20) begonnen. In den . 1809 bis 1816 wirkte er als Direktor des Realinstituts zu Nürnberg, worauf er als Lehrer der Kinder des Erbgroßherzogs Friedrich Ludwig von Mecklenburg-Schwerin nach Ludwigslust ging. Nach drei Jahren folgte er einem Rufe als Professor der Naturwissenschaften nach Erlangen, von wo er 1827 nach München in gleicher Eigenschaft übersiedelte. Hier wurde er zum Geheimrat ernannt, in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen und in den Adelsstand erhoben. Er starb 1. Juli 1860 zu Laufzorn bei Grünwald in Oberbayern. S.s wissenschaftliche Bildung wurde zunächst durch die Schellingsche Naturphilosophie bestimmt. Seine philos. Forschungen führten ihn jedoch in das religiöse Gebiet, wo er sich dem Mystizismus zuwandte. Zu seinen wissenschaftlichen Werken gehören, außer den bereits genannten: «Die Urwelt und die Fixsterne v (Dresd. 1822; 2. Aufl. 1839), «Das Weltgebäude, die Erde und die Zeiten des Menschen auf der Erde y (Erlangen 1852), Symbolik des Traums v (Bamb. 1814; 4. Aufl., Lpz. 1862) und die 4Geschichte der Seele (2 Bde., Stuttg. 1830; 5. Aufl. 1878); einen Nachtrag dazu bilden «Die Krankheiten und Störungen der menschlichen Seele» (Stuttg. 1845). Aus seiner mystischen Schwärmerei stammen die Schriften: «Altes und Neues aus dem Gebiete der innern Seelenkunde » (5 Bde., Lpz. u. Erlangen 1817—44); Züge aus dem Leben des Pfarrers Joh. Friedr. Oberlino (4. Aufl., Münch. 1832), (Beschreibung von Claudii de Martelli Errettung in und aus der türk. Gefangenschafto (Erlangen 1825), die «Mitteilungen aus dem Reichey in der „Evang. Kirchenzeitungy. Außerdem sind zu erwähnen: „Wanderbüchlein eines reisenden Gelehrten durch Salzburg, Tirol und die Lombardei» (Erlangen 1823; 2. Aufl. 1834), «Reise durch das südl. Frankreich und Italien (2 Bde., Erlangen 1827—31) und vorzüglich «Reise in das Morgenland in den J. 1836 und 18375 (3 Bde., Erlangen 1838—39). Seine Selbstbiographie gab S. heraus unter dem Titel Der Erwerb aus einem vergangenen und die Erwartungen von einem zukünftigen Leben » (3 Bde., Erlangen 1853—66). Vgl. Schneider, «Gotthilf Heinrich von S. » (Bielefeld 1863).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 507Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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