FeedMiquel (Johs.)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Miquel (Johs.), hervorragender deutscher Politiker, geb. 21. Febr. 1828 zu Neuenhaus im Hannoverschen, besuchte das Gymnasium zu Lingen und studierte 1846 — 50 in Heidelberg und Göttingen die Rechte. Dann ließ M. sich als Anwalt in Göttingen nieder und gelangte durch ausgezeichnete Verteidigungen vor Gericht, wie durch rührige polit. Thätigkeit zu bedeutendem Rufe. Mitbegründer des Deutschen Nationalvereins, gehörte er zu dessen leitendem Ausschuß und erwarb sich um die Entwickelung desselben große Verdienste, war 1864 Mitbegründer des Deutschen Abgeordnetentags und Mitglied des ständigen Sechsunddreißiger-Ausschusses desselben. Durch seine Flugschriften: „(Das neue hannov. Finanzgesetz von 18575 (Lpz. 1861), in welcher die Folgen des Verfassungsbruchs eine schonungslose Kritik mit Zahlen erfuhren, und „Die Ausscheidung des Kammerdomanialgutso (Spz. 1862) als Kenner der verwickelten hannov. Finanzverhältnisse bewährt, wurde M. 1864 zugleich in drei Wahlbezirken in die Zweite hannov. Kammer gewählt. Im J. 1865 wählte ihn die Stadt Osnabrück zum Bürgermeister. Nach der Einverleibung Hannovers in Preußen vertrat M. im preuß. Abgeordnetenhause ununterbrochen bis 1882 den Wahlkreis Osnabrück, im Norddeutschen Reichstage 1867—70 ebenfalls Osnabrück und im Deutschen Reichstage 1870—76 das Fürstentum Waldeck. Er verstand es, in der nationalliberalen Partei die Gegensätze auszugleichen, die Verbindung mit den andern Parteien zu gemeinsamen Zielen herzustellen, und wirkte überall mit großer Mäßigung für Realpolitik. Im J. 1869 zum Oberbürgermeister von Osnabrück ernannt, vertauschte M. 1870 dieses Amt mit dem eines Direktors der Discontogesellschaft in Berlin, legte diese Stellung aber 1873 nieder. Ein großes Verdienst erwarb sich M. als Vorsitzender der zur Beratung der Reichsjustizgesetze eingesetzten Kommission; das Zustandekommen dieses Werks nationaler Rechtseinheit ist durch seine Leitung wesentlich gefördert worden. Im Herbst 1876 kehrte M. auf den inzwischen wieder erledigten Oberbürgermeisterposten von Osnabrück zurück, folgte aber 1880 der auf ihn gefallenen Wahl zum Oberbürgermeister von Frankfurt a. M. Im Nov. 1882 präsentierte ihn diese Stadt als ihren Vertreter im Herrenhause, welche Berufung seiner Wirksamkeit im Abgeordnetenhause ein Ende machte, und 18. Juni 1884 wurde er in den preuß. Staatsrat berufen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 757Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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