FeedSchumann (Rob.)
MusikBrockhaus 1882

Schumann (Rob.), ausgezeichneter Tonsetzer und musikalischer Schriftsteller, geb. 8. Juli 1810 zu Zwickau als Sohn eines Buchhändlers, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und bezog 1828 als Student der Rechte die Universität Leipzig, 1829 die zu Heidelberg, machte aber stets die Musik zu seiner Hauptbeschäftigung. Nach seiner Rückkehr nach Leipzig 1830 widmete er sich ausschließend der Kunst und suchte sich im Umgange mit dem als Lehrer des Pianofortespiels geschätzten Friedr. Wieck zum Virtuosen auszubilden, während ihm der Kapellmeister H. Dorn theoretischen Unterricht gab. Eine Fingerlähmung nötigte ihn indes, die Ausbildung als Klaviervirtuos aufzugeben und sich noch ausschließlicher als bisher der Komposition zu widmen. Zugleich gründete er im Verein mit Gleichgesinnten ein musikalisches Journal, welches der neuen Kunstrichtung in der Musik Bahn brechen sollte, die Neue Zeitschrift für Musike (seit April 1834), deren Redaction er bis 1844 vorstand. Unter seine Kompositionen aus den J. 1836—39 gehören die Davidsbündlertänze, die Kreisleriana, die Novelletten, die Kindersymphonien und Phantasiestücke. Indessen fanden diese Klavierkompositionen anfangs nur geringe Anerkennung. Nachdem er sich 1840 mit Klara Wieck, der Tochter ines Lehrers, vermählt hatte, wandte er sich als Komponist zum ersten mal dem Gesange zu und schuf 1840 noch 138 Gesangskompositionen, meistenteils Lieder, in welchen er seine innigsten Gefühle ausströmte. Außerdem studierte er eifrig die klassischen Meister, von den neuern besonders die Werke Felir Mendelssohns. Die so gewonnene Einsicht in die großen Formender Instrumentalmusikund deren Technik trug reiche Früchte in der B-dur-Symphonie und in „Ouverture, Scherzo und Finalev. Überdies fällt in das J. 1841 noch die Entstehung der D-moll-Symphonie, die später, neu überarbeitet, veröffentlicht wurde. Es folgten w1842—44 die drei Streichquartette, das berühmte Es-dur-Quintett für Klavier und Streichinstrumente, das diesem verwandte Es-dur-Quartett, die Variationen für zwei Klaviere, endlich die Musik zu Moores Paradies und die Periv. S. wurde 1843 als Lehrer des Klavierpartiturspiels und der Komposition an dem Konservatorium zu Leipzig angestellt, welche Thätigkeit indes wenig seiner Natur entsprach, sodaß er sie bald wieder aufgab. Mit seiner Gattin unternahm er 1844 eine langere Kunstreise durch Rußland, und nach seiner Rückkehr siedelte er von Leipzig nach Dresden über. Im J. 1845 komponierte er unter andern die C-dur⸗-Symphonie und das Klavierkonzert Op. 54. Im folgenden Jahre voll endete er seine Oper Genovevay, welche aber die erregten Hoffnungen nicht . erfüllte. Hieran schloß sich die Komposition der Musik zu Byrons (Manfredo. Zum höchsten Umfang steigerte sich seine Produktivität im J. 1849, in welchem allein 30, teils größere, teils kleinere Werke entstanden und auch die schon 1844 begonnene Faust-Musik (mit Ausnahme der später komponierten Ouverture) zum Abschluß kam. Im Herbst 1850 wandte sich S. mit seiner Familie nach Düsseldorf, wo er die ——. von Hiller bekleidete städtische Musikdirektorstelle übernahm. S. vermochte indes als wenig gewandter Orchesterdirigent, überdies von den schon 1833 und 1845 aufgetretenen, auf ein Gehirnleiden deutenden krankhaften Zuständen gestört, seiner Stellung nicht zu genügen, und nach langem Zögern sah man sich im Herbst 1853 genötigt, ihn seiner Thätigkeit zu entheben. Er fuhr dann fort zu schaffen bis zur völligen Umdüsterung seines Geistes, die sich mehr und mehr auch in seinen Werken geltend macht. Von seinen Kompositionen dieser Periode sind zu nennen die Es-dur-Symphonie (1850) und Der Rose Pilgerfahrte (1851), Ouverturen zu Julius Cäsaro, zu Hermann und Balladen für Soli, Chor und Orchester (z. B.Der Königssohno, Des Sängers Fluchv, «Das Glück von Edenhallo) u. s. w., welche zum Teil erst später im Druck erschienen. Zuletzt beschäftigte er sich mit der Zusammenstellung seiner Aufsätze und gab dieselben unter dem Titel Gesammelte Schriften über Musik und Musikero (4 Bde., Lpz. 1854; 3. Aufl., 2 Bde., 1875) heraus. Seine Leiden steiger⸗⸗ ten sich endlich so sehr, daß er 7. Febr. 1854 sich in den Rhein stürzte. Er ward gerettet und man brachte ihn in die Heilanstalt zu Endenich bei Bonn, wo er 29. Juli 1856 starb. Als Komponist schließt sich S. an Franz Schubert an und ist derjenige, welcher die von Beethoven begründete, im engern Sinne des Wortes romantisch genannte Richtung der Tonkunst vorzugsweise weiter geführt hat. Die schönsten Blüten seines Talents entfalteten sich auf dem rein lyrischen Gebiet. Wenn bei manchen seiner größern Leistungen das Gestaltungsvermögen des Künstlers dem Umfange der Aufgabe nicht gewachsen erscheint, wird man doch durch eine Fülle genialer Züge zum Teil für den Mangel der letzten Vollendung entschädigt. Ihm wurde in den städtischen Anlagen zu Leipzig ein Denkmal errichtet. Eine Gesamtausgabe seiner Werke, redigiert von seiner Gattin, erscheint bei Breitkopf u. Härtel in Leipzig. Vgl. die Biographien S.s von Wasielewski (Dresd. 1858; 2. Aufl. 1869) und Spitta (Lpz. 1883), „S.s Jugendbriefeov, herausgegeben von Klara S. (pz. 1886).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 523Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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