Schütz (Heinr.), gewöhnlich Sagittarius genannt, der größte deutsche Tonmeister des 17. Jahrh., geb. zu Köstritz im Vogtlande 5. Okt. 1585, kam 1591 mit seinen Eltern nach Weißenfels, von wo aus er mit 13 Jahren seiner schönen Sopranstimme wegen als Sängerknabe in die Kapelle des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel gelangte. Neben der musikalischen war hier für seine weitere Bil-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XIV. dung gut gesorgt, sodaß er 1607 zum Studium der Jurisprudenz die Universität Marburg beziehen konnte; doch ging er auf Veranlassung des Landgrafen Moritz 1609 nach Venedig, wo er Gabrielis Unterweisung in der Musik bis zu dessen Tode 1612 genoß. Darauf kehrte er nach Kassel zurück und erhielt in der dortigen Kapelle eine Anstellung als Organist. Im J. 1614 ward er zur Taufe des Herzogs August, nachherigen Administrators des Erzstifts Magdeburg, nach Dresden gerufen, um bei dieser Feier musikalisch thätig zu sein, und dies Nentschied seine weitere Laufbahn. Der Kurfürst von Sachsen, von seiner Leistung sehr befriedigt, ernannte ihn zu seinem Kapelldirektor. S. reformierte die dresdener Kapelle vollständig und hob sie zu einer damals bewunderten Höhe. Die Unterbrechungen seiner Wirksamkeit, welche der Dreißigjährige Krieg veranlaßte, benutzte er zu Reisen nach Italien, Kopenhagen und Braunschweig; die braunschweigische Hofmusik leitete er von Dresden aus. S. starb zu Dresden 6. Nov. 1672. Seine Kompositionen wurden allgemein bewundert. Gedruckt sind davon: Madrigale, Psalmen, Motetten, geistliche Lieder (unter dem Titel Symphoniae sacraey), das Oratorium Die Auferstehung des Herrnyu. s. w. Ungedruckt blieb unter anderm die Oper Dafneo, die nach Rinuccinis gleichnamigem Gedicht von Opitz bearbeitet und 1627 zu Torgau bei der Vermählung des Landgrafen von Hessen mit der Schwester des Kurfürsten von Sachsen aufgeführt wurde und überhaupt als die erste in Deutschland zur Aufführung gebrachte Oper zu betrachten ist. Ebenso blieben ungedruckt seine Passionen nach den vier Evangelien. In S. erreichte die prot. Musik des 17. Jahrh. ihren Kulminationspunkt. Die erste Gesamtausgabe seiner Werke veranstaltet seit 1885 Ph. Spitta bei Breitkopf u. Härtel in Leipzig. Die vier Passionen (das letzte Werk von S. und eins seiner bedeutendsten) sind davon bereits erschienen.