FeedSchwanenorden
ReligionBrockhaus 1882

Schwanenorden, der älteste Orden des preuß. Hauses, wurde in Anknüpfung an die Sage vom Schwanritter (s. Schwanjungfrauen) am Michaelistage 1440 von dem Markgrafen Friedrich II. von Brandenburg gestiftet und erhielt 15. Aug. 1443 seine Statuten. Der Orden hatte den Zweck, gegen die Entsittlichung des Adels in der Mark und anderwärts zu wirken, dessen Rauf- und Fehdelust zu zügeln und ihn wieder an Gottesfurcht und Ehrbarkeit zu gewöhnen. Seine Tendenz war hiernach eine spezifisch religiöse. Die Mitglieder mußten versprechen, sich jeder Unzüchtigkeit zu enthalten, ein frommes Leben zu führen und durch Gebete und Opferspenden zu bethätigen. Außerdem stand der Orden in enger Beziehung mit dem Frauenkultus des Mittelalters, indem das Ordensstatut den Frauen die Mitgliedschaft erlaubte, um durch den Umgang mit denselben die Gesittung des Rittertums zu veredeln. Daher lag auch in dem Mariendienst der Schwerpunkt der religiösen Handlungen, welche den Mitgliedern vorgeschrieben waren, und dies wieder gab Veranlassung zu dem Namen „Orden Unserer lieben Frauen zum Schwan». Hauptsitz des sich rasch über Nord- und Süddeutschland verbreitenden Ordens war das Gotteshaus auf dem Harlunger Berge bei Altbrandenburg. Als Ordensabzeichen galt das Bild der Gottesmutter an goldener Kette, darunter der Schwan als Symbol der Reinheit des Herzens, umgeben von einer weißen Schärpe, die unten verschlungen, in zwei Fransen herabhing. Im J. 1459 bestimmte ein Gesetz die Einteilung des Ordens in zwei Provinzen, ober⸗ und unterhalb des Thüringerwaldes. Mit der Reformation verlor der Orden seine Bedeutung und erlosch in sich selbst. Angeregt durch den religiösen und sittlichen Grundgedanken des Ordens, faßte König Friedrich Wilhelm IV. den Plan seiner Wiederbelebung. Ein Dekret vom 24. Dez. 1843 gab dem Orden eine mehr praktische Richtung auf die werkthätige Liebe des Christentums. Jedoch gelangte dieses Dekret nicht zur Ausführung. Vgl. Stillfried-Rattonitz, „Der S., sein Ursprung und Zweck, seine Geschichte und seine Altertümer »(Halle 1845); Hänle, «Urkunden und Nachweise zur Geschichte des S. (Ansbach 1876); Stillfried u. Hänle, «Das Buch vom Schwanenorden» (Berl. 1881). „Schwanenstadt, Stadt in Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck, nahe der Ager, die zur Traun geht, Station der Linie Wien-Salzburg der Ssterreichischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Bezirksgerichts, hat eine Papierfabrik und bedeutenden Hopfenbau und zählt (1880) 1619 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 541Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Religion 6