FeedSchwanjungfrauen
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Schwanjungfrauen und Schwanritter. Der Schwan stand in der german. Mythologie in engster Beziehung zu den in Luft und Wasser waltenden Lichtgottheiten und galt als ein weissagender Vogel; daher die noch jetzt zur Bezeichnung einer Vorahnung üblichen Ausdrücke Kes schwant mir», oder «mir wachsen Schwansfederno. Gewisse göttliche Wesen liebten Schwansgestalt anzunehmen, wie namentlich die Walkyrien oder die Schlacht⸗ und Schicksalsjungfrauen und die Wald⸗ und Wasserfrauen, welche dann Schwanjungfrauen genannt wurden und die Gabe der Weissagung besaßen. Aber auch mytholog. Wesen männlichen Geschlechts erscheinen in Schwanengestalt. Mehrern deutschen Stämmen gemeinsam war eine uralte Volkssage von einem Knaben, der aus dem Meere oder einem Binnengewässer ans Land getrieben und darauf der Stammvyater ihres ältesten Herrschergeschlechts geworden sei. Bei den Franken am Niederrhein hatte diese Sage besonders sich ausgebildet und war bereits zu Ende des 12. Jahrh. mehrfach poetisch bearbeitet in franz. und vielleicht auch in niederländ. Gedichten, wurde aber schon damals willkürlich geändert und an die Zeitgeschichte, namentlich an die Schicksale Gottfrieds von Bouillon geknüpft, wie in dem „Roman du chevalier au cygne ou de Godefroi de Bouillon o (herausg. von Reiffenberg, 2 Bde., Brüss. 1846—48). In Deutschland übertrug Wolfram von Eschenbach am Schlusse des «Parzivalo die Sage vom Schwanritter auf Loherangrin, den Sohn des Gralkönigs Parzival, doch ohne sie weiter auszuführen. Dies that dann vor 1290 ein ungenannter Verfasser in einem langen strophischen Gedichte «Lohengrin » (s. d.), während kurz zuvor Konrad von Würzburg in einer gefälligern Dichtung „Der Schwanenritterv die Sage nach Nimwegen und unter Karl d. Gr. versetzt hatte. Auch als Prosaroman erscheint die Sage gegen Ende des 15. Jahrh. in franz. und niederländ. Sprache, und das niederländ. Volksbuch ist noch jetzt beliebt. Eine mytholog. Erklärung der Sage hat W. Müller in Pfeiffers 4Germania v (Jahrg. 1) versucht. Vgl. noch von der Hagen, „Die Schwanensages (Berl. 1848).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 543Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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