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GeschichteBrockhaus 1882

Schwarzenberg (Karl Philipp, Fürst von), Herzog von Krumau, österr. Generalfeldmarschall, geb. 15. April 1771 zu Wien, trat 1788 als Offizier in das österr. Heer ein und zeichnete sich beim Sturm auf Schabacz, 1789 in dem Türkenkriege unter Lacy, dann 1792 als Major im Kriege gegen Frankreich aus. In dem Feldzuge von 1793 kommandierte er einen Teil der Vorhut des Prinzen von Coburg und wurde Oberst. In der Schlacht von Chäteau-Cambrésis 1794 warf er unter General Otto an der Spitze seines Reiterregiments, gefolgt von zwölf brit. Schwadronen, den Feind, dessen Infanterie vollständig aufgerollt wurde. Nach dem Siege bei Würzburg wurde er 1796 Generalmajor, 1799 Feldmarschalllieutenant. In der Schlacht von Hohenlinden 1800 rettete er sein Korps von der Gefangenschaft. In dem Kriege von 1805 befehligte S. eine Division unter dem General Mack. Bei Ulm befehligte er den österr. rechten Flügel. Nachdem alles verloren, schlug er sich unter dem Erzherzog Ferdinand mit einigen Reiterregimentern durch und entkam glücklich nach Eger in Böhmen. Die Schlacht von Austerlitz wurde gegen seinen Rat vor der Ankunft der Verstärkungen geliefert. Im J. 1808 erhielt er die österr. Botschaft in Petersburg, verließ aber 1809 Petersburg, nahm an der Schlacht bei Wagram teil und wurde General der Kavallerie. Nach dem Wiener Frieden leitete er als österr. Botschafter in Paris die Unterhandlungen über die Vermählung Napoleons I. mit der Erzherzogin Marie Luise und erwarb sich, besonders nach dem gräßlichen Brande des Ballsaals bei dem Feste, das er zur Feier der Verbindung mit der Erzherzogin gab, Napoleons J. Vertrauen im höchsten Grade; er erhielt auf dessen Wunsch in dem russ. Feldzuge 1812 den Befehl über das österr. Hilfskorps. Dieses 30000 Mann starke Korps ging in den ersten Tagen des Juli 1812 über den Bug und besetzte am 11. Pinsk. Im August erhielt S. von Napoleon I. den Oberbefehl auch über das siebente, aus Sachsen bestehende Korps und operierte auf dem rechten Flügel der gegen Moskau vordringenden Hauptarmee. Er erreichte gegen Tormassow einige Vorteile, mußte sich jedoch vor der verstärkten russ. Armee unter Tschitschakow und Tormassow im Oktober ins Großherzogtum Warschau zurückziehen, wo er sich, wahrscheinlich zufolge geheimer Instruktionen, bis zum Febr. 1813 in der Stellung von Pultusk unthätig verhielt. In diesem Feldzuge hatte S. vom Kaiser Franz auf Napoleons J. Wunsch den Marschallsstab erhalten. Im April 1813 war S. in Paris, wo er vergeblich den Frieden zwischen Frankreich und Rußland zu vermitteln versuchte. Nach seiner Rückkehr erhielt er den Oberbefehl über das sich in Böhmen versammelnde Heer, welches im August, nach der Kriegserklärung Ssterreichs, durch einen Teil der preuß. und russ. Heere verstärkt wurde. S. wurde zum Generalissimus der gesamten gegen Frankreich bestimmten Armeen ernannt. Seine erste Unternehmung gegen Dresden war nicht glücklich, die siegreiche Schlacht bei Kulm gegen Vandam stellte aber das Vertrauen in seine Tüchtigkeit wieder her. S. schlug sodann Napoleon I. bei Leipzig und führte 1814 die verbündete Armee nach Frankreich, wo der Feldzug glücklich beendigt wurde. Nach der Rückkehr Napoleons I. von Elba erhielt S. den Oberbefehl über die verbündete Armee am Oberrhein; die Schlacht bei Waterloo ließ dieselbe aber nicht zu erheblicher Thätigkeit kommen. Nach Beendigung des Kriegs wurde er 1815 Präsident des Hoftriegsrats und mit mehrern Gütern in Ungarn beschenkt. Am 13. Jan. 1817 lähmte ihm ein Schlagfluß die rechte Seite; er starb auf einer Reise zur Kur 15. Okt. 1820 in Leipzig. Das Feldherrntalent S.s ist häufig in Zweifel gezogen, namentlich sein Feldzug von 1814 scharf verurteilt worden. Doch darf man nicht übersehen, wie sehr er durch polit. und persönliche Einflüsse in der Kriegführung gehemmt war. Seine Familie ließ ihm 18. Okt. 1838 ein Denkmal auf dem leipziger Schlachtfelde (bei Meusdorf) setzen; in Wien wurde ihm 20. Okt. 1867 ein von Hähnel gefertigtes Reiterstandbild errichtet. Vgl. Prokesch-Osten, «Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Feldmarschalls Fürsten S.y (2. Aufl., Wien 1872).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 555Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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