FeedSeydlitz (Friedr. Wilh. von)
GeschichteBrockhaus 1882

Seydlitz (Friedr. Wilh. von), preuß. General, geb. zu Kalkar bei Kleve 3. Febr. 1721, zeigte schon als Knabe und als Page in Diensten des Markgrafen von Schwedt durch manches Wagstück den künftigen kühnen Reiter. Nachdem er 1738 als Kornett bei dem Kürassierregimente des Markgrafen eingetreten, wurde er im April 1742 bei Kranowitz in Oberschlesien gefangen, sehr bald aber freigegeben und 1743 zum Husarenrittmeister ernannt. In der Schlacht bei Hohenfriedberg nahm er den sächs. General von Schlichting gefangen und wurde hierauf zum Major ernannt. Auch in der Schlacht von Sorr zeichnete er sich rühmlich aus. Seine Oernhent veranlaßte 1752 seine Erhebung zum Oberstlieutenant. Bald darauf wurde er Kommandeur des Dragonerregiments Württemberg, 1753 des Kürassierregiments von Rochow und 1755 Oberst. In der Schlacht bei Kolin 1757 deckte er als Oberst an der Spitze einer Brigade durch einen glänzenden Angriff den Rückzug des preuß. Heers, wofür ihn zwei Tage später der König zum Generalmajor beförderte. Am 7. Sept. 1757 führte er ein kühnes Reitergefecht bei Pegau, und 19. Sept. vertrieb er den Marschall Soubise aus Gotha. Vom Könige mit dem Befehle über die gesamte Kavallerie betraut, feierte er seinen glorreichsten Tag in der Schlacht bei Roßbach 5. Nov. 1757, infolge deren der König ihn zum Generallieutenant erhob. Seinen Ruhm erhöhten noch die Schlachten von Zorndorf und Hochkirch. In der Schlacht von Kunersdorf wurde S. verwundet und mußte nach Berlin gebracht werden. Hier heiratete er eine verwitwete Gräfin Hacke und kehrte alsbald zur Armee nach Leipzig zurück. Im J. 1760 nahm er teil an der Verteidigung Berlins gegen die Russen, wurde 1761 zur Armee des Prinzen Heinrich gesendet und bewährte 1762 in der Schlacht bei Freiberg abermals seine Umsicht in glänzender Weise. Nach dem Frieden übertrug ihm der König die schles. Kavallerie-Inspektion und ernannte ihn 1767 zum General der Kavallerie. Im April 1772 vom Schlage gerührt, starb S. 8. Nov. 1773. Sein Grab in dem Garten seines Landgutes Minkowsfki bei Namslau in Schlesien bezeichnet ein einfaches Denkmal. In Berlin ließ ihm der König auf dem Wilhelmsplatze ein marmornes Denkmal errichten. S. war der beste Reitergeneral seiner Zeit. Vgl. Varnhagen von Ense, «Biographische Denkmaley (3. Aufl., Lpz. 1872); Kähler, 4S. in seiner Bedeutung für die Reitereid (Berl. 1874); «Friedr. Wilh. von S., der deutschen Reiterei gewidmet von einem deutschen Reiteroffizier» (Kass. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 746Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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