FeedSchwedische Sprache
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Schwedische Sprache. Die schwed. Sprache gehört, wie die dänische, zu den ostgerm. Sprachen, unter diesen zu den nordischen, von denen sie wiederum den westnord. Dialekten Norwegens gegenüber eine besondere, obwohl nur mundartlich verschiedene Sprache bildet. (S. Nordische Sprachen und Litteraturen.) Die ältesten Denkmäler der schwed. Sprache, die in einer überaus reichen Anzahl von Runeninschriften (darunter die umfangreichere des Röksteins, herausgeg. von S. Bugge in «Antiq. Tidsk. f. Sverige v, V, 1— 215) aus dem 10. bis ins 14. Jahrh. erhalten sind, lassen bei der höchst einfachen Lautbezeichnung wenig Eigentümliches erkennen, um aus ihnen ein charakteristisches Bild ihrer Sprache zu gewinnen. Ein solches bietet erst die umfängliche Litteratur, die in vielen Provinzgesetzen, Prosa- und Reimchroniken, Legenden, Übersetzungen des 13., 14. und 15. Jahrh. überliefert ist. Das Altschwedische, wie man die Sprache dieses Zeitraums im Gegensatz u dem seit der Reformation sich entwickelnden teuschwedischen nennen darf, zeigt im Vergleich zum Altnorwegisch-Isländischen anfangs zwar in lautlicher, grammatischer, lexikalischer Beziehung nur wenig Verschiedenheit, außer daß dem erstern sowohl ein geringerer Umfang des Umlauts als auch ein Vorherrschen langer Vokale statt der im Altnorwegischen gebliebenen Diphthonge eigentümlich ist. Bald jedoch machen sich äußere Einflüsse geltend, welche die Sprache von ihrer ursprünglichen Gestalt immer mehr entfernen. War bereits durch die Annahme des Christentums (nach 1050) und die dadurch herbeigeführte Kenntnis der lat. Sprache, deren Schrift statt der bisher, hauptsächlich für Steininschriften benutzten Runen nicht ohne wesentlichen Belang für die Lautbezeichnung sein konnte, der Wortschatz nach Form und Inhalt erweitert, so mußte dies, freilich auf Kosten der Reinheit, noch in bei weitem höherm Grade geschehen, als seit der Mitte des 13. Jahrh. das Deutsche durch den regen Verkehr mit den deutschen Ostseeküsten, seit Ende des 14. Jahrh. das Dänische während und infolge der Kalmarunion viele neue Bestandteile zuführten. Versetzt mit einer Menge so verschiedener und fremdartiger Wörter und Redeweisen, in ihren Flexionsendungen abgeschwächt und durch die willkürlichste Orthographie entstellt, war sie allmählich in einen Zustand der Verwilderung geraten, der seinen Höhepunkt in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. erreichte. Es war die übergangszeit zur neuschwed. Sprache. Auf ihre Gestaltung übten zwar neben der neu hinzutretenden franz. Sprache die deutsche und die dänische, erstere namentlich durch die Reformation und den Dreißigjährigen Krieg, sowie durch ununterbrochene Anrkennung deutscher Litteratur und Wissenschaft, sehr bedeutenden Einfluß. Dagegen wirkten die sprachreinigenden Bemühungen verdienstvoller Männer, wie Andreäs und der Gebrüder Petri durch ihre Bibelübersetzungen, wie ferner Stjernhjelms u. a., jia der Könige des Landes selbst von Gustav I. Wasa bis auf Gustav II. Adolf, endlich das Aufblühen einer namentlich durch den Gotenbund gehobenen Nationallitteratur und die grammatische Behandlung der Sprache intensiv und anhaltend genug, um die Entwickelung der Sprache wieder in eine ihrer ursprünglichen Natur entsprechende Bahn einzulenken, auf der sie dann seit dem Beginn des 18. Jahrh. zu einem hohen Grade von innerer Kraft und Reife gediehen ist. Die schwed. Sprache, wie sie jetzt in einer reichen Litteratur ausgeprägt vorliegt und außer dem Königreich Schweden und seinen Inseln auch in einigen Teilen Finlands, an der Küste Estlands und auf Runö gesprochen wird, ist unter den neuern Sprachen Europas eine der wohlklingendsten. Unter den ungefähr zwanzig Dialekten, in denen das Schwedische gesprochen wird, und von denen einige bereits im 13. Jahrh. zur Abfassung von Provinzgesetzen dienten, verdienen neben dem sörmländischen (der Provinz Södermanland), aus dem die heutige Schrift- und Redesprache gebildet ist, vorzugsweise die in der Provinz Dalarne und auf der Insel Gotland üblichen eine Auszeichnung: beide tragen ein besonders altertümliches Gepräge. Die Grammatik der schwed. Sprache, die seit Gabr. Wallenius (1682) in Tjällman (1696), Ljungberg (1756), Sahlstedt (1769 und 1798), von Botin (1777 und 1792), Fryxell (1824; 13. Aufl. 1865), Enberg, dem anonymen Verfasser der von der Schwedischen Akademie herausgegebenen Grammatik (1836), Sjöborg (6. Aufl., Strals. 1848), Dietrich (2. Aufl., Stockh. 1848), Swedbom (1830; 2. Aufl. 1845), Schram (7. Aufl. 1864) und Lyth (1848) die namhaftesten frühern Bearbeiter gefunden, erhielt die erste, der heutigen Sprachwissenschaft entsprechende Behandlung durch Rydquist (ESvenska Spräkets Lagarv, Bd. 1—5, Stockh. 1850—74), Södervall (Hutvudepokerna of Svenska Spräkets utbildningo, Lund 1870), Dalin (Svenska Spräkets Synonymenvp, Stockh. 1870) und Sunden ((Svensk Spräkläray, Stockh. 1875). Die Geschichte der schwed. Sprache bis ins 17. Jahrh. hat Petersen in Det Danske, Norske og Svenske Sprog Historiev (2Bde., Kopenh. 1830) gegeben, eine besondere Darstellung des Altschwedischen Munch (Stockh. 1849). Neuerdings hat sich ein Verein gebildet, der sich besonders mit der Erforschung der Dialekte beschäftigt und in seinen exakten Nyare bidrag till kännedom om de svenska landsmälen ock svenskt folklifo seine Forschungen niederlegt. Unter den Wörterbüchern ist hervorzuheben das «Glossarium Suio-Gothicumy (Ups. 1769) von Ihre und das 4Sveunsk Dialektlexikono von Rietz (Lund 1867). Ein großes nach Grimms Vorbilde bereitet die Schwedische Akademie vor. Das beste Lexikon für den praktischen Gebrauch ist das von Helms (Lpz. 1883). Schwedisch-Polnisch-Dänisch-Brandennisch-Ocwediie von 1655 bis 1660, s. Polnisch-Schwedisch-Dänisch-Brandenburgischer Krieg von 1655 bis 1660.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 576Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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