Fortunatus (Venantius Honorius Clementianus), lat. Dichter des 6. Jahrh. n. Chr., ward um 530 zu Duplavilis in der Nähe von Treviso geboren und erwarb sich zu Ravenna eine ausgezeichnete Bildung in Grammatik und Rhetorik, Philosophie und Theologie. Um 560 zog F. durch Germanien nach Gallien, lebte längere Zeit am Hose Sigiberts von Austrasien, begab sich dann nach Tours zum Grabe des heil. Martin und darauf nach Poitiers, wo die fromme und gelehrte Radegunde, Gemahlin Chlothars I., in einem Kloster lebte. Jetzt erst trat F. in den geistlichen Stand, wurde später Bischof von Poitiers und starb als solcher nach 600. 3. ist der letzte bedeutende Dichter vor Karl d. Gr. Der Stoff seiner Gedichte ist sehr mannichfaltig. Er preist weltliche und geistliche Große, schildert eine Reise an der Mosel, beschreibt altchristl. Baptisterien und Basiliken, feiert das heilige Kreuz, besingt Märtyrer und 5 eilige. Besondere Erwähnung verdienen die beiden Passionslieder: «Vexilla regis prodeunto und «Pange lingua gloriosio, die Vita 8. Martinio in Hexametern, vier Bücher umfassend, und eine Lebensbeschreibung der Radegunde in Prosa. Die beste Ausgabe seiner Werke veranstaltete Luchi (Rom 1786). Vgl. Bormann, «über das Leben des lat. Dichters F.y (Fulda 1848); Ebert, 4Geschichte der christlich lat. Litteratur bis zum Zeitalter Karls d. Gr. (Lpz. 1874).